Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
Reinhard Tschapke: Ein Buch ist heute eine Zumutung

Ein Buch ist heute eine Zumutung



R.T.: Herr Kirchhoff, sind Sie gerne auf Lesereise?

B.K.: Ich hasse Zugfahrten, und ich bin jetzt seit 10 Wochen unterwegs. Zum Glück ist das Ende absehbar. Auch das Ende meiner Kraft. Ich bin so gelöchert, daß ich mich z.B. nicht mehr fotografieren lassen möchte, schon gar nicht bei den Lesungen. Am liebsten würde ich mich verstecken.

R.T.: Dennoch nehmen Sie die "Tortur" auf sich ...

B.K.: Ich weiß, daß Lesungen zum heutigen Schriftstellerdasein gehören. Ein Gewinn ist, daß ich wenigstens studieren kann, was dabei mit mir geschieht. Der Öffentlichkeit ausgesetzt zu sein, zählt zu den wenigen einschneidenden Erfahrungen, die ich in diesem Land machen kann.

R.T.: Inwieweit sind Ihre Lesungen inszeniert?

B.K.: Ich habe, zusammen mit einem befreundeten Regisseur, mit Serge Roon, zwei Tage lang geprobt. Die Lesungen sollten anders sein, aus der langweiligen, fast spiritistischen Atmosphäre des reinen Dasitzens herauskommen. Das bewußte Benutzen der Minimalrequisiten - Tisch, Stuhl, Wasserglas, Licht - zielt auf Kleinkunst. Ich will auch in Buchhandlungen eine bühnenartige Situation erzeugen. Deshalb sitzen die Zuschauer z.B. im Dunkeln. Und ich verändere mehrfach meine Position, immer in Korrespondenz zum Text.

(...)

Reinhard Tschapke
in: Die Welt. 11.12.1990
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