Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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Schreibkurse 2015 am Gardasee

Der neue Roman "Verlangen und Melancholie"



DIE KUNST DES ERZÄHLENS


Schreibkurse
mit Bodo Kirchhoff und Ulrike Bauer

Frühjahrskurs in unserer Privatwohnung in Frankfurt

Einen Stoff und einen Erzählton finden

22.03.2015 (So Anreise) - 27.03.2015 (Fr Abreise) (5 Tage)

Sommerkurse am Gardasee 2015

Grundkurs 1
Eine kleine Geschichte entwickeln

20.06.2015 (Sa Anreise) - 26.06.2015 (Fr Abreise)

Grundkurs 2         
Aus dem eigenen Leben erzählen

28.06.2015 (So Anreise) - 04.07.2015 (Sa Abreise)

Grundkurs 3
Von der Liebe erzählen

26.07.2015 (So Anreise) - 01.08.2015 (Sa Abreise)

Aufbaukurs 4
An vorhandenen Texten weiterarbeiten

30.08.2015 (So Anreise) - 05.09.2015 (Sa Abreise)

Grundkurs 5
Aus dem eigenen Leben erzählen

06.09.2015 (So Anreise) - 12.09.2015 (Sa Abreise)


 
Noch zwei Sätze zu den thematischen Grundkursen. Unsere Teilnehmer (wir natürlich auch) haben immer wieder festgestellt, wie schwer es ist, von der Liebe (oder Beziehungen, Ehe usw) zu erzählen, ohne in den Kitsch oder allzu Plakative abzurutschen, das wollen wir in diesem Kurs versuchen; und in dem Grundkurs „Autobiographisches Schreiben“ gehen wir ausführlich auf die Frage ein, wie viel autobiographische Anteile darf eine Geschichte haben und wie kann man den enggesteckten, autobiographischen Rahmen verlassen, wo und wie wird eine Autobiographie zu einem Stück Literatur.

Zwischen sieben und neun Personen in einem Privathaus mit Pool und Seeblick.

Sieben Tage intensive Textarbeit bis in den späten Abend; allmähliches Hinarbeiten auf eine Lesung am Ende des Kurses; gemeinsames Essen im Garten und eine Bootsfahrt zu legendären Orten – und bei all dem ein ständiges Gespräch über das Schreiben, die laufende Einübung in das Erzählen.

Unser Ziel: Die Verbindung von noch ungeordnet Persönlichem mit ordnendem Handwerk und bisher ungenutzten Möglichkeiten, unter Anleitung eines erfahrenen Autors (Bodo Kirchhoff) und einer erfahrenen Supervisorin (Ulrike Bauer)

Wichtigste Voraussetzungen: Passion und Neugier, eine Freude am Schreiben, die auch privat sein kann, z.B. mit einem Tagebuch.

Unsere Teilnehmer sind Menschen, die beruflich oder privat auf Sprache setzen, die sprachliche Auseinandersetzung mit ihrem Leben suchen, sich über Sprache weiterentwickeln wollen.

„Kirchhoff meint es ernst, er will denen wirklich was beibringen! Schau an, Literatur kann man lernen“ (Moritz von Uslar in Der Spiegel über den Erzählkurs)

Wir schicken Ihnen gerne unseren ausführlichen Prospekt; Sie erreichen uns über e-mail: ulrike.bauer.kirchhoff@web.de oder unter der Telefonnr.: 069-625265


WDR-Feature


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Cover Verlangen und Melancholie
[ Bestellen ]

Hinrich, dem ein »e« zum eleganteren Heinrich fehlt, findet an einem sonnigen Maitag einen Brief mit schwarzem Rand in seinem Briefkasten. Wer mag da gestorben sein? Hinrich wagt nicht, den Umschlag zu öffnen. Seit seine Frau vor neun Jahren bei einem Sturz aus 43 Metern Höhe ums Leben gekommen ist, lebt er allein. Seine Zeit als Kulturkorrespondent bei einer großen Frankfurter Zeitung liegt hinter ihm. Und so gehören seine Tage den Erinnerungen an Irene, der geliebten Mutter seiner Tochter Naomi, der Übersetzerin anspruchsvoller italienischer Literatur. Da gab es die gemeinsamen Sommer in Italien, ihre Reisen nach Rom und Pompeji, wo sie vor den berühmten Fresken der Villa dei Misteri stundenlang stehen bleiben konnten, um deren Bedeutung zu enträtseln. Und da gab es ihre Liebe zum Kino; sie mochten das Schwermütige der Schwarzweißbilder, aber ließen sich auch verführen von etwas Leichtem. Doch was geschah wirklich vor neun Jahren, vor ihrem Sturz? Und was steht in diesem Brief mit dem schwarzen Rand? Aufklärung bringt erst eine Reise nach Warschau, wo Hinrich sowohl das Leben mit Irene als auch die Zeit mit einer früheren Geliebten in einer Weise einholt, die alles auf den Kopf stellt, woran er geglaubt hat. »Verlangen und Melancholie«, der neue große Roman von Bodo Kirchhoff, ist ein mit einer hintergründigen Spannung geladener Roman, der den Leser mitnimmt auf eine Spurensuche, bei der langsam, aber unerbittlich die Aufdeckung des großen »Warum« geschieht und der Held die Wahrheit über den Tod seiner Frau erkennt. Bodo Kirchhoff erzählt dabei auch von einem Älterwerden, ohne dass die Wünsche mitaltern, von einem ewig jungen Verlangen und einer letztlich hilfreichen Melancholie.

