
Bodo Kirchhoff, kurz bevor er ein Urteil
sprechen wird
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Literatur mit Seeblick
Zweimal im Jahr öffnet der Schriftsteller
Bodo Kirchhoff sein Haus am Gardasee für ein Erzählseminar.
Ausgangspunkt aller Geschichten: der Lago
Text von Annette Rübesamen
Fotos von Bernd Jonkmanns
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»Das Wochenende
ging seinem Ende zu, und auf der gegenüberliegenden Fahrbahn herrschte
Stillstand. Mit Familien und Schlauchbooten vollgestopfte Kombis,
Wohnwagengespanne, Schwärme von Motorradfahrern stauten sich bis zur
Autobahn. Wo die nur alle herkamen? Von Badestränden und Freizeitparks
vermutlich; irgendwo hier links befand sich schließlich das südliche
Ende des Gardasees. Marianne zuckte die Achseln und fuhr weiter in
Richtung Norden, durch eine weite, belanglose Ebene, in der sich
Weinberge und Pappelhainen, Campingplätze und Tankstellen abwechselten.
Ihr Leben lang hatte sie den Gardasee gemieden. Auch jetzt hielt sich
ihr Interesse in Grenzen.
Wo war er
denn überhaupt? Sie riskierte einen schnellen Blick aus dem
Autofenster, über die träge wehenden Fahnen eines Campingplatzes
hinweg, aus dessen Einfahrt sich eben ein riesenhaftes Wohnmobil in den
stockenden Verkehr schob. Was sie sah, versetzte ihr einen Stich des
Erschreckens. Die gewaltige, blaugraue Fläche, die sich im diesigen
Nachmittagslicht auflöste, konnte unmöglich ein See sein. Ein See besaß
Grenzen. Nur Meere verschwammen mit der Unendlichkeit. Marianne war
verwirrt. So breit hatte sie sich den See nicht vorgestellt.«

Zum Schreiben gehört
Handwerkszeug.
Das Wichtigste: Kuli und Block
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"MOMENT",
unterbricht Bodo Kirchhoff. "Jetzt möchte man doch genauer wissen,
warum Marianne den Gardasee gemieden hat." Er sitzt in einem Korbstuhl
auf der Terrasee und hat die Beine in den hellen Baumwollhosen
übereinandergeschlagen. Von seinem Platz aus kann er, zwischen zwei
einander zugeneigten Olivenbäumen hindurch, über die rotbraunen
Ziegeldächer des Ortes Torri del Benaco hinweg, vorbei an der Kirche
mit ihrem Zwiebelturm, den Gardasee sehen. Ganz glatt liegt er da, ohne
Wellen. Am anderen Ufer, im Westen, steigen grüne Berge in die Höhe.
"Sie hat Vorurteile", sage ich. "Sie denkt, hier gebe es nur
Bustouristen und Surfer. Und den Bardolino in der Zwei-Liter-Flasche.
Dieses total touristische Italien, das man eigentlich nicht mag." Dann
erkläre ich, wie es in der Geschichte weitergehen soll: das Marianne
eine Freundin in deren Ferienhaus besucht und dort jemanden kennen
lernt, der mit den alten Klischees aufräumt.
"Wer möchte als Nächstes lesen?", fragt der berühmte Schriftsteller in
die achtköpfige Runde. Er ist Ende fünfzig und leicht gebräunt, trägt
das lichte, hellgraue Haar nach hinten gekämmt und wirkt erholt. Wir
dagegen sind angespannt und noch ein bisschen schüchtern. Es ist der
erste Tag unseres fünftägigen Schreibkurses; wir kennen uns gegenseitig
kaum und unseren Gastgeber nur aus einen Büchern. Doch nun sitzen wir
mit dem "prominenten Macho-Literaten" ("Focus"), laut "ELLE" auch
"Deutschlands bestaussehender Dichter", und seiner nicht weniger gut
aussehenden Frau auf der Terrasse ihres Ferienhauses, benutzen das
Badezimmer der beiden und kraulen die federleichte, graue
Terriermischung namens Romy. Der Kurs heißt "Die Kunst des Erzählens".
Wir können schreiben, worüber wir wollen. Einzige Bedingung: Beginnen
müssen unsere Geschichten in einem Haus am Gardasee.
