Ein Autor läßt die Muskeln spielen
"Monomanisch wie Thomas Bernhard, verletzlich wie Peter Handke, kontaktscheu wie Botho Strauß, kompromißlos wie Heiner Müller und publicitygewandt wie keiner vor ihnen: Der in diesem Fadenkreuz sichtbar wird, Bodo Kirchhoff, ist ohne Zweifel die Autorenentdeckung dieses Jahres. Zwei Stücke von ihm kamen binnen acht Monaten in Saarbrücken zur Uraufführung und bei Suhrkamp erschien soeben seine erste Prosaarbeit, eine Novelle.
All diese Eigenschaften, die ihn charakterisieren, werden seinen literarischen Geschöpfen zu Obsessionen. Da ist im ersten Stück ein 18jähriges 'Kind', das unablässig Löcher gräbt, um durch die Erde hindurch nach Neuseeland zu kommen, zu seinen Freunden, den Monstern. Monströs ist seine Welt auch hier, doch die ihn umgebenden Familienmonster sind seine Freunde nicht.
In Kirchhoffs zweitem Stück 'Body-Building' beherrscht ein Spiegel die Szene. Vor ihm, dem allseits begehrten Prunkstück von einigem Wert, trainiert Arnold bis zur Erschöpfung seine Muskeln für die Meisterschaft im Body Building. Sein Zuschauer ist eine altgewordene, von eienr rätselhaften Schlafkrankheit befallene Luxus-Nutte, die ihre Tage im Bett verbringt. Ihr letzter Kinde, ein irrwitziger Professor, liefert für beider Tun die Theorie. Es ist dies die 'ungeheuerliche Entdeckung', 'daß eigentlich alles immer schon gespiegelt ist und nichts weiter als Wiederholung von Anfang an'. (...)"
Werner Schulze-Reimpell
in: Die Deutsche Bühne, 12/1979.
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