LESEPROBE






Foto Alexander Paul Englert
©Alexander Paul Englert

In: MOMENTUM - Dichter in Szenen
Wienand Verlag
ISBN: 978-3-86832-077-0

http://www.englert-fotografie.de





Bodo Kirchhoff auf  YouTube
DAS BLAUE SOFA - Die Liebe in groben Zügen

ZDFmediathek
DAS BLAUE SOFA - Verlangen und Melancholie


Buchmesse 2014

ZDFmediathek
DAS BLAUE SOFA - Verlangen und Melancholie
Sondersendung
DAS PHILOSOPHISCHE  QUARTETT

Lesungen
Am 19.04.2009 (ZDF, 00:00 Uhr) ist Bodo Kirchhoff Gast im Philosophischen Quartett.
Thema: Verantwortung und Risiko - Die Kunst, es nicht gewesen zu sein
Weiterer Gast:
Beatrice Weder di Mauro, Wirtschaftswissenschaftlerin und "Wirtschaftsweise"

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BUCHTRAILER
Hoffmann & Campe hat einen Spot entwickelt, der im Schattentheaterlook den neuen Roman von Bodo Kirchhoff "Erinnerungen an meinen Porsche" promotet. Der Autor hat den Film selbst besprochen, die Regisseure haben jedes Bild aufwändig illustriert.

http://www.youtube.com/watch?v=a5Mm1-Dd2aQ






Bodo Kirchhoff liest aus Verlangen und Melancholie


Siehe bei Frankfurter Verlagsanstalt: www.frankfurter-verlagsanstalt.de/

Bodo und Sophia Kirchhoff

29.10.14 - 20:00 Uhr
"Von Sinnen, Eros & Illusion"
Stadtbibliothek
Duisburg

06.11.14 - 19:30 Uhr
"Esslinger Literaturtage"
Stadtbücherei
Esslingen

07.11.14 - 20:00 Uhr
"Bücher erleben"
Buchhandlung Schutt
Frankfurt

12.11.14 - 20:00 Uhr
Zentralbibliothek
Hamburg

14.11.14 - 20:15 Uhr
Hugendubel
Leipzig

17.11.14
Badehaus im Alten Kurpark
Bad Soden

18.11.14 - 19:30 Uhr
Medienforum des Bistums Essen
Essen

19.11.14 - 19:30 Uhr
"Museum Litterale"
Museum Morbroich
Leverkusen

20.11.14 - 19:30 Uhr
Marienschule
Offenbach

21.11.14 - 20:15 Uhr
Buchhandlung Graff
Braunschweig

23.11.14 - 11:00 Uhr
Haus am Dom
Frankfurt

26.11.14 - 20:00 Uhr
Stadtbücherei
Biberach

27.11.14
Wallgraben Theater Freiburg
Freiburg

28.11.14 - 20:00 Uhr
"Lesen auf dem Berg"
Todtnauberger Literaturtage
Todtnauberg

12.12.14
"Literatur auf der Insel"
Café Ada
Wuppertal

06.05.15 - 20:00 Uhr
Decius Winsen (Luhe)
Winsen (Luhe)

07.05.15 - 20:00 Uhr
Decius Hannover
Hannover

Literatur mit Seeblick

"Typisch deutsch" Interview  mit Bodo Kirchhoff
Schreibwerkzeug

Zweimal im Jahr öffnet der Schriftsteller Bodo Kirchhoff sein Haus am Gardasee für ein Erzählseminar. Ausgangspunkt aller Geschichten: der Lago.

in: ADAC-Reisemagazin "Italienische Seen"

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Deutsche Welle - typisch deutsch

http://www.youtube.com/watch?v=M0QB3DvCrxw#!

Bodo Kirchhoff ist einer der großen Erzähler Deutschlands. Sein letzter Roman, „Die Liebe in groben Zügen", war für die Longlist des Deutschen Buchpreises nominiert. Nebenbei arbeitet der Vielschreiber auch als Drehbuchautor und war Moderator einer Literatursendung. Bei „Typisch deutsch" spricht der 64-Jährige über seine Italienliebe und andere typisch deutsche Sehnsüchte.
DEUTSCHE WELLE
Joachim Unseld kritisiert: Longlist-Auswahl zeigt "provinzielle Oberlehrerhaftigkeit ohne literarische Weitsicht"

Bodo Kirchhoff - Ein Interview
Joachim Unseld: "Provinzielle Oberlehrerhaftigkeit ohne literarische Weitsicht"

Foto von Joachim Unseld
©Laura J Gerlach/www.laurajphotography.de

Die Auswahl der Longlist-Titel für den diesjährigen Deutschen Buchpreis wird heftiger als in früheren Jahren kritisiert - insbesondere wegen des Fehlens zweier wichtiger Herbsttitel aus einem Independent Verlag.Für  Joachim Unseld, den Verleger der Frankfurter Verlagsanstalt (Foto), zeige die diesjährige Longlist "eine Großverlagen verpflichtete provinzielle Oberlehrerhaftigkeit ohne literarische Weitsicht".
Denn: Wie er heute registriert, fehlen mit »Verlangen und Melancholie« von Bodo Kirchhoff und »Das achte Leben (Für Brilka)« von Nino Haratischwili allein aus seinem Verlag "zwei wichtige Titel dieses Herbstes", was auch der FAZ und der WELT aufgefallen ist. (Andreas Platthaus schreibt z. B. in der FAZ, die Jury habe auf ihrer Liste den »besten Titel des kommenden Herbstes« nicht berücksichtigt.. Und die WELT schreibt: "diese Longlist ist ein schlechter Witz."

Wir haben mit Joachim Unseld gesprochen:
Sie haben sich heute mir einem Mailing an den Buchhandel öffentlich gegen gegen die Longlist-Auswahl gewandt.

