Schön ins Wasser gefallen
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Zu ihrem eigentlichen Dreh bedarf Kirchhoffs Novelle eines Deus ex Machina – einer schönen, unbekannten Drachenseglerin, die vor dem Boot aus dem Himmel stürzt, vom Enkel gerettet und halb tot unter Überschreitung etlicher Körpergrenzen trockenfrottiert wird: "Versuch, die Person ins Boot zu ziehen, aus dem Mund tritt wässriger Schaum; Gewicht etwa fünfzig Kilo, schlanke Figur, Haarfarbe schwarz. Es ist siebzehn Uhr zwölf." Nach einiger sexueller Belästigung durch den Enkel und Skandalangst beim Großvater wird dieser Körperfund zum kompromittierenden Ärgernis, das es in der Männerlogik des reichen See(len)anrainers zu entsorgen gilt – ehe Vigo und der Prinzipal an Abendessen und die Wiedervereinigung mit shoppender Mutter und Großmutter denken dürfen. Der Rezensent indes muss unwillkürlich an die ewigen Verse der NDW-Gruppe Extrabreit (Der Präsident ist tot) denken, die er weiland zu Waldheims Zeiten zu hören pflegte: "Die Bilder wackeln / da ist die Zeitlupe / wir sehen, wie er wankt und stürzt." Kirchhoff setzt mit dieser Novelle seine Suche nach dem unerträglich Schönen fort und wird damit seine Fans wohl nicht enttäuschen. Als Film wäre Der Prinzipal durchaus in der Lage, das mystisch prekäre Ungefähr eines solchen Sommertags wiederzugeben. Als Text bleibt er – von einigen wohlsortierten Formulierungen abgesehen – zumindest zunächst aber ziemlich farblos. Ein merkwürdiger Anreiz, die Novelle nach dem Ende gleich noch einmal zu beginnen, um wie bei einem Krimi hinter den Sinn dieses seltsamen Tages zu kommen.
Clemens Ruthner
in: Der Standard, 31.03/01.04.2007
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