Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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R e z e n s i o n e n
zu »Eros und Asche«

"Pack unsere Dinge in einen Roman"


"Nur noch Stehplätze" wurde aus dem Inneren des Großen Saales des Frankfurter Literaturhauses vermeldet. Dann betraten Bodo Kirchhoff und die Fernsehmoderatorin Petra Gerster das Podium; im Raum wurde es dunkel, nur vorne, auf der Bühne, brannten noch zwei Leselampen. Eine atmosphärisch gelungene Inszenierung anlässlich der Premiere von Bodo Kirchhoffs neuem Roman "Eros und Asche". Verleger Joachim Unseld ordnete den Text einer neuen Gattung von Literatur zu, dem "Freundschaftsroman", wie der Untertitel des Buchs lautet, "ein echter Kirchhoff und doch ein neuer Kirchhoff", versprach Unseld.

In der Tat ist "Eros und Asche" das persönlichste buch des in Hamburg geborenen und in einem Internat am Bodensee aufgewachsenen Autors, erzählt es doch ganz unverstellt die Geschichte der "ungeklärten Freundschaft" Kirchhoffs zu M., einem Wegbegleiter seit der Schulzeit, eines Arztes, der sich vom Leben zurück gezogen hatte und im August 2005 verstarb. "Pack unsere Dinge in einen Roman", hatte er Kirchhoff zuvor aufgefordert.

Kirchhoff las die Anfangspassage, in der es zur ersten Begegnung mit M. kommt, an einem offenen Fenster des Internats, bei einer Zigarette (es wird überhaupt ungeheuer viel geraucht). Im Gespräch erzählte er von der starken gegenseitigen Anziehung, die jedoch nicht sexueller Natur gewesen sei, vom Konkurrenzkampf, von einer "geteilten Leidenschaft für das Destruktive". Er habe, sagt Kirchhoff, gegen eine emotionale Leerstelle angeschrieben; die Aufzeichnung seiner Erinnerungen an M. sei für ihn eine Form der Ordnung.

Die Passage, die er abschließend vortrug, gerade einmal fünf Seiten lang, ein verbotener Schwimmausflug über den See in die Schweiz, zwei Zigaretten und eine Cola am Ufer, die Kälte und die Krämpfe auf dem Rückweg, eine Erinnerung, die sich rundet bei der Sichtung des Nachlasses und einer auf den 20. Juni 1964 datierten Notiz in einem Buch ("Jetzt können wir nie mehr ertrinken") - jene Passage legte die Vermutung nahe, dass Kirchhoff mit "Eros und Asche" nicht nur sein persönlichstes, sondern möglicherweise auch eines seiner gelungensten Bücher geschrieben hat.



Christoph Schröder
in: Frankfurter Rundschau, 28.09.2007


Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung des Autors.
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