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Es war ein Stoffhündchen, von dem ein starker Geruch ausging, der starke Geruch ihres Haars, aber das merkte er erst, als ihr gegenseitiger Belagerungszustand (seit jener Stunde bei den Umkleidekabinen) offenbar ein Ende fand, kaum war Iffy, die Piccolina (seine mit Irene gezeugte Tochter, was Kristian nie ganz wahrhaben wollte), eingeschlummert, in der Hand die weiche Attrappe. Emilia, das Haar noch feucht vom Schwimmen, trat auf ihn zu. Sie nahm ihre Sonnenbrille ab, senkte den Blick und sagte leise, „I want...“, was natürlich alles heißen konnte, zum Beispiel, daß sie liebend gern mit ihm schlafen würde, es aber leider nicht gehe, so wie sie dieses Want in die Länge und Breite zog, gewissermaßen öffnete, stellvertretend für ihre Beine, damit er etwas hineininterpretiere, womöglich das berüchtigte schmutzige Wörtchen; doch er verschränkte lediglich die Arme, worauf sie ihr I want wiederholte, diesmal ohne jede Dehnung, es schnappte förmlich zu, und da begann er – alte Gewohnheit, sobald es gefährlich wurde – zu reden. Wie ein Vertreter für unproblematisches Lieben redete er auf sie ein, bis Iffy davon erwachte und Emilia, bittend, die Hände hob. „I want fasciare“, sagte sie nun, und schon wieder, verstand er ein Wort, das er noch nie im Leben gehört hatte. Wickeln.
„Prego.“
Er gab ihr eine Windel, und Emilia – wieviel zahlte wohl ihr Gönner dafür, daß sie auf Kinder verzichtete? – beugte sie über Iffy. Vor sich hinsummend, zog sie die Kleine aus, geschickt, wie er fand, als hätte sie an einer Puppe geübt, lief dann ins Bad und kam mit einem Näpfchen wieder, ihrer Tages- oder Nachtcreme, und er nahm eine Probe, ob die Creme auch nicht parfümiert war, das hätte Irene gemerkt, aber die Creme roch wie die Creme, die sie selber benützte, nach einem sanften Rühr mich nicht an, als seien alle Frauen, wenn es um die Haut ging, Schwestern, so wie die Männer mit lichtem Haar eine Art Bruderschaft bildeten.
Emilia verteilte also die Creme auf der Kleinen, ein regelrechtes Salben war das, bei dem sie, erst im üblichen, etwas albernen Ton und dann fast fei-
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erlich, vor sich hinsprach; ohne jede Gegenwehr ließ Iffy alles mit sich geschehen, und in gewisser Weise lag er auch damit, ergeben, auf dem provisorischen Wickeltisch; selbst als Emilia, ihn gar nicht mehr beachtend, Iffy plötzlich die Brust bot – mit einer einzigen Bewegung hatte sie ihren schwarzen Anzug bis über den Nabel heruntergerollt – sagte er nichts. Sie ließ die Kleine an der Warze spielen, einer blassen, aber aufgepumpten Kuppe, still appellierend, gab ihr jedoch das Fläschchen, und Iffy trank und trank, offenbar beglückt von dieser Methode, so beglückt, daß sie einschlief. Darauf rückte Emilia mit dem Knie zwei Sessel zusammen, was genau überlegt schien – Resultat war nämlich ein nach allen Seiten gesichertes Bettchen, in das sie Iffy legte, um dann nicht etwa den Badeanzug wieder nach oben zu streifen, sondern, wie er, die Arme zu verschränken, wobei ihr Blick auf das eigentliche, durch die kluge Planung nicht belegte Bett ging, aber vielleicht bildete er sich das auch alles nur ein; wer weiß schon, was in einer Italienerin ohne Kind vor sich geht.