Nein nicht gegen, sondern wir haben den Handel lediglich darauf hingewiesen, dass zwei der wichtigsten deutschen Herbsttitel nicht auf der Longlist stehen, die dort hätten stehen müssen, wenn der Anspruch des Preises, die wichtigsten deutschsprachigen Titel eines Jahrgangs herauszufiltern, weiterhin Bestand haben soll. Die Reaktion der Feuilletons ist eindeutig. Die WELT z.B. bezeichnet die Liste daher auch als "schlechter Witz", die TAZ als "Quatsch", eben auch weil die neuen großen Romane Nino Haratischwilis und Bodo Kirchhoffs nicht mit dabei sind, die bereits jetzt -ich zitiere nochmals die Presse: als "Schwergewichte des Herbstes" gelten. Das lässt schon auf eine gewisse Banausenhaftigkeit der Jury schließen.

Harte Worte...

Der Literaturchef der FAZ moniert sogar, dass mit Nino Haratischwilis "Das achte Leben(Für Brilka) der -ich zitiere- "beste deutschsprachige Roman des Herbstes" fehlt. Das sind wenn nicht harte, so doch deutliche Worte.

Halten Sie nur diese Auswahl für falsch oder gilt dies dem Auswahlverfahren....

Nein, das Verfahren halte ich für praktikabel. Das hat sich in der Vergangenheit durchaus bewährt. Es wird wohl eher an der diesjährigen Zusammensetzung der Jury liegen, die in der Presse auch schon als "hilflos" beschrieben wird und der ich eine gewisse Lesemüdigkeit unterstelle. Nino Haratischwilis 1280 Seiten umfassender Roman wurde wohl nicht mehr gelesen.

Aber wir sind uns einig: Die Branche ist froh, einen solchen Preis zu haben...

... Ja, im kommerziellen Sinn ist es der wichtigste Buchpreis, den wir haben - und den sollten wir nicht durch hilflose Listen beschädigen. Natürlich ist man froh, wenn man auf die Liste steht, das erleichtert die Vertriebsarbeit eminent. Wenn aber ein kleiner Independent-Verlag mit gleich zwei weit aus dem Mittelmaß herausragenden deutschen Romanen nicht nominiert wird, dann kann das durchaus auch die Titel beschädigen. Dagegen muss man energisch was tun.

Dass die Presse so unisono das auch so sieht, hat es noch nie gegeben.

Das hat aber einen guten Grund: Beide Titel sind nicht nur hochqualitativ und lesenswert, sondern haben beide ein hohes Verkaufspotenzial. Das war auch mein Anliegen , denn das darf der listengläubige Teil des Buchhandels jetzt nicht verschlafen. .

Sie trösten sich, dass Sie mit Ihrer Kritik an der Auswahl nicht allein stehen?

Es ist doch mehr als auffallend, dass bislang alle Feuilletons auf das "skandalöse" Fehlen beider Titel, also sowohl Kirchhoffs als auch Haratischwilis hinweisen. Das ist kein Trost, sondern eine klare Ansage und Nachricht an den Buchhandel und die Leser, sich nicht blind der Liste anzuschliessen. Ich hoffe, es gelingt mir als kleinem "Independent" Verlag, auch den Buchhandel zu begeistern.

Mit welchen Argumenten?

Kirchhoffs Roman "Verlangen und Melancholie" ist sein bislang bestes Buch. Von Ninos Buch bin ich begeistert, wie seit langem nicht mehr von einem Roman. Es schreiben uns lesende Buchhändlerinnen, die diese unbedingte Begeisterung für "Das achte Leben (Für Brilka) teilen. Und wie heisst es in der FAZ über "Das achte Leben (Für Brilka): "dem vom Umfang und Anspruch einzig mit dem Turm von Tellkamp vergleichbaren Projekt der neueren deutschen Literatur". Diesen Titel hatte eine frühere Jury jedenfalls als preiswürdig identifizieren können.

Ihr Fazit jetzt?

Ich halte es mit Lars Gustafsson: "Wir geben nicht auf. Wir fangen nochmal an."

Die Fragen stellte Christian von Zittwitz
14.08.2014 14:24, BuchMarkt.de

Michael Schubert im Gespräch mit Bodo Kirchhoff.


MS: In mehreren Interviews sagen Sie: "Schreiben ist Handwerk plus eigener Abgrund".
(Desernos Regel vier in "Erinnerungen an meinen Porsche" lautet: Schreiben ist Handwerk plus eigener Sumpf, das eine ohne das andere ist nichts. S. 49) Von Friedrich Nietzsche
gibt es den Satz: "Und wenn du lange in einen Abgrund blickst, blickt der Abgrund auch in dich hinein.“
Wie müssen wir uns Ihren Abgrund vorstellen und macht ihn dieser manchmal Angst?

BK: "Wenn ich eine solche Frage wie die nach meinem Abgrund beantworten wollte, würde ich keine Romane schreiben; mein Werk ist in seiner Gesamtheit eine Antwort darauf. Und dass eine Antwort etwas mit Sexualität zu tun hat, liegt auf der Hand."

