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Leseprobe
Personen
CLAUDE
stille Zeugin der Handlung; seltsam, aber genau.
JELENA
keineswegs jung, unbestimmt schön, Inhaberin eines kleinen Cafés; Claude's Mutter.
THOMAS
geht auf die Lebensmitte zu; Dokumentarfilmer ohne film, sogenannte Erscheinung; verheiratet.
MIRIAM
offen, jung, bedingungslos, studiert angeblich Ethnologie; Babysitterin von Thomas' spätem Kind.
HEKTOR
tall, dark and handsome; ein Regenschirmverkäufer.
Schauplatz
Jelenas kleines Café - das bequeme Mitteleuropa unserer Tage.
1.1
Ein kleines Allerweltscafé, Souterrain, drei Stufen zum Trottoir - in allem eine Mischung aus Persönlichem und Unpersönlichem. Im Hintergrund Musikbox, Telefon und eine Tür zu den Toiletten. Im Mittelgrund die Theke und der Zugang zu einem Privatraum. Vor der Theke ein Tisch mit zwei Stühlen und ein einzelner Barhocker. Zur Straße hin ein Fenster mit halbgeöffnetem Vorhand, daneben Videospiele. In einem toten Winkel zum übrigen Raum die Eingangstür; der Schlüssel steckt.
Neben dem Barhocker THOMAS, in hellem Regenmantel. Hinter der Theke JELENA, einen Wandspiegel putzend. Über eins der Videospiele gebeugt HEKTOR, bei sich seine gebündelte War. Es ist früher Nachmittag, stille Zeit - schließlich betritt CLAUDE das Café; JELENA unterbricht ihre Tätigkeit.
CLAUDE, in einer durchsichtigen Regenhaut, wirft JELENA über den Wandspiegel einen Blick zu; danach begibt sie sich auf einen nur für sie bedeutsamen Weg durch den Raum, wobei sie allem noch so Geringen, zum Beispiel einem Stück Papier auf dem Boden, ihre Aufmerksamkeit schenkt, nur nicht den anwesenden Personen - für THOMAS schwer zu ertragen: immer, wenn CLAUDE in seine Nähe kommt, drängt es ihn, sie anzusprechen; als sie den rückwärtigen Teil des Cafés erreicht hat, wendet sich THOMAS an JELENA.
THOMAS Diese Frau ist jeden Tag hier, und nie bestellt sie etwas.
JELENA Und das ist Ihnen unangenehm?
THOMAS Es sollte Ihnen unangenehm sein. Wirtschaftlich gesehen. Außerdem sagt sie kein Wort.
JELENA Das stört mich auch nicht.
THOMAS Sie kennen sie...
JELENA Sie heißt Claude.
THOMAS Claude... (deutlich in CLAUDE's Richtung) Claude!
JELENA Geben Sie sich keine Mühe.
THOMAS geht zum Fenster, sieht nach draußen.
THOMAS Wie spät ist es?
JELENA Gleich halb zwei. Also wird Ihre...
THOMAS Ich treffe mich hier nur zum Kaffeetrinken.
JELENA beendet das Spiegelputzen, räumt die Putzsachen weg.
JELENA Viermal in der Woche treffen Sie sich - zu einer Zeit, wenn ich das sagen darf, in der sich bloß Fanatiker der Liebe sehen - mit irgendeiner jungen Frau zum Kaffeetrinken.
THOMAS Miriam ist unsere Babysitterin.
JELENA Das hab ich gehört.
THOMAS Wir unterhalten uns. Über Filme... Das werden Sie dann auch gehört haben.
JELENA Wenn es sich nicht vermeiden ließ, ja.
THOMAS (geht zu den Videospielen) Wir sind manchmal etwas laut, das tut mir leid.
JELENA Es muß Ihnen nicht leidtun - wollen Sie schon Ihren Kaffee?
THOMAS Später.
JELENA Bittesehr.
JELENA holt ein dickes Buch unter der Theke hervor, schlägt es auf, liest darin. THOMAS beginnt zu spielen; HEKTOR sieht ihm etwas herablassend zu. CLAUDE zieht ihre Kreise. Agonie des frühen Nachmittags, bis MIRIAM - Wollmütze, grober Mantel, Laufschuhe - das Café betritt. MIRIAM macht eine Atemübung, als sei sie gerannt; THOMAS fährt herum.
MIRIAM Gerade noch bevor der Regen losgeht... Tag.
THOMAS (auf MIRIAM zugehend) Zweimal Kaffee dann.
JELENA Wie immer.
MIRIAM Wann begrüßt du mich?
THOMAS Hab ich das nicht?
MIRIAM Nein. Alles, was ich von dir verlange, ist, daß du mich begrüßt.
THOMAS Ich begrüße dich.
MIRIAM Hörst du... Jetzt regnet es. Und wie..
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des S. Fischer Theaterverlages sowie des Autors
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