„Setz dich doch“, sagte er, leicht zerstreut; „ich werde mich setzen.“
Und er setzte sich auf die Bettkante, etwas gekrümmt, die Hände im Schoß. Er kam sich jetzt lächerlich vor in seiner Schwimmhose, ein flatternder Artikel aus dem Schlußverkauf, sinnlos bunt; am liebsten hätte er die Hose ausgezogen, aber da ließ Emilia schon die Jalousien herunter, mit etwas leerem Blick, wie die Inhaber kleiner Läden, wenn sich abends das Gitter vor ihrem Besitz schloß, und je dunkler es um ihn herum wurde, desto mehr erschien ihm seine Anwesenheit hier als Mißverständnis. Immerhin ließ sie noch etwas Licht übrig, genug, um den springenden Punkt eines Körpers zu sehen, bei ihr, da war er sich jetzt sicher, der fast runde, an den Eingang eines Schneckenhauses erinnernde Nabel, eingebettet in einen bei jeder Bewegung auf- und abhüpfenden Bauch. Emilia legte ihm eine Hand an die Wange, als bestehe Fieberverdacht, und er berührte diesen springenden Punkt an ihr mit dem Zeigefinger.
„Ombelico.“ Sie sprach ihm das wie eine Lehrerin vor, und er sprach es ihr nach. Anschließend fühlte er sich berechtigt, die Fingerspitze in diesen Ombelico zu schieben, zögerte aber. „Zieh dich doch aus“, sagte er schließlich auf deutsch; „ich werde mich ausziehen.“
Und kaum war er nackt, war auch sie nackt; allerdings hatte er die Hände gleich wieder im Schoß, und dort wären sie wohl auch geblieben, hätte sie Emilia nicht ergriffen und um ihre Hüften gelegt. Da lagen sie nun, seltsam deplaziert und fast etwas klein, als gehörten sie gar nicht ihm, sondern ihr. Kristian sah auf seine Hände und wußte nicht weiter; die einfachsten Griffe schien er verlernt zu haben (man könnte auch sagen: Alle je verlernten Skrupel waren unerwartet zurückgekehrt). Erst als Emilia einen Fuß, mit der Spitze, auf den Bettrand stellte und seine linke, geschicktere, von ihr offenbar seit Tagen beobachtete Hand zwischen ihre Beine führte, konnte er wieder an etwas anknüpfen. Er streichelte sie, wo sie gestreichelt werden wollte, vorsichtig, mit kleinen Pausen, ganz erstaunt, wie neu, wie wenig handhabbar diese Stelle immer wieder für ihn war, und wagte es dann endlich, ihren Nabel zu liebkosen, bis sich die Italienerin, ohne Ankündigung, über ihn warf.
Danach entglitten ihm die Dinge, er konnte gerade noch einwenden, man müsse aufpassen, da zog sie schon sein Häutchen so weit nach unten, daß er laut protestiert hätte, wäre da nicht Iffy, schlafend, in den zusammengerückten Sesseln gelegen. So beschränkte er sich auf ein Stöhnen, das Emilia nur ermunterte, diese heftige Eröffnung zu wiederholen, um dann aus nächster Nähe das Ergebnis zu betrachten, während sie ihm ihre beeindruckende Rückseite zeigte (beeindruckend wie in manchen Nächten der Mond, obgleich man ihn schon unzählige Male gesehen hat); keine Rede jetzt mehr, wie vorhin am Pool, von einem Anflug von Erregung. Seine Erregung war vollständig, kein Teil mehr, das einfach aus ihm herausragte, sondern umgekehrt: der Haken, an dem er hing.
Durch den Spalt in der Jalousie fiel dann, schräg, ein Sonnenstrahl, und zwar genau auf seinen Bauch; zu diesem schönen Zufall kam bald noch das ferne Geräusch eines Staubsaugers, beruhigend und erregend zugleich, wie alles häuslich Ordinäre. Den Kopf etwas aufgestellt, lag Kristian jetzt, Arme und Beine gestreckt, hinter der kauernden Emilia und betrachtete sich wie einen Gegenstand, vom dem sich nicht sagen ließ, was er in diesem Bett verloren hatte, ja, wie er überhaupt dort hingekommen war; selbst als Emilia sich schließlich umdrehte und einfach Platz nahm auf ihm, fragte er sich noch, was da eigentlich geschah. Er sah auf die Staubkörnchen, die in dem Sonnenstrahl tanzten, für kurze Zeit darin erschienen und dann scheinbar verglühten, und stellte sich vor, so ein sekundenlang tanzendes Partikel sei die Erde mit ihrer ganzen Geschichte, also auch jenem unendlich kleinen Abschnitt, in welchem er, ebenfalls unendlich klein, auf diesem Staubkorn sein Leben lebte, während ein Geschöpf höherer Ordnung, mitten am Tag auf einem Hotelbett kopulierend, diese winzige Welt entstehen und vergehen sah.