Bodo Kirchhoff mit Hund
©Laura J Gerlach/www.laurajphotography.de

MS: In "Erinnerungen an meinem Porsche" stellen Sie zehn Regeln auf zum Schreiben:
Regel Nummer eins: Wer ein Buch schreiben will, muss Zeit und Geld haben und wenigstens einen guten Grund. (7)
[...] nur sollte sich einer, der's ernst meint, nicht gleich bei allen beliebt machen wollen: Regel Nummer zwei für mein Gefühl. (8)
Regel Nummer drei: Schreiben heißt sich erinnern, ohne Rücksicht auf Verluste (also das Gegenteil von hedging); wer von sich erzählen will und zugleich ein guter Mensch sein möchte, wird nie ein gutes Buch zustande bringen, Punkt. (23)
[...] das Buch über meine Leben [...], logisch aufgebaut und verständlich geschrieben, aber aus den Eiern heraus, wenn ich das so sagen darf, unter Einbeziehung des Porschewracks und damit frei nah Desernos Regel vier: Schreiben ist Handwerk plus eigener Sumpf, das eine ohne das andere ist nichts. (49)
Demm mir Figuren, die man kennt und mag, ergeben eine gute Geschichte; die beste Story dagegen bringt keine guten Figuren hervor, solche aus Fleisch und Blut, essend, scheißend, liebend: Regeln Nummer fünf und sechs, würde ich sagen. (111)
Regel Nummer sieben: Es gibt kein keuches Schreiben, außer man ist heilig, und dann hätte man es immer noch mit der Sehnsucht zu tun. Schreiben ist immer auch Sex, und Sex, wenn man ihn ernst nimmt, erfordert Mut: ohne Mut kein gutes Schreiben. (144)
Regel Nummer acht [...]: Sprache ist ein Instrument wie Klavier oder Geige; beim Schreiben zählt nicht der Stil, es zählt nur der Ton. (167f.)
Zeitnah erzähen und dabei zeitlos sein [...] (als Nummer neun) (198).
Regel Nummer zehn: Für alle Schreibregeln gilt auch das Gegenteil, wenn das Ergebnis reinhaut. (220)
Kommen wir zu "Schreiben ist Handwerk". Sie geben seit nunmehr zehn Jahren Schreibseminare in Ihrem Haus am Gardasee.
Geben Sie die zehn Regeln in Ihren Schreibseminaren weiter und inwieweit geben Sie den Teilnehmern Einblick in Ihr Schreiben?


BK: "Meine Frau und ich geben in unseren Schreibseminaren keine Regeln im Sinne von Schreibanweisungen wieder, unsere kritische Beurteilung von Texten orientiert sich allerdings auch an solchen Regeln, wobei sie in mir selbst nicht als Regeln wirksam sind, sondern als leidvolle Erfahrung mit dem Schreiben. Das führt zu meiner nächsten Antwort: ja ich gebe während der Seminare Einblicke in meine Arbeit, in die Zufälligkeiten bei der Entstehung eines Buches und in die wachsende Strukturierung
eines Werks, in das Mühsame der Detailarbeit und auch die gelegentlichen Freuden, wenn etwas gelingt – vor allem aber in die notwendige und oft schmerzliche Erinnerungsleistung, um einen Text mit Wahrheit zu erfüllen."



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Sophia Kirchhoff: Ein Interview

Claudius Kirchhoff:- Ein Interview
1. Vor sehr langer Zeit habe ich einen SPIEGEL-Artikel gelesen, ich glaube, es war der Artikel von Ariane Barth. Sie schrieb,
dass Ihre Mutter sich wie eine alleinerziehende Mutter fühlte. Wie sind Sie damit klargekommen, dass der Vater nicht anwesend war oder nur sporadisch, am Abend, wenn er zu Besuch kam. Ein paar Stunden. Hat Ihnen der Vater gefehlt?

Es stimmt, dass meine Mutter die meiste Zeit in unserer Kindheit sozusagen alleinerziehend war. Ich selber habe das früher trotzdem nie so gesehen, da es bei Freuden meist nicht anders war, dass der Vater erst abends Zuhause war. Trotzdem gab es bei uns natürlich noch den Unterschied, dass mein Vater wirklich nur "zu Besuch" kam, da er auch in seiner Arbeitswohnung schläft. Da ich und mein Bruder es aber so von kleinauf gewohnt waren, haber ich das selbst nie in Frage gestellt. Schwierig ist es dann eher anderen zu erklären, wieso mein Vater eine eigene Wohnung hat. Ich bin mir auch nicht immer sicher, ob Leute die mich nicht gut kennen, es dann tatsächlich verstehen, wenn ich es erkläre.
Anders war es zum Beispiel, als mein Vater früher viel und dann auch immer lange am Stück auf Lesereise war. Ich war noch nicht in dem Alter, um zu verstehen, wieso er so lange weg ist. Das waren dann die Momente in denen er gefehlt hat. Meine Mutter hat es aber immer geschafft diese zeitweisen Lücken, in denen er nicht da war, zu füllen.

Bodo Kirchhoff mit Tochter Sophia

2. Wie war es in der Schule? Haben die Deutschlehrer höhere Ansprüche gestellt, weil Sie wussten, dass Sie einen berühmten Schriftsteller zum Vater haben?

Ich hatte einen Deutschlehrer in meiner Schulzeit, der über Jahre mein Klassenlehrer war und auch später in der Oberstufe meinen Deutsch Leistungskurs unterrichtet hat und zudem mein Tutor war. Er kannte meinen Vater, sie haben sich auch persönlich kennen gelernt und mein Vater, wie auch ich schätzt(e) ihn sehr. Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, dass mein Lehrer an mich andere Ansprüche stellte als an meine Klassenkameraden. Er hat sich nie davon beeinflussen lassen, worüber ich auch über all die Jahre sehr froh war.
 
3. Wie ist es in den persönlichen Kontakten gelaufen? Waren die Freunde/Freundinnen im Umfeld so beeindruckt, dass es zu einer Belastung geworden ist? Ich sehe an Ihrer E-Mail-Anschrift, dass Sie den Nachnamen vernachlässigen. Ist es eine Belastung?

Rechtspfeil... mehr

1. Vor sehr langer Zeit habe ich einen SPIEGEL-Artikel gelesen, ich glaube, es war der Artikel von Ariane Barth. Sie schrieb, dass Ihre Mutter sich wie eine alleinerziehende Mutter fühlte. Wie sind Sie damit klargekommen, dass der Vater nicht anwesend war oder nur sporadisch, am Abend, wenn er zu Besuch kam. Ein paar Stunden. Hat Ihnen der Vater gefehlt?

