Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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R e z e n s i o n e n
zu »Parlando«

Reise auf den Spuren des Vaters


Dortmund. "Ich bin, was ich erzähle, und ich bin es nicht", steht in roter Schrift auf dem T-Shirt von Bodo Kirchhoff. Darüber ("wie von Mozart im Fieber geschrieben") der Schriftzug "Parlando" - was übersetzt nichts weiter als erzählend heißt. Es ist der Titel von Kirchhoffs neuem Roman, mit dem ihm - elf Jahre nach seinem internationalen Erfolg "Infanta" - nun erneut ein wunderbares Sprach-Kunstwerk gelungen ist. In der Ich-Form erzählt er hier die Geschichte eines jungen Mannes, der in Gesprächen mit eienr Staatsanwältin sowie auf Reisen nach Marrakesch, Lissabon oder Buenos Aires versucht, sich vom viel zu jungen, erst kürzlich verstorbenen Vater zu lösen. Bis er am Ende schließlich mit eigener Stimme spricht und seine eigene Liebe findet. Dieser Mann heißt Karl Faller. Und fast möchte man glauben, er sei höchstselbst an disem Abend nach Dortmund gekommen. Denn Bodo Kirchhoff, im Rahmen der Reihe "Kultur im Tortenstück" (Veranstalter: Westfälische Rundschau, Harenberg-Verlag, Bücher Krüger) zu Gast im Ruhrgebiet, ist nicht nur ein hervorragender Erzähler, er ist auch ein exzellenter Vorleser. Ein Schriftsteller, der seine mitunter endlos erscheinenden Sätze genauestens kennt, der, wie er zugibt, bisweilen laut redet beim Schreiben und der beim Vortrag seiner Hauptfigur Gestalt gibt. So sieht der Zuhörer nicht mehr ihn, er sieht gleichsam Karl Faller: Zunächst als Kind, ds mit anhören muss, wie die Eltern sich streiten und der Vater eine Fledermaus qualvoll sterben lässt. Ein anderes Mal sehen wir Karl Faller als jungen Mann, der sich zum ersten Mal wirklich verliebt hat. Anrührend und zärtlich verbringt er die Nacht mit "seiner" Staatsanwältin Suse Stein. Sie weiß mehr über ihn als alle anderen Menschen hier. Zugleich fürchtet er sich vor ihrer Nähe. Schließlich zieht es ihn ein letztes Mal zurück in seine dörfliche Heimat, in die Kirche am Heiligen Abend, zu "meinem Rosettenfenster". Noch einmal begegnet er hier - in der Stunde zwischen Licht und Dunkelheit - seiner Mutter, die gerade erst 16 war, als sie ihn bekam. Doch Karl verschwindet, bevor sie ihn erkennt ... All das erzählt Karl Faller, während er auf Reisen ist. Denn er wandelt auf den Spuren seines Vaters, des einst berühmten Autors der "Stadtführer für Alleinreisende". Auch er selbst reist nun allein. Die zahlreichen Beschreibungen jener Gassen und Plätze (etwa in Lissabon oder Buenos Aires) lässt Kirchhoff in seiner Dortmunder Lesung jedoch weg. Man solle sie am besten selber lesen, sagt er geschäftstüchtig. Und er hat recht. Man sollte sich auf dieses Abenteuer Sprache einmal ganz allein einlassen.


Anja Luckas
in: Westfälische Rundschau, 12.12.2001.


Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung der Autorin
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