Erst als Emilia ihn küßte und eine Zunge in seinen Mund schob, auf deren Größe und Kraft er in keiner Weise gefaßt war, hatte alles wieder seine Ordnung; er (Kristian Faller, geboren Mai '45, kurz nach der deutschen Kapitulation) versuchte, diese Zunge mit seiner zurückzudrängen, ein ungleicher Kampf, auch weil er ihn unter dem Gebot der Zärtlichkeit führte. Ihre Zunge war in jeder Hinsicht überlegen, gewandter war sie und schneller, der ganze Mitteilungsdruck am Beginn einer Affäre schien sich in ihrem Hin und Her zu entladen, küssen konnte man das nicht mehr nennen, ein ge-

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genseitiges Verschlingen war das, als wollten sie auf diese Weise ihr Sprachproblem lösen, aber auch was sie sonst noch taten, fast nebenbei, obwohl es doch der tiefere Grund dafür war, daß sie sich in dieses Bett gelegt hatten, konnte man nicht Beischlaf oder Geschlechtsverkehr nennen, nicht einmal Coitus oder einfach Fick, all das hätte viel zuviel bedeutet; es war ein Akt auf leerer Bühne, und als dann, gegen Ende, ein paar Worte fielen, waren es die machtvollsten Worte, die er in so einer Situation je gehört hatte. Sie werde versuchen, nicht zu schreien, sagte die Italienerin, wegen der Piccolina, statt dessen werde sie weinen, er dürfe nicht erschrecken. In ihrem einfachen Englisch sagte sie das, in der Art, in der Kinder die Vernunft der Eltern vorwegnehmen, während schon die Tränen liefen und ihr ganzer Körper, wie von einem inneren Werk angetrieben, immer jagender auf und ab ging, bis sie, wie er, den Mund öffnete, wie jemand, der gleich fürchterlich niesen muß; und an dem Punkt könnte dieses Kapitel ohne weiteres enden, wenn ihr gemeinsamer Orgasmus, mit dem weder er noch Emilia gerechnet hatten (weil es überhaupt abwegig ist, nur dem faulen Zauber erotischer Filme entspricht, mit so etwas zu rechnen), wenn dieser physiologische und physikalische Sonderfall nicht in beiden sofort das Gefühl des Einzigartigen ausgelöst hätte, eines Wunders, das man mit Zähnen und Klauen verteidigen muß. Innerhalb eines Augenblicks (ein, zwei Sekunden, nüchtern gesehen) wurden sie einander zum Maßstab für eine unsagbare, wahrscheinlich nie wiederholbare Lust. Sich fest an der Hand haltend, wie Lotteriegewinner oder Verurteilte, lagen sie nach diesem Schlag, sprachlos und zitternd, nebeneinander.
Kristian faßte sich als erster. Er sagte, wieder aus Gewohnheit, „Ich geh’ ins Bad“, und ging ins Bad. Emilia folgte ihm, auch darin unterschied sie sich, atemberaubend, von Irene. Sie bestand sogar darauf, ihn zu waschen, das müsse sein, sagte sie, etwas Unerbittliches sprach da plötzlich aus ihr, etwas, das er seit langem nicht mehr erlebt hatte, seit der Trennung von Reni, vor mehr als fünfundzwanzig Jahren. Emilia wusch ihn von oben bis unten, bevor sie „Gut“ sagte, ein Wort, das in ihrer Sprache mehr Gewicht besaß als in seiner, sonst hätte er bestimmt nicht Ti amo erwidert, buchstabierend fast, wie im Schlager, aber gerade dadurch wirksam; immer noch unbekleidet, eine Hand zwischen den Schenkeln – im Unterschied zu Irene die rechte -, konnte Emilia ihre Überraschung kaum dämpfen. Sie stieß kleine Schreie des Entzückens aus, durch die Iffy erwachte.
Gefühlsausbrüche nun im Bad und im Salon; Kristian hörte die anderen, verzweifelten Laute erst, als sich Emilia beruhigte und lief hinüber. Die Arme, die Hände, die Finger gestreckt, lag Iffy in dem Sesselbett. Er hob sie zu sich, aber das Schreien ging weiter, als sei das gar nichts, seine Nähe, immer schriller, immer verzweifelter schrie sie, das ganze Hotel müßte es hören und also auch Irene, und er preßte ihren Kopf an seinen, bis sie, sei es aus Ermüdung oder weil er zufällig das Richtige tat (wie vorhin im Bett), auf einmal nur noch schnaufte.
