Tennisstunde, blutig
"(...) Wenn bei Handkes Torhüter der Mord einen Analyseprozess über sich selbst in Gang setzt, fehlt dies bei Kirchhoffs Figur völlig; was folgt, ist die dumpfe Repetition des Verhängnisses. Anstelle von Ella sitzt da nun also Christine, deren 'Inkarnation', die er 'provisorisch' zu lieben glaubt. Und vom buchstäblichen Höhepunkt in der Toilette des Cafés an stürzt sich der Erzählfluss in den ragenden Abgrund: der unvermittelt anwesende, sich aufplusternde Konkurrent, seine schmierigen Provokationen, Jonas' reissende Nerven und der - vermeintlich - tödliche Kehlenschnitt mit dem Fleischmesser. Das ist, auf engstem Raum, packend geschrieben, aber die Flucht, auch die des Autors, führt ins Aberwitzige: Den Dreh zur schlimmstmöglichen Wendung findet er im Frankfurter 'Needle-Park'. Die verelendeten Fixer und ihren Unrat schart er in der Art eines apokalyptischen Tableaus (die Vorhölle?) um Jonas, der, jetzt von Panik ergriffen, sich endgültig abhanden kommt. Noch einmal ein perfekter Service, mit Regenschirm und Hundeball, dann 'die Nadel in den nichtsnutzigen Arm gedrückt, hat den Stich kaum gespürt, ist das Schlimmste erst da, ist es bereits wieder fern'. (...)"
Norbert Staub
in: Neue Zürcher Zeitung, 16.03.1994.
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