 

Ich denke nicht, dass ich meinen Vater weniger gesehen oder erlebt habe wie andere Kinder von Eltern die fordernden Berufen nachgehen. Der Chef von meinem letzten Praktikum hat öfters gesagt, er müsse mal wieder nach Hause, damit seine Familie noch weiß wie er aussieht. So war das bei uns nie. Ich denke eher, die Aussage bezieht sich darauf, dass mein Vater bei unserer Erziehung selbst weniger eingegriffen hat und das viele tagtägliche Aufgaben an meiner Mutter hängengeblieben sind. Hinzu kommt, dass wir während unserer Schulzeit zumeist die gesamten Sommerferien in unserem Ferienhaus in Italien verbracht haben. Da gab es dann viel Zeit Dinge wie Fußballspielen (bzw. Tennis- oder Tischtennismatches die es bei meinem Vater und mir eher waren) nachzuholen und die Zeit dort war immer sehr intensiv.

 
Bodo Kirchhoff mit Sohn Claudius


2. Wie war es in der Schule? Haben die Deutschlehrer höhere Ansprüche gestellt, weil Sie wussten, dass Sie einen berühmten Schriftsteller zum Vater haben?

 

Sollte es so gewesen sein, ist es mir zumindest nicht wirklich aufgefallen. Deutsch war tatsächlich eines der Fächer, welches mir weniger gelegen hat – insbesondere die Rechtschreibung,  die im Deutschunterricht immer noch eine wichtige Rolle einnimmt. Auch von meinen Abiturprüfungen war meine mündliche Prüfung in Deutsch am Ende mein schlechtestes Fach. Das Thema romantische Gedichte wollte sich mir einfach nicht erschließen. Ansonsten war es wahrscheinlich eher hilfreich, dass mein Vater beispielsweise einmal bei uns an der Schule gelesen hat, nicht unbedingt bei der Notenvergabe, aber bei anderen Dingen. Bei der Kurswahl in der Oberstufe zum Beispiel hatte ich das Gefühl, dass ich zumindest selten zu denjenigen gehört habe die nie Ihre erste Wahl bekommen haben. Das kann natürlich aber auch einfach nur Glück gewesen sein.

 Rechtspfeil... mehr
Petra Gerster: Ein Interview

Michael Schubert: Ein Interview
1. Sehr geehrte Frau Gerster, wann haben Sie Bodo Kirchhoff das erste Mal gelesen.
2. Welcher Roman, welche Erzählung war das?
3. Wann haben Sie ihn persönlich kennen gelernt?
4. Bei welcher Gelegenheit?
5. B.K. hat Sie in - ich glaube - "Wo das Meer beginnt" so treffend
beschrieben. Hat Sie das Stolz gemacht? Das Sie in einem Roman verewigt sind?
6. Wie werden die Nachrichten ausgesucht, die übermittelt werden?
7. Ich habe noch gut die Beschreibung im Kopf, die B.K. für die Nachrichten
im Irak-Krieg benutzt hat. Ich habe diese Sendung gesehen. Sie haben nach
den richtigen Worten gesucht. Wie sehr ist man/frau betroffen von den
Nachrichten, die man/frau übermittelt?
8. Ich habe irgendwann und irgendwo einmal gelesen oder gehört, dass
Sie zu den Schönheitskorrekturen stehen, die Sie sich haben machen lassen.
Welche waren das? (Wenn Ihnen diese Frage zu persönlich ist, dann lassen
Sie diese bitte aus).
9. Sie sind eine sehr schöne Frau. Wieviele Liebesbriefe bekommen Sie täglich?
10. Welches ist bislang Ihr Lieblingsroman von B.K.?

Petra Gerster
©Sven Paustian

Ihre Fragen beantworte ich gern, wenn auch nicht alle. Da es ja um Bodo Kirchhoff und seine Website geht, möchte ich die Fragen 6. - 9. nicht beantworten. Das verstehen Sie sicher. Als Kompensation biete ich Ihnen aber die Laudatio an, die ich auf ihn gehalten habe, als er vor ein paar Jahren die Carl-Zuckmayer-Medaille in Mainz erhielt. Ich hänge sie unten an.

 

1.- 4. Das erste Buch von Bodo Kirchhoff las ich gleich, nachdem wir uns kennengelernt hatten: auf einer Frankfurter Gesellschaft, Anfang der 2000er Jahre. Wir saßen am selben Tisch und fanden sofort einen Draht zueinander - unter grober Vernachlässigung der jeweils andersseitigen Tischnachbarn. Allerdings wusste ich bereits, wer er war, denn mein Bruder hatte ihn da schon lange als Autor entdeckt und mir begeistert berichtet. Kurz nach diesem Treffen schickte mir Bodo seinen großen Roman Parlando; nach der Lektüre wusste ich, was ich nachzuholen hatte.

5. Bodo hat in einigen seiner Bücher Personen gezeichnet, die meinen, sich wiedererkennen zu können. Natürlich sind sie immer literarisch verfremdet, manchmal auch leicht karikiert. Es amüsiert mich, wenn ich es entdecke. Grund beleidigt zu sein, habe ich bisher nicht gefunden.

10. Mein Lieblingsroman von Bodo hat mehrfach gewechselt: Erst war es Parlando, dann mochte ich Infanta besonders, zuletzt hielt ich die Liebe in groben Zügen für sein Meisterwerk. Jetzt aber denke ich, dass sein jüngstes Buch Verlangen und Melancholie sein bestes ist. Und sein tröstlichstes.

