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Uraufführung am 11.6.1984 Badisches Staatstheater Karlsruhe
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P u b l i k a t i o n e n
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Wer sich liebt
Schauspiel
1. Auflage 1981
Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main 1981
99 Seiten
ISBN 3-518-03432-4
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Leseprobe
In WER SICH LIEBT begegnen sich mehrere Personen, am Rande eines literarischen Ereignisses, in einem Kongreß- und Freizeitzentrum. Mehr oder weniger Zugehörige im Hinblick auf ihre unterschiedlichen Beziehungen zu abwesenden Berühmtheiten - zum Imaginären.
Ludger ist Schriftsteller und fühlt sich selbstverständlich nicht wohl; Astrud ist Kulturredakteurin und möchte auf Distanz gehen; Margit sammelt Autogramme und will mehr als nur die Namenszüge; der Verleger Mayer-Lay glaubt sich von einem abgewiesenen Autor verfolgt; seine Tochter Frederike recherchiert für ein Buch über Folter; Werner, sein Leibwächter, wirft ein Auge auf Margit; Vera erteilt Lebensrat; Friedhelm ist ihr Begleiter; eine Bedienung erkundigt sich nach Wünschen. Dazwischen treten hin und wieder zwei schwarze Asylanten in Erscheinung sowie Dieter, Ingrid, Klaus und Petra, die über Tennis reden.
Die Unterhaltungen, Gespräche und Szenen, die sich aus den laufenden Begegnungen ergeben, sind Variationen über ein Begehren nach demselben, Variationen über das Konservative; sie ergänzen sich in einem Text, der immer wieder auf eine Komödie zusteuert.
1.1
LUDGER »Anweisungen für Schauspieler und Regisseure, die alle Zweideutigkeiten verhindern, zeigen nur die Angst des Autors, falsch oder gar nicht verstanden zu werden. So sieht man auf der großen Bühne - nach den kleinlichen Vorschriften Ludger Möncks -«, das bin doch nicht ich!
ASTRUD Weiterlesen.
LUDGER Ein gutes Dutzend Leute benoten.. was ein paar Hundert Leute einmal pro Jahr, mehr oder weniger gut verschlüsselt, über ihr Befinden mitzuteilen haben, und ein paar Tausend Leute, höchstens..
ASTRUD Was soll das jetzt?
LUDGER Die nicht einmal ein Fußballstadion füllen könnten.
ASTRUD Weiter. Vorlesen.
LUDGER ».. eine Art Wandelhalle, in der Menschen herumstehen oder umhergehen - einzeln, paarweise oder zu dritt - und eine Zeitlang durcheinanderreden. Dabei kommt es immer wieder zu Umgruppierungen, sobald irgendwo eine Person hinzutritt, die für einen sich im Gespräch Befindenden offenbar von größerem Interesse ist als ein bisheriger Partner. Dieser hat dann auszuscheiden und nimmt woanders Kontakt auf.
Muß man bei solchen seltsam-schönen Bildern noch an die Stücke von Wegeleben denken«, - von Wegeleben, mein Gott..
ASTRUD Weiter.
LUDGER »So wird man spätestens nach den ersten halbwegs zusammenhängenden Sätzen an die Sinnfeindlichkeit dieses Autors erinnert. Statt Charakteren zeichnet Ludger Mönck Figuren, statt des Schicksals«, des Schicksals.. mein Schicksal ist der Ölpreis, »bringt er den Zufall ins Spiel«, bitte.. Es gibt hier nicht dieses geistige.. Wo ist eigentlich Mayer-Lay?
ASTRUD Gottes willen!
LUDGER Kommen Sie, Kopf in den Nacken.
ASTRUD Sich irgendwo gestoßen?
MARGIT Iwo. Aus heiterem Himmel.
ASTRUD Wollen Sie nicht lieber ein Taschentuch?
LUDGER Kann ich Sie wohin bringen?
MARGIT Bringen Sie sich doch bitte nicht um meinetwegen, ich bitte Sie, bitte..
LUDGER Sagen Sie mir, wohin..
