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Leseprobe
Have a look! Ein kleiner Mann mit zählbaren Haaren am Kinn, der in einem schillernden, zu weiten Hausmantel steckt, bittet ihn rein. Zwiefalten, auf dem Weg zum Hotel, nachdem er in mehreren Flugbüros war, um Preise und die Abflugzeiten zu vergleichen, überall erfuhr, daß er ein Visum brauche für Hawaii und wo er es bekomme, tritt in das Hau, auf dessen Dach Sangsong, Turkish Bath steht. Er kommt in einen unübersichtlichen, von Qualm und Beifall erfüllten Raum mit niedriger Decke.
Seine Augen folgen dem Licht, das im Hintergrund auf eine Behelfsbühe fällt. Der Mann, der ihn hereinbat, bringt ihn auf einem umständlichen Weg, zwischen kreuz und quer stehenden Tischen, durch das Lokal. Alle Tische sind besetzt. Einheimische, die trinken oder Blätter kauen. Die meisten sehen zu der Bühne, auf der ein Zauberkünstler seine Tricks vorführt. Im Augenblick verknüpft er Ringe und entzweit sie wieder, jedesmal mit einem Überraschungsschrei, als begreife er es selbst nicht. Er ist blaß und so dürr im Gesicht, daß der Schweiß eine ungewöhnliche Bahn nimmt. Er rinnt ihm durch die Hohlwangen, wie sonst nur Tränen laufen.
Neben der Bühne ist ein türbreiter Vorhang; der kleine Mann schiebt den Vorhang beiseite und führt Zwiefalten in einen wohnzimmergroßen Raum, der von einer Glaswand halbiert wird. Jenseits der Trennscheibe sitzen, auf drei über die Raumbreite gehenden Stufen, etwa zwanzig Mädchen, weißgeschminkt wie die beiden, die er im Vorbeifahren schon sah, nur daß sie ihm jetzt etwas älter erscheinen. Sie gucken fern und stricken, meist in Babytönen, lindgrün, kotzigrosa, augenblau. Sweet little birds, sagt der Mann und zieht sich zurück. Er stellt sich draußen vor den Vorhang, eine Hand um den Stoff, ein lockerer Zugriff, und Zwiefalten tritt an die Scheibe und versucht ungerührt in die andere Hälfte zu blicken.
(...)
[Aus dem Roman "Zwiefalten"]
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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