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JEDEN MORGEN
wandern wir von unserem Hotelzimmer in Torri del Benaco den steinernen
Hohlweg zum zweistöckigen Haus mit Pool hinauf, in dem Bodo und Ulrike
Kirchhoff, die sonst mit ihren beiden Kindern in Frankfurt am Main
leben, seit zehn Jahren den Sommer verbringen. Bodo Kirchhoff erwartet
uns meist schon am Gartentor mit aufmunterndem Händedruck. Wir
verteilen uns auf unsere Lieblingsplätze, denn der Morgen beginnt stets
mit einer stillen Schreibstunde. Elke aus Potsdam dichtet in der
Weinlaube, die pensionierte Lehrerin Ute am Rand des Swimmingpools.
Barbara, die Schweizer Journalistin, bearbeitet ihren Laptop im
schattigen Arbeitszimmer des Hausherrn. Dieser wandert auf Zehenspitzen
herum und hilft weiter, wenn einer von uns stecken geblieben ist. Die
Atmosphäre ist still und konzentriert, nur manchmal klatscht eine
überreife Feige aus dem Blätterhimmel auf die Terrassenfliesen.
Herrlich ist es, so zu schreiben: eingetaucht in die warme Luft des
Südens und mit Blick auf den See. Die Kirchhoffs haben in ihrem
Wohnzimmer einen Fernseher stehen, den sie fast nie anschalten.
Stattdessen schauen sie auf den Gardasee. "Der ändert sein Programm
auch dauernd", sagt Ulrike Kirchhoff, die zierlich und mädchenhaft ist
und diejenige, die ihren Mann mit dem Gardasee überhaupt erst bekannt
gemacht hat. Ihre Eltern besaßen eine Ferienwohnung in Brenzone.
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»Auf der Höhe von Bardolino hatte sich das Meer zu einem See mit
sichtbarem Westufer verjüngt, und grüne Hügel rückten näher zum Wasser
hin. In Garda bog Marianne von der Uferstraße ab. Die Straße, die
hinauf nach Albisano führte, war nicht nur von Zypressen und Magnolien
gesäumt, sie war auch frisch asphaltiert. Der Mittelstreifen glänzte
schneeweiß. Und niemand parkte verbotenerweise am Straßenrand. Toll,
dachte Marianne, dieser zivilisierte, gezähmte Süden, in dem alles zu
funktionieren scheint. Anderswo in Italien musste man die subtropische
Prach immer gleich mit Anarchismus und Verfall bezahlen. Hinter
schmiedeeisernen Einfahrtstoren leuchteten Kieswege auf. Schnurgerade
Zypressenreihen führten zu frei stehenden Villen. An dieser Seeseite
hatten die wohlhabenden Veronesen ihre Wochenendhäuser, das wusste
Marianne von ihrer Chefin. Am anderen Ufer, zwischen Desenzano und
Gardone, saßen die aus Brescia.«
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| »Vom Gartentor
sah Gabis Feriendomizil aus, als könne es mit der italienischen
Konkurrenz mühelos mithalten: heller Naturstein und Sprossenfenster,
rankende Glyzinien und ein geschwungener Pool. Hinter silbrigen
Olivenzweigen glänzte noch silbriger der See. Eine Leiter lehnte an
einem Olivenbaum, zwei Männerbeine in Shorts standen darauf. Marianne
drückte auf die Klingel. Im Haus rührte sich nichts, doch die Beine auf
der Leiter gerieten in Bewegung. Der Mann kletterte die Sprossen
hinunter und ging Marianne entgegen. Er war vielleicht Mitte dreißig,
attraktiv und trug ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Trento Poetry Slam'.
- 'Marianne?', fragte er und riss das Tor auf. 'Sono Corrado.' Er
sprach ein langsames, deutliches Italienisch, das Marianne mühelos
verstand. Er war Gabis Gärtner. Gabi war nicht da. Gabi war heute früh
beim Rennradeln auf der Gardesana, der Uferstraße, gegen den Randstein
geknallt und lag jetzt mit Gehirnerschütterung und Halskrause im
Krankenhaus.« |
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"HALT, HALT, HALT,
HALT!", ruft Bodo aus dem Schatten unter den Bananenstauden
hervor. "Was heißt attraktiv? Darunter stellt sich doch jeder was
anderes vor. Du musst seine Attraktivität schon richtig beschreiben!"
