Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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»GLÜCKLICH IST, WER VERGISST« wurde am 4.12.1982 an den Städtischen Bühnen Osnabrück uraufgeführt.


INSZENIERUNG
Serge Roon
Serge Roon

Bühnenbild und Kostüme:
Edgar Ruth
Dramaturgie:
Rolf Wilken
Regieassistenz:
Karin Hoffmeister/Thomas Schneider
Inspektion:
Karla Hülfe
Souffleuse:
Maria Ulmer
Technische Leitung:
Alfons Pohlmann
Technische Einrichtung:
Jürgen Schürmann
Beleuchtung:
Lothar Biehl/Günter Knaul
Ton:
Detlef Sidow
Maske:
Walter Buß
Requisite:
Alfred Mühren
Kostümwerkstätten:
Heinz Hußmann

Spieldauer: 1 1/2 Stunden
Keine Pause

Personen:

DER BESUCH
Sigrid Zander
Sigrid Zander

DER PFLEGEFALL
Annemarie Flägel
Annemarie Flägel

DER ELEKTROMENSCH
Werner Zigmann
Werner Zigmann

DAS PFLEGEPERSONAL
Mona Schmidt
Mona Schmidt


























Bodo Kirchhoff
Foto: Isolde Ohlbaum
































Szenenbild
Szenenbild


P u b l i k a t i o n e n

Spectaculum 40




Glücklich ist, wer vergißt

Schauspiel/Hörspiel

in SPECTACULUM 40
Seiten 203 - 238
1. Auflage 1985
Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main 1985

Leseprobe

Personen: der Besuch, eine Dame, ca. 50 J. (ihr Text ist kursiv gesetzt) • der Pflegefall, eine Dame, ca. 70 J. (ihr Text ist auf die übliche Weise gesetzt) • der Elektromensch, ein Witwer, ca. 40 J. (sein Text ist in GROSSBUCHSTABEN gesetzt) • das Pflegepersonal, zwei junge Mädchen (ohne Text).


Guten Tag

Guten Tag

Mein Gott
Guten Tag

Jetzt kommen Sie

Ich bin Kätha Götz
Können Sie mich hören
Mein Gott
Wissen die schon daß Sie da sind
Wie geht es Ihnen


Und ich habe gar nichts anzubieten
Ich bin Kätha Götz
Das Gästehandtuch hängt ganz links
Die erste Frau von Rudolf

Ich habe mich nicht angemeldet, weil ich gar nicht gewußt habe, daß ich heute
schon komme
Es ergab sich zufällig
Ich kam gestern mit dem Zug aus Dortmund
Ich hoffe, es geht Ihnen gut

Die Gegend ist ja wunderschön hier
Sie haben den Blick auf die Berge

Vom Bett aus den Blick auf die Berge

Schrecklich muß ich ausschauen
Wie geht es Ihnen denn
Wann geht denn Ihr Bus
Daß Sie mir nichts liegenlassen dann, Ihren Schirm
Im Moment regnet es gar nicht
Wie spät ist es denn jetzt, hab ich schon gegessen

Heute hab ich Sie gar nicht erwartet

Ich kenne mich gar nicht mehr aus

Ich bin Kätha Götz
die erste Frau von Rudolf Götz, dem Mann Ihrer lieben Tochter, ich soll sie recht herzlich von Annegret grüßen
und natürlich auch von Rudolf

Annegret

Annegret hat mich eines Tages einfach besucht, nachdem die beiden geheiratet hatten, ich wohne ja praktisch nur um die Ecke
Sie kam vorbei und stellte sich vor, und wir haben uns unterhalten, über Rudolf, über die Kinder
Es war ja eine ausgesprochen friedliche Trennung
Ja, und seitdem treffen wir uns regelmäßig und plaudern, ich bin darüber sehr sehr froh