LAUDATIO

1. Wann sind Sie das erste Mal auf B.K. aufmerksam geworden?

Das war im Jahre 1979. Ich hatte, glaube ich, im Tagesspiegel eine Literaturkritik gelesen und mir dann die Novelle "Ohne Eifer, ohne Zorn" gekauft. Und ich war begeistert. Ich hatte einen
Schriftsteller gefunden, der so nah bei mir war, dass ich es nicht beschreiben kann. Es gab nur einen Schriftsteller, der es mit B.K. aufnehmen konnte und das war Max Frisch. Der leider 1991
verstorben ist. Ich vermisse ihn schmerzlichst. Ich habe vor einigen Monaten sein "Berliner Journal" gelesen und war froh, wieder etwas von ihm lesen zu dürfen.

2. Was genau begeistert Sie an der Literatur von Bodo Kirchhoff?

Es ist einfach seine Sprache. Diese Sprachgewalt. Obwohl das Wort Gewalt hier wohl falsch angebracht ist. Es ist die Fähigkeit, die richtigen Worte zu finden. Die Dinge beim richtigen Namen zu nennen. Die richtigen und auch schönen Worte zu finden. Ich bin kein Literaturwissenschaftler. Vermutlich verbirgt sich hinter der Sprache von B.K. noch sehr viel mehr und ich verstehe es nicht.
Ich kenne mich etwas mit der Malerei aus. Auch dort gibt es so viel zu beachten. Die Symbolik von Farbe, das Rechts und Links, das Oben und Unten, alles hat seine Bedeutung. Das wird in der
Literatur ähnlich sein.

3. Was ist Ihre Lieblingslektüre von B.K.?

Da weiß ich gar nicht, was ich sagen soll. Ich mag alles von ihm. "Zwiefalten" war sein erster Roman und ist aus den TransAtlantik-Artikeln entstanden. Als ich diesen Roman gelesen habe, hat mich das sehr an das Buch "Der Mensch erscheint im Holozän" von Max Frisch erinnert. Dieses Schreiben in der Möglichkeitsform.
"Es müßte möglich sein, eine Pagode zu türmen aus Knäckebrot, nichts zu denken und keinen Donner zu hören, keinen Regen, kein Plätschern aus der Traufe, kein Gurgeln ums Haus. Vielleicht
wird es nie eine Pagode, aber die Nacht vergeht."
Die ersten Sätze von "Zwiefalten" sind mit das Schönste, was ich jemals gelesen habe." Für ein, zwei Augenblicke nichts als Schwarz. Dann wieder
das Gefühl der Fenstermulde, Helligkeit des Leselämpchen, und ein Tropfen, der außen die Scheibe entlangsaust. Am Nachthimmel, der bis eben noch leer war, stehen jetzt Sterne. Aus weichen Stöpseln, die in die Ohrmuschel passen,
 dringt noch immer Musik. Es riecht nach Handkrem und Wolle, den Decken, die ausgeteilt wurden. Geschmack von Lamm und einem Cognac liegt ihm noch im Mund; Gaumen, Zunge und Lippen sind satt, fast wie nach einem langen Kuß. Und endlich sind auch seine Füße warm. Daß es unentwegt so weitergehen möge, hofft er, schaut hinaus zu den funkelnden Punkten, die anscheinend wandern, in winzigen Sprüngen, und rechnet."
Aber ich lese alles sehr gerne. Die frühen Erzählungen wie "Die Einsamkeit der Haut", "Parlando" ... Einfach alles. Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, seinen neuen Roman "Verlangen und Melancholie" zu lesen. Ich bin sehr gespannt darauf.

4. Was wünschen Sie sich?

Ich wünschte mir, dass B.K. den Nobelpreis für Literatur erhielte.
Aber selbst Max Frisch ist das nie gelungen, obwohl er ihn verdient hätte. Ich kann manchmal die Kriterien nachvollziehen, die diese
Kommission an den Tag legt. Aber in Deutschland ist es nicht anders.
Die Auswahl des Deutschen Buchpreises beispielsweise.

5. Was wünschen Sie sich von B.K.?

Ich wünsche mir, dass er weiterhin diese schönen Romane schreibt.
Aber auch, dass er seine Stimme, die ja Gewicht hat, einsetzt, für Dinge, die geändert werden müssten, die die Welt ins Positive verändert.
Ich kann mich dunkel an einen Artikel in der Zeitung erinnern, in dem er sagt,  dass man immer wieder kommt und anfragt. Er aber nicht zu allem eine Stellungnahme abgeben kann. Ich habe nur eine ungefähre Vorstellung wie B.K. lebt.
Ich weiß, dass er schreibt und arbeitet wie ein Beamter. Früh aufsteht und schreibt. Dann eine Pause einlegt usw. Das kann man auf der Webseite nachlesen bei Ihnen.

6. Kann Literatur den Menschen verändern?

Ja, daran glaube ich. Die Literatur hat mich verändert. Sie entführt nicht nur
für gewisse Stunden in eine andere Welt. Man/frau fiebert mit den Protagonisten
mit. Lebt für eine gewisse Zeit ein anderes Leben. Man kann so viele Erfahrungen
sammeln.

7. Bodo Kirchhoffs Themen sind immer wieder die Liebe und die Sexualität. Was bringt Ihnen das?

Sehr viel. Seine frühe Novelle, der erste Roman und seine Erzählungen haben mir sehr viel gebracht. Ich war bislang nur zwei Mal in Frankfurt am Main. Habe dort Urlaub gemacht und war auf den Spuren seiner Werke. Ich gebe zu, dass ich auch im Rotlichtviertel war und Prostituierte besucht habe. Ich wollte einfach nachempfinden, was B.K. dort umtrieb. Ich habe dort sehr schöne Erfahrungen gemacht. Ich habe mich - nach dem Geschlechtsakt - mit Julia aus Kolumbien
unterhalten. Teilweise auf Spanisch, Englisch und Deutsch. Sie erzählte mir von ihrem Sohn, der in Kolumbien studierte. Sie zeigte mir Fotos von ihm. Erzählte davon, dass sie in unterstütze. Zum Abschied deutete sie auf ihren kleinen Finger und sagte, dass dies die Mädchen wollen und dies die erwachsenen Frauen und zeigte auf ihren Unterarm.