„No panic“, sagte Emilia. Sie war geräuschlos neben ihn getreten, vollständig angezogen, in der Hand ein aufwendiges Fernglas. Kristian erwiderte nichts; immer wieder ließ ihn das verstummen, mit welcher Geschwindigkeit und welchem Erfolg Frauen nach der Liebe sämtliche Spuren an sich selber und um sich herum beseitigen können, allen voran Irene, aber auch Inge und eine Reihe anderer, Inge ersetzender Frauen waren da oft noch geschwinder als er wieder auf die Beine gekommen, Stehaufweibchen, die zu ihm, dem Stehaufmännchen, paßten; eigentlich hatte nur Reni Stunden, ja Tage lang überhaupt nichts verändert, diese Trümmerfelder nach der Liebe ertragen oder nie so empfunden, und vielleicht hätte Emilia, unter anderen Umständen, ähnlich gehandelt, weder die Sessel schon wieder auseinandergerückt, noch die Jalousien hochgelassen, weder die Balkontür geöffnet, noch das Bett glattgestrichen; er legte die Kleine – Gott sei Dank schlief sie wieder, das Stoffhündchen im Arm – in die Mitte des Bettes, um dann nach seiner Hose zu greifen, da sagte Emilia, durch das Fernglas aufs Meer schauend, zum zweitenmal, erneut in die Länge und Breite gezogen, „I want...“
„Was?“ fragte Kristian auf deutsch, und sie sagte es, ohne das Glas abzusetzen, mit der größtmöglichen Klarheit.
„Domani“, erwiderte er, und Emilia schüttelte, sachte und anhaltend, den Kopf.
„Aber ich muß gehen. I have to go. Mia moglie.“ Blitzartig verschanzte er sich hinter Irene, und ebenso blitzartig füllten sich Emilias Augen mit Tränen, Tränen, die sie nicht vergoß, aber das beunruhigte ihn noch mehr als jedes Weinen; wie durch eine rötliche Lösung hindurch schaute sie ihn nun an, und er suchte dem mit einer Frage auszuweichen: Was sie da mit ihrem Fernglas beobachtet habe. Das Meer, antwortet sie, „il mare“, und seine Schiffe, „e suoi nave“. Noch immer schaute sie in sein Gesicht, auch als sie ihm das Glas zurückgab, und da er-
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schien sie ihm wie ein Teil dieses lebendigen, seine Schiffe und alles, was sonst darauf schwamm, entweder tragendes oder in die Tiefe reißendes Meer.
Er machte einen Schritt zur Seite und versuchte zu sehen, was sie gesehen hatte – vielleicht die Spitze der Hafenmole, jedenfalls sah er die auf Anhieb, deutlich erkannte er die Yacht mit den separaten Decks und dem herausfordernden Namen, Family Affairs, zwei Männer machten dort Malerarbeiten; er hob das Glas ein wenig an, das offene Meer erschien, und er wollte gerade fragen, wie weit sie morgen hinausschwimme, da spürte er ihr Haar an seinem Bauch, wie es ihn kitzelte, und dann auch schon den Ring ihres Mundes. Sie blies ihn, wie man das allgemein nannte, er hatte diesen Ausdruck nie verstanden.
Immer noch schaute er durch das Glas, es war nicht leicht, den Horizont zu finden, Meer und Himmel unterschieden sich nur durch ein etwas blaueres Blau des Wassers, doch es ließ sich auch umgekehrt sehen: daß mehr Kraft in der Farbe des Himmels lag. Er zwang sich jetzt, diese Betrachtung fortzuführen, obwohl es aussichtslos war, irgendwann würde er kapitulieren, wahrscheinlich wollte sie das; inzwischen war er sicher, daß sie sich ihre morgendliche Schwimmstrecke angesehen hatte – weit draußen entdeckte er noch eine Boje, oder war es ein abtreibender Ball? Er regulierte die Schärfe und verlor die Boje oder den Ball aus den Augen, ein Motorboot erschien statt dessen, auf dem Bug saß eine Frau, die Brüste entblößt, sie knotete ihr Haar im Nacken, und da gab er nach, warf das Fernglas aufs Bett.
