Fallers Fallen
"(...) Kirchhoff erzählt natürlich von sich, aber er ist ein raffinierter Spurenleger, der die Spuren genauso sensibel wieder zu verwischen vermag. Er hat einen Roman aus den Abgründen, Festungen, Kuriositäten zwischenmenschlicher Beziehungen geschrieben, der um den Ödipuskomplex kreist. Es geht um Liebe, Erotik, Sex und um Hass, Ekel, Zerstörung und Selbstzerstörung. Es geht um einen Generationskonflikt, um den Kulturbetrieb und die Medien, um Heimat, Fremde und die Identitätsfrage, um Juden und Nazis, Täter und Opfer. Es geht um alle möglichen modischen Debatten der vergangenen Jahrzehnte, um Bücher, Lehren und Lehrer, um Verführung Minderjähriger und Internatserziehung, um die Banalitäten und Katastrophen des Alltags.
Und immer wieder geht es um das Erzählen selbst. Der Erzähler gibt sich in Kleinigkeiten zu erkennen, er unterbricht dezent die Illusion, der Leser nimmt wahr, dass auch eine andere Laufrichtung der Erzählung möglich wäre. Manchmal kommt einem der Erzählfluss vor wie "minimal music". Die Geschichten gehen sanft ineinander über.
Ist Karl Faller ein Mörder? Das muss sich jeder selbst erlesen. Es lohnt sich. 536 aufregende, spannende und anspruchsvolle Seiten."
Wend Kässens
in: Die Welt, 06.10.2001.
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