Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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S e k u n d ä r l i t e r a t u r
Cover Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung
Franz-Heinrich Hackel (Hrsg.)
Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung

Edition Ursula Lübbe Stiftung, Bergisch Gladbach 2004
1. Auflage 2004
ISBN 3-9809700-0-0
S. 44-76
Leseprobe

S.44
Podium II: Schund in Kunst und Literatur
Podium mit Johannes Grützke, Bodo Kirchhoff, Kasper König, Kaspar Maase, Dieter Wellershoff.
Moderation: Karl-Otto Saur

SAUR: Herzlich willkommen zur zweiten Runde, zum Generalthema: Die schwere Kunst der leichten Unterhaltung, dem wir uns heute widmen wollen. Ich darf zunächst die Runde vorstellen und gehe einfach der Reihe nach durch:
Kasper König, den meister hier sicher bekannt, weil soviel ich weiß, Bonn das Einzugsgebiet von Köln ist oder ein Vorort von Köln, besser gesagt. Die Sammlung Ludwig, sage ich nur. Früher in Frankfurt war er öfter auf der Durchreise hier in Bonn, wenn er nach Köln in seine Heimat oder fast Heimatstadt zurückfuhr, einer der exponierten Museenleiter. Frankfurt hat ihn sehr ungern ziehen lassen, wenn ich mich recht erinnere, Köln hat ihn dafür willkommen geheißen, was in Köln eine Menge heißt.

Neben mir Johannes Grützke, wenn Sie ihn nur von seinen Bildern kennen, werden Sie erstaunt sein, einen so jungen, hübschen Mann neben mir zu sehen. Sie wissen, dass er dazu neigt, sich auf öfter selber darzustellen. Ich weiß nicht, wie das dann familiär aufgenommen wird. Aber er ist einer der exponiertesten jüngeren Maler. Schule der neuen Prächtigkeit hieß das mal. Und ich bin natürlich ganz besonders stolz, dass Sie heute auch hier sind.

Neben mir Bodo Kirchhoff. Da will ich eine kleine Anekdote aus meinem persönlichen Leben am Anfang erzählen. Ich habe vor zwei Jahren von einem befreundeten Produzenten eine Kassette zugeschickt bekommen, über die er

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meine Meinung hören wollte. Und wie man das immer so macht, schaute man nicht näher hin und vergaß sie dann auch, auf jeden Fall rief er mich eines Freitags an, was ich davon hielt. Nun musste ich ihm gestehen, dass ich noch gar nichts gesehen hatte. Am Sonntagabend um halb elf fiel mir ein, dass die Kassette noch immer ungesehen herumlag, und ich fragte meine Frau, ob Sie Lust hätte, eine Viertelstunde in einen Film hineinzuschauen. Ich wüsste nicht, um was es geht. Aber länger bräuchte ich nicht, um einen Eindruck zu haben und am nächsten Tag klug daherreden zu können. Daraufhin habe ich die Kassette eingelegt, und es begann ein fünfundachtzigminütiger Monolog von Hannelore Elsner, die praktisch ihre letzte Rolle sprach. Nach der Viertelstunde sind weder meine Frau noch ich ins Bett gegangen, sondern wir haben uns den Film zu Ende angeschaut. Mittendrin sagte meine Frau, das kann nur eine Frau geschrieben haben. Nach dem Film bin ich dann runtergegangen – das Büro liegt bei mir auch nur ein Stockwerk tiefer -, habe in den Unterlagen nachgeschaut und konnte ihr freudig mitteilen, dass (Frau) Bodo Kirchhoff es geschrieben hatte.

