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Leseprobe
"Schöne Jacke", sagte K.
Der Jüngling lächelte und schwieg, der Aufzug fuhr an; K. spürte es, so wie man das Glück spürt: ihm wurde leicht. Die Jacke schätzte er auf tausend Mark. K. war auf dem Weg zu einem Geldverleiher.
"Und unbezahlbar, wie?"
Der Jüngling schwieg, der Aufzug stoppte. Doch stieg niemand zu, es war nach Büroschluß; aber der Geldverleiher, hieß es, wohne in seinem Büro. K. hatte die Adresse auf einem Empfang für die Künstler der Stadt aufgeschnappt. Er brauchte Geld, denn kein Theater nahm sich seiner Stücke an. Außerdem war Sommer, und man flanierte im Geschmack der Fünfzigerjahre, was ein Spiel war, bei dem er mitspielen wollte; in diesem Sommer verfiel K. der Manie, schön sein zu müssen.
Wieder hielt der Aufzug, jetzt im dreißigsten Stock, der Jüngling lächelte. Er sagte, wäre sie nicht bezahlbar, hätte er die Jacke wohl kaum, und trat in den Flur. Die Türen gingen lautlos zu, K. sah an sich herunter. Er trug einen hellbeigen Anzug, der allem, was die Mode verlangte, stumm widersprach; auf dem Sozialamt hatte sich der Anzug nicht bewährt. K. hatte ihn gewählt, um bei dem Geldverleiher keinen düsteren Eindruck zu machen. In der obersten Etag des Hochhauses gab es gegenüber den Liften nur eine einzige Tür. Die Tür war angelehnt. Er drückte sie soweit auf, daß er eintreten konnte und kam in einen weiten Raum. Er sah Glas und Aluminium, er sah eine Schreibtisch und Sessel; und es gab einen Safe und tropische Pflanzen in Kübeln, einen kleinen künstlichen Dschungel. Die bis an den Boden reichenden Glasfronten beschlossen den Raum von zwei Seiten, K. sah die Weite des Himmels. Er ging auf den Pflanzenwald zu, und eine Stimme fragte:
"Bist du schon da?"
(...)
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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