8. Was lieben Sie an Bodo Kirchhoff?

Ich liebe seinen Mut, den er vor langer Zeit aufgebracht hat. Als er beispielsweise
für Infanta auf den Philippinen war oder für Herrenmenschlickeit in Somalia. Er hat
sehr viel Mut bewiesen. Ich schätze ihn aber als sehr sensiblen Menschen ein. Viel-
leicht teilweise auch etwas als weltfremd. Als jemanden, der nur für die Literatur
lebt.
 
Tonio Frühauf
©Andreas Napierkowski

Christoph Schröder: Im Museum der Erinnerung

Monika Wogrolly: Ein Interview
Im Museum der Erinnerung

Der Frankfurter Schriftsteller Bodo Kirchhoff hat erneut einen fabelhaften neuen Roman geschrieben: Ein Buch über Verluste, das mit einem Sprung vom Goetheturm beginnt.
Der Blick aus den Fenstern der Wohnung im zehnten Stockwerk eröffnet eine ungeahnte Perspektive auf die Stadt: Die Hochhäuser der Banken bilden in Augenhöhe eine Front, darunter der Main und das Museumsufer, der grüne Streifen des Museumsparks; ein Ort Mitten im Zentrum und doch von einer deutlich fühlbaren Abgeschiedenheit. Und dann stellt man sich Irene vor, an einem hellen Sommertag, wie sie ihren Rucksack packt und angeblich zu einer Demonstration gegen den Fluglärm aufbricht, in Wahrheit aber ziellos durch Frankfurt streift, ein paar Fotos macht, Menschen beobachtet. Irene, die dann ihren letzten Weg geht, durch den Stadtteil Sachsenhausen, über die belebte Schweizer Straße, dann über einen der Pfade durch die Kleingärten den Sachsenhäuser Berg hinauf zum Stadtwald. Irene, die am Goetheturm ihre Schuhe auszieht und barfuß hinaufsteigt; der höchste Holzturm Europas,
43 Meter, ein Sprung, ein tiefer Fall.

Die Wohnung im zehnten Stockwerk, in dem Hinrich, der Ich-Erzähler von Bodo Kirchhoffs neuem Roman lebt, ist in der Realität die Arbeitswohnung des Autors selbst. "Ich wollte", sagt Kirchhoff, "die Frankfurter Nahumgebung haben; ich brauchte einen Schauplatz, der mir vertraut ist, ein konkretes Gerüst, um das herum ich die Fantasie schweifen lassen kann." Vor kurzem ist Kirchhoff 66 Jahre alt geworden. Seit 1979 hat er knapp 20 Prosawerke veröffentlicht, sehr erfolgreiche zum Teil. Und doch hat man gerade jetzt das sichere Gefühl, dass sich etwas gerundet hat. "Verlangen und Melancholie" heißt Kirchhoffs neuer Roman. 2012 erschien "Die Liebe in groben Zügen"; insgesamt mehr als 1000 Seiten in zwei Jahren; zwei grandiose Romane, die in manchen Motiven miteinander verknüpft sind und doch ihre ganz eigenen Geschichten erzählen.

Die in "Verlangen und Melancholie" geht so: Hinrich, FAZ-Kulturredakteur im Ruhestand (verzweifelt über die Unwissenheit seiner jungen Kollegen), hat seine Frau Irene vor neun Jahren durch besagten Sprung vom Goetheturm verloren. Seitdem zählt Hinrich die Verluste seines Lebens und bekämpft die Gedanken, die sich nicht wegschütteln lassen, mit der Betrachtung von Tierfilmen im Fernsehen. Eines Tages liegt ein Umschlag mit einem schwarzen Rand im Briefkasten. Niemand aus Hinrichs Freundes- oder Bekanntenkreis ist gestorben; eine untergründige Angst beschleicht ihn. "Es gibt bei mir immer Initialmomente für ein Buch", sagt Bodo Kirchhoff, "ich bekam einen Trauerbrief, wusste aber, dass in meiner Umgebung niemand gestorben war und habe den Brief dann erst einmal beiseite gelegt." Doch der Kern für ein Buch war da. Und Kirchhoff begann zu arbeiten: "Ich habe bei meinen Büchern nie einen Plan, sondern immer nur eine oder zwei Figuren vor mir und versuche dann, diese Personen näher kennenzulernen." "Verlangen und Melancholie" hat er achtmal geschrieben, bis er zufrieden war, und man merkt es dem Buch an, wie sorgfältig es gearbeitet ist.

Bodo Kirchhoff
©Laura J Gerlach/www.laurajphotography.de

Von der Wohnung in Frankfurt am Main weitet sich das Buch bald in sämtliche Richtungen. Wir werden Zeuge eines säuberlich geplanten Schwarzgeldschmuggels und Zürich; reisen mit Hinrich nach Warschau und nach Süditalien, wo er seiner ersten Liebe begegnet und bemerkt, dass die verlorene Zeit sich nicht zurückholen lässt. "Was in meinen Büchern liegt, ist mein begriffenes Leben", sagt er, "mein begriffenes Leid, auch mein erfahrenes Glück, das gehört dazu. Ich habe immer nur das aufgeschrieben, was ich wirklich wusste, was ich wirklich erfahren habe." Der Bodo Kirchhoff der Jetztzeit ist weniger hochtönend als der der frühen Bücher, aber bei weitem nicht weniger radikal.