MARGIT Hier geht man sowieso so leicht verloren, oder haben Sie nicht das Gefühl? Oder habe ich Sie jetzt beide..
ASTRUD Kein Taschentuch?
MARGIT Ich habe doch alles.. da drin.
LUDGER Sie sollten sich vielleicht hinlegen.
MARGIT Blödsinn.. Ich wollte mich ja auch mal unter die Leute stürzen, kennen Sie Spielmann, ich meine persönlich? Oder kennen Sie Richard Trost? Ist denn mein Papier..?
LUDGER Ich bringe Sie..
MARGIT Das höchste der Gefühle ist, daß ich mich setze. Oder kennen Sie Spielmann?
ASTRUD Das haben Sie schon gesagt.
MARGIT Ich wiederhole mich und merke es gar nicht, das gibt es.. ja nicht selten.
ASTRUD Wirklich kein Taschentuch?
MARGIT Geht doch schon hier mit, keine Scherereien, Taschentuch würde auch nie wieder sauber werden, Blutflecken sind die allerschlimmsten.. sonst immer Klopapier dabei.
BEDIENUNG Einen Wunsch?
LUDGER Möchten Sie etwas?
MARGIT Fragen Sie mich? Ich möchte eigentlich nichts.
LUDGER Astrud, Sie?
MARGIT Und ich dachte, Sie gehören zusammen, ich hätte schwören können, Sie sind liiert oder heißt es, Sie seien, ich glaube.. Ich glaube..
LUDGER Ihre Nase wieder gut?
MARGIT Hat sich wieder beruhigt.
ASTRUD Nur ein Äderchen geplatzt..
MARGIT Könnte aber noch was nachkommen.
LUDGER Haben Sie das öfter?
MARGIT Einmal im Jahr.. Ich bin jedenfalls kein Nasenblutertyp, ich laboriere da nicht, ich kann mich eigentlich nicht beschweren. Ich bin sowieso kein Mensch.. der sich so gerne beschwert. Ich bin eigentlich ein ziemlich gesunder Typus, Nasenbluten ist ja nicht ungesund. Glauben Sie nicht..
Wenn Sie mich nicht zufällig gesehen hätten.. Sie ja gar nichts bemerkt, wenn Sie mich nicht gesehen hätten. Das ist ja nun mal nicht zu verbergen, wenn es einem aus der Nase kommt, einmal im Jahr. Die übrigen dreihundertvierundsechzig Tage passiert so was nicht, so ein Gespräch allein.. Wie's mir geht, wie's mir nicht geht, reicht schon, daß Sie das mitangesehen haben. Steht da eine und blutet, also dankeschön.
Sie haben natürlich nichts zu danken, ich habe zu danken, für Ihre Hilfe. Ich bin ja auch schon wieder aufm Damm, ich.. Ich bin ja ungezogen, platz hier so herein.
LUDGER Absolut nicht. Reden Sie ruhig weiter.
ASTRUD Bitte.
MARGIT Wenn Sie wissen möchten, was ich hier verloren habe.. gar nichts. Das heißt, ich bin nicht unbedingt im Literaturgeschäft, ich sammle Autogramme, unter anderem. Ich bin unter anderem hier, weil ich Autogramme will. Also keine besondere Notwendigkeit, daß ich hier anwesend bin. Autogramme sammeln ist ja etwas Überflüssiges.
Aber ich hab schon als Kind damit begonnen. Und bin dann einfach geblieben dabei. Sturheit. Oder immer noch derselbe Wunsch.. nach Demselben, ich hab auch immer noch dasselbe Autogrammbuch, hier.. Erste Autogramm gab mir mein Vater. Aber das andere sind alles Bekannte. Manche Leute schreiben ja auch mehr rein, ich bin eigentlich darauf aus, daß jemand mehr reinschreibt, hinter seinen Namen. Richard Trost hat mir im letzten Jahr zum Beispiel, sehen Sie..
LUDGER Ihr Löschblatt..
MARGIT Nein. Ich möchte nicht, daß Sie sich ekeln.
LUDGER Sie dürfen sich nicht bücken.
MARGIT Jedenfalls hat das Löschblatt jetzt ausgedient.
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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