Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
DER SPIEGEL: Literaten sind Lügner

Literaten sind Lügner

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SPIEGEL: Nehmen Sie bewußt in Kauf, daß Ihre Texte gegen bestimmte Vorstellungen von Korrektheit verstoßen?

B.K.: Vermutlich bin ich ein furchtbar unkorrekter Autor, ohne das zum Programm erheben zu wollen. Ich muß mir herausnehmen dürfen, rücksichtslos zu sein gegen mich selber und gegen andere. Wobei für mich im Vordergrund steht, Selbstanzeige zu erstatten. Ich gehe sozusagen mit gutem Beispiel voran und erlaube es mir daher, mit einem Kamerablick zu erzählen, grausam genau, wenn es sein muß, und ohne das Polster eines Kommentars. Daher vielleicht die unsachlichen Beiträge über mich, die oft schon ins Fachistoide neigen, weil man von äußeren Merkmalen auf den Charakter schließt.

SPIEGEL: Wie meinen Sie das?

B.K.: Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Als ich meine erste Poetikvorlesung in Frankfurt hielt, hatte ich irgendwelche 80-Mark-Schuhe an. Hinterher stand in der FAZ, daß ich teure italienische Schühchen, die gut zu mir paßten, getragen hätte. Also habe ich bei der nächsten Vorlesung die Schuhe ausgezogen, damit wie Chruschtschow auf dem Podium herumgefuchtelt und gesagt, was sie wirklich gekostet haben und aus welchem Material sie sind. Wer über Schuhe schreibt, sollte wenigstens über Schuhe Bescheid wissen.

SPIEGEL: Halten Sie sich für einen wehleidigen Menschen? Sie schreiben ziemlich drastisch, und dann beklagen Sie sich über drastische Reaktionen.

B.K.: Als Autor verfüge ich über einiges Handwerk und wohl auch über das Talent, das zu sagen, was ich möchte. Als Mensch bin ich eher scheu, sozusagen minderbemittelt - und erschrecke über die Reaktionen auf mein Schreiben.

(...)

Anke Dürr/Wolfang Höbel
in: Der Spiegel. 14.07.1997.











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