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G e s p r ä c h e
Christoph Schröder: Acht Jahre Arbeit in drei Sekunden den Bach 'runter

"Acht Jahre Arbeit in drei Sekunden den Bach 'runter"


C.S.: Marcel Reich-Ranicki hat Parlando im Literarischen Quartett als den "misslungenen Roman eines großen Erzählers" bezeichnet. Können Sie diesem Urteil, das einem Verriss gleich kommt, etwas Positives abgewinnen?

B.K.: Ich habe das ganz und gar nicht als Verriss betrachtet. Das Buch wurde ja geradezu verdächtig gelobt. Reich-Ranickis Bemerkung war ein rhetorischer Schlenker, der den ersten Lacher bringt. Aber natürlich bleibt so etwas hängen. Der Inhalt dieses Urteils und seine Wirkung sind zwei unterschiedliche Dinge. Als Schriftsteller muss man eben damit leben, dass acht Jahre Arbeit in drei Sekunden den Bach runtergehen. In unserer Mediengesellschaft ist Schriftsteller sein ein Verteilungskampf um Prominenz. Wer das nicht aushält, muss den Beruf wechseln.

C.S.: In Parlando reist der Held Faller auf den Spuren seines Vaters durch die Welt. Ist er ein Getriebener auf der Suche nach seiner Identität?

B.K.: Das sind wir doch alle. Das Buch ist die Suche nach der eigenen Stimme. Die Vaterfigur ist häufig missverstanden worden. Sie ist auch eine Metapher für das Medienzeitalter, auf unser Sprach- und Bildungsüberangebot. Darin noch ein eigenes Wort zu finden, ist eine ungeheure Anstrengung. Aus diesem Grund musste das Buch auch so lang sein: Als klassischer Schriftsteller muss man seine eigene Zeitlichkeit gegen die Schnellebigkeit der Welt behaupten. Genau das wird aber heutzutage als Makel betrachtet.

(...)

Christoph Schröder
in: Frankfurter Rundschau. 31.10.2001
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