Fassungslos bin ich
Sie hab ich ja gar nicht erwartet
Und ich habe gar nichts für Sie da
Ich habe kein Geld mehr
Es ist weg
Annegret meinte, es würde Ihnen Freude bereiten, wenn ich Sie besuchte, und bestimmt hätten Sie Lust, ein bißchen rausgefahren zu werden.
Daß Sie da sind
Annegret meine, es sei eine Abwechslung, wenn ich Sie besuchte, können Sie mich hören
Wenn sie mich hören können, dann nicken Sie bitte, seien Sie so lieb

Wie geht es Ihnen denn

Ich liege hier und

Diese Fliege da macht mich verrückt
Sie müssen mir die Fliege erschlagen
Eh Sie gehen
Wissen die Bescheid, daß Sie da sind
Sie machen sich über alles Gedanken

Die Bedienung hier ist miserabel

Nehmen Sie doch wenigstens Platz
Danke, ich stehe ganz gerne
Am liebsten gehe ich spazieren
Ich bin gekommen, um sie ein bißchen rauszufahren

Die Sonne wird Ihnen guttun

Wie Sie das letzte Mal da waren, war ich noch besser beieinander, wann waren Sie
denn da
Ich war noch nicht da
Als es geregnet hat

Wie seh ich denn aus, ich muß mich doch wenigstens etwas veredeln
Sie brauchen sich nicht schön zu machen, wozu denn
Sind denn keine Menschen im Foyer

Keiner schaut
Ich schau ja auch nicht mehr, Sie können das alles mitnehmen hier, ich schau eh nicht mehr hin
Tagsüber
hab ich die Augen immer geschlossen

Annegret dachte, es wäre vielleicht ganz gut, wenn der Fernsehapparat hier angeschlossen würde
Um Gottes Willen
Nachher kommt der Elektriker, und vorher fahr ich Sie ein bißchen auf und ab
Um Gottes Willen
Ich will es nicht
Es wird Sie ja auch niemand beobachten
Denn keiner im Foyer
Und Sie sehen auch gar nicht so schlecht aus
Ich hätte gedacht, Sie würden viel elender aussehen

Ich habe sehr sehr viel Elend gesehen
während des Krieges
als ich grad mit Rudolf verheiratet war

Rudolf
hat so kräftige Hände
Sie kennen ihn
Ich bin Kätha Götz
Die erste Frau von Rudolf


Wie lang das dauert, bis die Bedienung hier kommt

Kein besonders gutes Haus hier

Ich beneide Sie um diesen Blick

Haben Sie keine Grüße
Natürlich hab ich Grüße
Ich soll sie ganz ganz herzlich grüßen, von Annegret und von Rudolf

Annegret

Eine Postkarte hab ich bekommen, eine Ansichtskarte aus Rom, mit dem Petersplatz drauf, und mitten in der Menge steht ein schwarzer Priester, ich hab ihn gleich entdeckt
Annegret schwärmt ja von Rom
Ich hätt mich gefürchtet

Ich neige nicht so sehr zum

Nicht, ich bin ein ganz anderer Typ
Ein anderer Menschentyp, verstehen Sie


Wie sind Sie denn jetzt hergekommen
Ich bin mit dem Zug gefahren und fahre mit dem Zug zurück
Voraussichtlich
Oder meinten Sie hierher, zu Ihnen

Nehmen Sie doch wenigstens Platz
An dem kleinen Tisch, den seh ich immer, wenn ich die Augen mal aufmach
Da sitzt auch manchmal die Fliege, wo ist sie denn jetzt
abgeblieben
Sie kann doch nicht weg sein

Sie müssen sie mir töten eh Sie fortgehn

Grüß Gott

Die Schwester ist da
Sie wechselt das Deckchen
auf dem kleinen Tisch

Auf Wiederschauen

Die Schwester war da und hat ein frisches Deckchen gebracht
Für den Tisch

Wann geht denn Ihr Zug, daß Sie nichts vergessen, wenn Sie gehen
Ihren Schirm
Es regnet gar nicht mehr.

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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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