Im Roman findet Hinrich eine Anstellung als Wärter in jenem Museum, in dem seine Tochter eine Ausstellung über pompejische Kunst kuratiert hat. An den Abenden begegnet er dort immer wieder einer Frau, die er für seine tote Frau hält, ein Trugbild. Der Brief mit dem schwarzen Rand wird geöffnet werden, eine weitere Erschütterung in diesem auf sanfte Art erschütternden Buch. In Pompeji wird Hinrich schließlich von einem Hund angenommen. Man stellt sich vor, wie er durch die Wohnung streift, während Hinrich am Fenster steht, im zehnten Stock, und auf das nahe, entrückte Frankfurt blickt. Im Hintergrund würde ein Tierfilm laufen.

Bodo Kirchhoff: Verlangen und Melancholie, Frankfurter Verlagsanstalt, 444 S., 24,90 ¤; Buchpremiere: Frankfurt, Literaturhaus, Schöne Aussicht 2, 30.9., 20.30 Uhr
29. September 2014 Christoph Schröder
 

1. Wann sind Sie das erste Mal auf das Werk von
B.K. aufmerksam geworden?

In meiner Jugend, er publizierte "die Mexikanische Novelle" und schrieb mir eine unvergessliche Widmung, beginnend mit: "An einem Sonntagmorgen..." ins Buch, daraufhin haben wir korrespondiert - damals noch in Briefen - und ich erinnere mich an das Gefühl von Neugierde, Stolz und Verbundenheit, wenn von philippinischen Inseln handgeschriebene Briefe an die Adresse meines Elternhauses - und zu meinen Händen - eintrafen...Ich meinte, den darin beschriebenen "Dschungel" zu riechen und den Schweiß des Briefschreibers, der mir die Situation des Schreibens zu verdeutlichen bemüht war...Ich selbst hatte damals meine ersten Publikationen (Prosa und Lyrik)...Eigentlich wurde ich auf Kirchhoff aufmerksam, als er während des Steirischen Herbst zum Thema LÜGEN einen Glitzerschal, wie ihn junge Mädchen damals in den achtziger Jahren gern trugen, bei Tisch vom Boden aufhob...Ich war - zufällig - rechts von ihm zu sitzen gekommen, mein Deutschlehrer Alfred Kolleritsch, Begründer der Literaturzeitschrift manuskripte, warf uns zweifelnde und sorgenvolle Blicke zu, als er erkannt hatte, wie gut unser "Gesprächsfluss" war...
 
2. Welches Werk war das und was hat Ihnen daran gefallen?

Die "Mexikanische Novelle", dann bei "Infanta" war ich als v.a. "Briefpartnerin" gleichsam bei der Entstehung dabei...
 
3. Wann haben Sie B.K. persönlich kennen gelernt, bei welcher Gelegenheit?

Siehe 1)
 
4. Welches ist Ihre Lieblingsbuch von B.K. und
warum?

Gibt es keines. Mir gefielen weniger seine Inhalte als seine "gründliche punktgenaue stilsichere Schreibe". Es war, als wenn man ein zusammengefaltetes Tuch auffalten würde und so erst das Muster erkennen würde, wenn ich Kirchhoff las. Lebendig war er mir näher, lieber. Die Sprache war kalt, aber gab Geborgenheit in einem ständigen entsetzlichen Wechsel. Bodo riet mir, für die Entwicklung meines schriftstellerischen Stils nicht nur sein Werk, sondern vor allem Hamsun zu lesen. Das Buch "Hunger" habe ich sicher 10 Mal gelesen, so begeistert war ich von der Struktur der Sätze. Sie sind Kirchhoffs nicht unähnlich.
 
5. Sie sind selbst auch Schriftstellerin, hatte B.K.
Einfluss auf Ihr Schreiben?

Wurde in der vorigen Frage beantwortet.
 
6. Was bewundern Sie an seinem Schreiben?

Die Konsequenz und Obsession dahinter... Er hat alles dem Schreiben untergeordnet, betrieb es fast wie ein Mönch das Gebet, hat es zelebriert...
 
7. Was treibt einen Menschen an, sich für eine gewisse Zeit zurück zu ziehen und einen Roman
zu schreiben?

Primär Narzissmus, sekundär der Wunsch zu gestalten, eine Welt zu schaffen...Solipsismus... Und Lust, Lust am Schreiben!
 
8. Wann und bei welcher Gelegenheit ist dieses
wunderschöne Foto von Ihnen entstanden?

In einer Umkleidekabine von "C & A" als ich Mitte zwanzig war, schätze ich. In einer Zeit, als es noch keine Selfies gab. Ich bin meiner Zeit immer schon voraus gewesen ;-)
 
P.S. Bodo Kirchhoff kommt auch in meinen Romanen vor. Wenn Sie ein guter "Detektiv" und literarischer Spürhund sind, erkennen Sie es...

Monika Wogrolly
©Monika Wogrolly


Buchmessen-Gespräch am F.A.Z.-Stand
Bodo Kirchhoff über seinen Roman "Verlangen und Melancholie"

Buchmesse Frankfurt: Bodo Kirchhoff am 3sat-Stand
09,10.2014
Der Romancier Bodo Kirchhoff hasst Krimis und Thriller. Gleichwohl hat er seinem neuen Roman "Verlangen und Melancholie" ein großes Geheimnis eingewoben, Ob er es im Gespräch mit Rose- Maria Gropp lüftet?

Die Anwort finden sie hier






Hinrich ist ein Gefangener seiner eigenen Erinnerung, Vor neun Jahren starb seine geliebte Frau, an die er immer noch ständig denkt, an ihre Reisen nach Italien und die schönen Dinge, die sie einander verbanden. Doch dann taucht ein Brief mit schwarzem Rand auf.

GESPRÄCH: Sonntag, 12.10.2014
Moderation: Andrea Meier

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