Mit beiden Händen griff er in Emilias Haar, anders war das gar nicht auszuhalten, daß ein Mensch vor ihm kniete. Allen Frauen, die sich, aus Liebe oder anderen Gründen, dieser Sache, für die es kein vernünftiges Wort gab, angenommen hatten, immer in einer etwas bedauernswerten, nie wirklich souveränen Position, hatte er das Haar gestreichelt, ja sie regelrecht frisiert, um dadurch auch einen kleinen Dienst zu erweisen, dessen Resultat er dann, am Ende, in einer einzigen Sekunde wieder zerstörte, wenn es überhaupt soweit käme, bevor Iffy erwachte, oder ging er nicht auf die fünfzig zu, ein halbes Jahrhundert fast war dieser Körper jetzt alt, sie vergeudete da unten nur ihre Kraft.
Emilia bewies die ganze Geduld der Mutter, die zu sein ihr verwehrt war. Ihre Bewegungen – bei offenen Augen – hatten nichts Drängendes, aber waren auch nie ziellos oder gar mechanisch. Im Grund war mehr ihre Zuneigung spürbar als eine Zunge oder ein Mund, etwas, das einem rundherum sagte, man sei, einschließlich seiner kleinen Ausscheidung, willkommen; nur zu, wir danken, grazie. Er konnte es bloß daran messen, wie unwillkommen es sonst war, in was für einem schlechten Ruf es bei den meisten Frauen stand, wenn er nur an das eine Mal dachte, als er dafür bezahlt hatte, vor vielen Jahren in Lissabon, in der Nacht, bevor er Irene traf; unvergeßlich dieses Hinterher: wie sich die hochgewachsene, afrikanische Frau und er vor dem winzigen Waschbecken drängelten, sie sofort mit einem Mittel ihren Mund ausspülte, um sich dann die Zähne zu putzen, er sofort mit einem Bröckchen Seife seine Eichel wusch, wodurch sie sich ins Gehege kamen, er in das Rinnsal aus dem Wasserhahn griff und sie in das Rinnsal aus dem Wasserhahn griff, fast ein Handgemenge, im Halbdunkeln, ein wortloser Waschkampf, um die Sekrete des anderen unverzüglich aufzulösen, fortzuspülen, das Ganze, Ungeheure ungeschehen zu machen, genau das Gegenteil von dem, was im Moment geschah: eine Besiegelung im hellen Sonnenschein.
Es war eine Art Muß, wie es auch bei ihm und Irene vorkam, ein unausgesprochenes, jede Bewegung, sogar den Atem beherrschende Muß, ohne das diese Überlistung des Fortpflanzungstriebs offenbar nicht funktionierte, und als neben ihnen, auf dem Nachttisch das Telefon ging – gar nicht besonders laut, ja fast melodiös, aber eben unüberhörbar, mit der ganzen Würdelosigkeit es gewöhnlichen Zufalls, und Iffy wie eine Puppe die Augen aufschlug und er (sofort an Freuds dramatischste Fälle erinnert) sich förmlich fallen ließ, in den toten Winkel neben dem Bett, und Emilia gleichsam auf der Strecke blieb, blieb auch dieses Muß auf der Strecke. Er keuchte, und sie keuchte, während das Telefon immer noch läutete und Iffy zu weinen begann, eine komplette, unnötige Niederlage.
Emilia, schon eine Hand auf dem Hörer, bedeutete ihm daß er dieses Weinen sofort unterbinden müsse, und Kristian, schon in seine Hose geschlüpft, nahm die Kleine und das Stoffhündchen und eilte, gegen jede Vernunft, wie ein gestellter Verbrecher, auf den Balkkon. Es gelang ihm, Iffy zu beruhigen, sie krallte sich an das Hündchen, kein Zweifel auch, daß Emilia nicht mit irgendwem telefonierte. Ein beschwörender Wortschwall drang nach draußen, und plötzlich sah alles nach einem doppelten Ehebruch aus, so albern wie häßlich; auf Zehenspitzen kehrte er ins Zimmer zurück, und Emilia gab ihm Zeichen, daß es die richtige Gangart sei, um nun, am besten, zu verschwinden. Sie nickte nervös, spitzte zwischen zwei Sätzen die Lippen und winkte schließlich, als er schon im Flur stand, wie eine alte, die Menschen nur noch vom Hörensagen kennende Diva.
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Digitale Präsentation mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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