Ich nehme an, der eine oder andere hat den Film gesehen. Er war erst im Kino, lief dann im Fernsehen – und war nach Fernsehbegriffen kein überragender Erfolg. Nach Meinung aller Beteiligten, insbesondere auch nach meiner Meinung, war es ein Riesenerfolg, weil drei Millionen Zuschauerinnen und Zuschauer ihn gesehen haben. Das ist, wenn man es in der Kinorelation sieht, im Kino waren es 80 000 gewesen, natürlich phänomenal. Der Film wurde um 20.15 Uhr gezeigt, stand in Konkurrenz zu einer Fußballspiel-Übertragung, aber immerhin zur Hauptsendezeit. In den Dimensionen, mit denen wir hier ja auch von Unterhaltung und Massenmedien zu tun haben, ist das ungeheuer, wenn ein solches Werk von drei Millionen gesehen wird. Ich glaube, das war einer Ihrer größten Erfolge, Herr Kirchhoff. Kann man das so sagen?

KIRCHHOFF: Sagen wir einmal, es war einer der erstaunlichsten, weil es nicht in die Landschaft passte. Ein Film ist nie der Erfolg eines Einzelnen, aber es war eine Sache, an

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der ganz wenige Menschen beteiligt waren, die alle an ein und demselben Strang gezogen haben.

SAUR: Sie sehen, Bodo Kirchhoff hat auch Filme geschrieben, er hat sogar relativ viele Filme geschrieben, was die meisten nicht wissen: Er schreibt auch Serien, in diesem Fall auch für Hannelore Elsner.

KIRCHHOFF: Nur ein, eine einzige. Also an einer für sie.

SAUR: Als Mitautor oder als Autor von einzelnen Folgen, um ganz korrekt zu sein. Eine Serie, die auch heute noch läuft: Die Kommissarin.

KIRCHHOFF: Montag.

SAUR: Montagabend, ja, es ist eine von Ihnen.

KIRCHHOFF: Wenn schon, denn schon.

SAUR: Nehmen Sie sich nichts, vor, (Frau) Bodo Kirchhoff ist da zu sehen. Aber er ist natürlich bekannt geworden als Autor von Büchern, von Literatur. Ich habe mir das Vergnügen gemacht, mich durch seine Internetseite zu kämpfen, die etwas länger ist als normalerweise.

KIRCHHOFF: Stammt nicht von mir.

SAUR: Aber sehr empfehlenswert. Und dort hat er einen Hinweis, den ich gerne weitergebe, den ich mich sonst nicht so ganz getraut hätte. Wie jedermann ist er auch Sohn einer Mutter. Die Mutter ist die Autorin Evelyn Peters. Bevor ich je einen Roman von Bodo Kirchhoff gelesen habe, habe ich einen Roman von Evelyn Peters gelesen. Und zwar Das Klassentreffen, so hieß er? Sie wissen es nicht?

KIRCHHOFF: Ich weiß es nicht.

SAUR: Sie kümmern sich nicht sehr um Ihre Mutter.

KIRCHHOFF: Doch, aber ich bin jetzt überfordert, mich dazu zu äußern.

SAUR: Gut, also ich kann mich erinnern, das ist in den siebziger Jahren gewesen. Das war etwas, was ich und viele andere auch damals als Unterhaltungsliteratur bezeichnet haben. Ein Treffen von etwa vierzigjährigen Frauen, die in einer Klasse waren, deren Schicksale erzählt werden. Im Zusammenhang mit dem Erscheinen dieses Romans hat sie ein Interview gegeben und hat auch zu erkennen gegeben,

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dass ihr Sohn Schriftsteller sei, dass sie das aber nicht so gerne lesen würde. Ich denke, das wird sich vielleicht geändert haben. Der letzte Roman, auf den wir auch gleich noch mal eingehen, hieß Schundroman, hat großes Aufsehen erregt und war, ich weiß gar nicht, ob Sie es wissen, am letzten Sonntag als Hörspiel im Bayerischen Rundfunk zu hören. Sehen Sie, Sie erfahren hier sogar noch was – fordern Sie das Honorar ein. Also, ich glaube nicht zu übertreiben, wenn ich behaupte, Bodo Kirchhoff ist einer der anerkannten, etablierten Autoren, auch wenn es sich im Honorar nicht immer niederschlägt.

(...)


Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung der Edition Ursula Lübbe Stiftung sowie von Dr. Franz-Heinrich Hackel
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