Geständnisse mit Knabberzeug
"Eine Wartehalle im Flughafen der philippinischen Hauptstadt, später Nachmittag: Der Charterflug nach Frankfurt ist verspätet. Die Passagiere werden unruhig. Der Kapitän, ein alternder Schönling, verzieht keine Miene. Die Stewardess bestellt die Wartenden an die Bar. Zwischen Bierflaschen und Schalen mit Knabberzeug kommt man sich näher. Ein Kurzhaariger, Typ Zeitsoldat, spricht eine Brünette an. Ein Zögernder lässt sich von einem Hansdampf einen Longdrink aufschwätzen. Im Souterrain führt ein Schwäbelnder mit Baseballkappe der Toilettenfrau seine Fotosammlung vor. Die Stunden vergehen. Die Zungen lösen sich, die Seelen auch. Zwei schlagen sich, zwei verbrüdern sich, zwei genießen das Glück einer kurzen Umarmung. Was deutsch ist an den Deutschen, kommt jetzt zum Vorschein: Geständnisse, Gesänge, Gebrüll bis zum bitteren Abflug. (...)"
Andreas Kilb
in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.07.2000.
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