Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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R e z e n s i o n e n
zu »Parlando«

Das Parlando schwillt an



"Bodybuilder, Stripteasetänzer, Sex-Touristen, Tennisspieler, eine Weihnachtsfrau - es sind nicht gerade Allerweltsfiguren, denen Bodo Kirchhoff einen starken körperlichen Auftritt verschafft. Kirchhoff liebt bizarre Gestalten ebenso wie exotische Schauplätze. Seine Erzählungen und Romane, Reportagen und Stücke spielen auf den Philippinen, in Neuseeland, Paraguay, Somalia, Bangkok, am Gardasee, im Frankfurter Bahnhofsviertel und, wenn es sein muss, auch mal in Ingolstadt.

Ob Weltenbummler oder Lokalmatador - seine Figuren sind nervöse Zeitgenossen, sensible Naturen auf der rastlosen Suche nach Liebe und Sex, nach der perfekten Frau, dem idealen Körper. Der voyeuristische Blick, den er seinen verzweifelten Lüstlingen zugesteht, zeugt von männlicher Schärfe. Das trifft auf den weltvergessenen Frankfurter Flaneur genauso zu wie auf den gottesfürchtigen philippinischen Missionar in »Infanta«, Kirchhoffs bis dato größter literarischer Erfolg. Nichts ist an Kirchhoff so vorbeigeschwappt wie die Softie-Welle in den siebziger und achtziger Jahren. Ein ausgemachter Macho, sagen die einen, ein literarischer Verführungskünstler, die anderen. So oder so - Bodo Kirchhoff ist einer der wenigen literarisch gebildeten Kultautoren in unserem Lande, meilenweit entfernt von den Lümmeln der Pop-Generation.

(...) »Parlando« - Acht Jahre hat er an seinem neuen Werk gearbeitet, Zehntausende von Kilometern zurückgelegt, unterwegs von einem Hotel zum anderen, Laptop und Papierstapel voller Notizen im Gepäck, ein dauerndes Kramen in den Erinnerungen an die eigenen Jugend, ein Wühlen in den verborgensten Winkeln im Kopf, ein abenteuerliches Jahrzehnt, der entscheidende Abschnitt im Leben eines hochleistungsorientierten Autors.

(...) Was wäre passiert, wenn ich als Siebzehnjähriger einen Sohn gezeugt hätte? Dieser Gedanke war es, der Kirchhoff zu seinem Roman motivierte. 'Wie würde ein Sohn über einen so jungen Vater heute in der Rückschau denken' - Aus dieser Selbstbefragung, eine Selbstbezichtigung, entstand ein Meisterwerk der Erzählkunst, eine anrührende Sohn-Vater-Geschichte, so packend, so spannend, so elegant geschrieben, wie man eine noch nicht gelesen hat. Seit Javier Marias' ›Mein Herz so weiß‹ hat keiner so suggestiv über die Schuld und Unschuld tödlicher Leidenschaften geschrieben. (...) »Parlando« - ein Abenteuer- ein Liebesroman, ein literarischer Höhepunkt in diesem Herbst."



Hajo Steinert
in: Deutschlandfunk, 04.09.2001.





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