Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
Wieland Freund: Es gibt nur ganz wenige Sachen, die bleiben

"Es gibt nur ganz wenige Sachen, die bleiben"



W.F.: Zwischen dem großen Erfolg Ihres Romans "Infanta" und dem neuen Buch "Parlando" hat man Bodo Kirchhoff länger nicht gesehen. Schöpfen Sie jetzt wieder Luft oder halten Sie sie an?

B.K.: Ich habe nach "Infanta" genauso viel geschrieben wie vor "Infanta". Nur brach nach diesem Erfolg ein ziemliches Neidgewitter über mich herein. Mit vielen Blitzen unter der Gürtellinie. Davon hatte ich irgendwann genug und habe mich auch aus diesem Grund zurückgezogen. Zudem wollte ich lange an etwas arbeiten, und wenn man lange an etwas arbeitet, muss man das finanzieren. Weil ich aber niemand bin, der die Hand aufhält, habe ich angefangen, für das Fernsehen zu schreiben. Das hatte den schönen Nebeneffekt, dass es mich von der Literatur als Geldquelle unabhängig gemacht hat. Ich konnte mir deshalb für "Parlando" sehr viel Zeit lassen.

W.F.: Sie haben acht Jahre an Ihrem Roman gearbeitet ...

B.K.: Ich habe 1993/94 angefangen mit einer Ehegeschichte, bis mir immer der Gedanke kam, über mich zu erzählen aus der Perspektive eines nur unwesentlich jüngeren Sohnes. Ich hätte damals mit 16 oder 17 Vater werden können. Das ist knapp an mir vorbeigegangen, aber es hat mich immer beschäftigt.

W.F.: Sie haben Ihre Biografie aufgespalten und auf zwei konkurrierende Figuren verteilt. Ist ein solcher autobiografischer Anteil eine Last oder ein Guthaben?

B.K.: Ein Guthaben ist die Autobiografie nur dann, wenn man menschlich und handwerklich so weit ist, um sie als begriffenes Leben abrufen und gestalten zu können. Zunächst aber ist sie eine Last, die man mühsam zur Sprache bringen muss. Ich habe zum ersten Mal in diesem Umfang autobiografisches Material verwendet, es allerdings im Sinne des Romans extrapoliert.
 
(...)

Wieland Freund
in: Die Welt. 03.11.2001
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