Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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R e z e n s i o n e n
zu »Parlando«

Triumph des Erzählens



"(...) Faller begibt sich auf eine Reise in die Vergangenheit, eine Suche nach dem jungen Vater, der ihn und seine Mutter Kathi früh verlassen hat. Man könnte meinen, Faller sei ein ewig Suchender. Oder aber ein Fliehender. Er ist in der Tat beides. Er sucht zum Beispiel alle Frauen, die seinen Vater jemals geliebt haben, und merkt nicht, dass er längst in die Haut des Vaters geschlüpft ist, während er sich noch auf der Suche nach ihm zu befinden meint. So ist der Suchende in Wahrheit ein Fliehender. Karl flieht vor sich selbst und der Liebe, die sich in Gestalt der Staatsanwältin Suse Stein an seine Fersen geheftet hat.

Suse Stein ist eine faszinierende Person, die eigentliche Heldin der Geschichte. "Der Sinn ist, dass Sie mir zuhören", vertraut Karl Faller ihr schon früh an. Und Suse Stein hört zu, wie es nur wenigen Menschen auf Erden gegeben ist zuzuhören, mit therapeutischer Kraft. Das großartige 500-seitige Parlando schöpft seine tiefe Sinnlichkeit daraus, dass da jemand bereit ist, dem Fabulierer über all seine ausgelegten Fallen hinweg zu folgen. (...)

Stiller hatte eine Suse Stein noch gefehlt, wenn auch er dem Staatsanwalt paradoxerweise mehr vertrauen konnte als seinem eigenen Anwalt. Fallers Parlieren über das eigene Ich mündet dagegen - weit entfernt von jeder Gefahr, in den Kitsch abzugleiten - nicht in die Vergeblichkeit, sondern in den Triumph des Erzählens und der Liebe. Kirchhoff hat in Faller einen würdigen Nachfolger für Max Frischs Stiller geschaffen, dessen Glücksanspruch zum offenen Ende hin einlösbar scheint."



Patrick Horst
in: Hamburger Abendblatt, 04.09.2001.




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