Es ist der dritte Tag; wie jeden Tag haben wir uns im Garten
zusammengesetzt, und jeder liest vor, was er neu geschrieben hat. Elke
hat sich von ihrer Karnevalsgeschichte verabschiedet, die nicht in die
Gänge kam, und mit Schwung und Sachkenntnis in eine medierrane
Cybersex-Story gestürzt. In der Erzählung von Tony, dem einzigen
männlichen Kursteilnehmer, bahnt sich unter Zypressen ein so
arthritischer wie folgenschwerer Ehebruch unter Ruheständlern an.
Anneliese, die 70-jährige Konzertpianistin, liest von der Einsamkeit.
"Der sezierende Blick auf die eigene weiche Stelle, das ist ein guter
Ansatz", meint Bodo lobend. Wir kritzeln mit. "Wir können uns gar nicht
vorstellen, wie viele Schrottsätze in uns drinstecken!", ruft unser
preisgekrönter Schriftsteller, und es klingt tröstlich.
"Ganz wunderbar!", sagt er, wenn ihm ein Absatz gefällt; weniger gern
hören wir "ersatzlos streichen!". Und wenn er sich hineinkniet in
unsere Geschichten, neue Wege suggeriert und Ideen skizziert,
formuliert er so mitreißend, dass wir am liebsten aus seinem Mund
erfahren möchten, wie unsere Erzählungen weitergehen. Aber deshalb sind
wir ja nicht hergekommen.
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BEPACKT MIT
BADESACHEN, SCHREIBZEUG UND FOTOAPPARAT, sammeln wir uns
nachmittags in Torri del Benaco, wo das Wasser träge an die Hafenmauer
schwappt und Sommergäste auf Ruhebänken unter Platanen dösen. Eine
Kreuzfahrt im kirchhoffschen Motorboot steht auf dem Programm: Punta
San Vigilio, Badepause, Abendessen in Salò und auf der nächtlichen
Rückfahrt eine Lesung des Kursleiters. Wir klettern an Bord der
Parlando und setzen uns auf die kunstlederne Liegefläche. Bodo schiebt
eine CD in die Musikanlage. Romy rollt sich auf Ulrikes Schoß zusammen.
Wir tuckern los.

Kritikrunde in grünem Rahmen

Auch farblich ein Team:
Autorin Annette Rübesamen
und ihr Laptop
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»Vom Seeufer
drangen die kehligen Stimmen von Männern herauf, die der
Sonnenuntergang über der Bucht von Salò offenbar in Oktoberfeststimmung
versetzt hatte: 'He-ey Baby. ... uhh ... ahh ...' Corrado hielt
Marianne einen zerkratzten, weißen Helm hin. 'Statt uns unten in eine
Bar zu setzen' - er machte eine vage Kopfbewegung zum See hin - ,
'könnten wir in Albisano vorbeischauen. Da ist heute Abend Dorffest.'
Marianne nickte und schwang sich hinter ihn auf die Vespa. Es war nett
von Corrado, dass er sich um sie kümmerte, statt sie in Gabis
Gästezimmer ihrem Schicksal zu überlassen.
Das Dorffest fand auf einer Wiese neben dem Fußballplatz statt. An
Biertischen saßen Männer und Frauen vor Wasserflaschen und
Rotweinkaraffen. Unter den Bänken stromerten Hunde. Es gab eine
Bretterbühne, auf der eine fünfköpfige Combo altmodische Tanzweisen
spielte. Zur Band gehörte eine Frau in Abendkleid und langen, schwarzen
Handschuhen, die auf der Bühne im Takt vor- und zurücktrippelte, um das
Publikum zum Tanzen zu animieren. Corrado ging zu einem Militärzelt
hinüber, in dem Getränke verkauft wurden. 'Glas Wein 50 Cent', las
Marianne auf einem Schild. Das war ja richtig billig! Für die kleine
Kugel Zitroneneis, die sie sich heute Nachmittag in Bardolino geleistet
hatte, waren gleich 1,20 Euro fällig geworden; ein Betrag, der sich
höchstens mit der großen Nachfrage rechtfertigen ließ: Marianne hatte
in einer langen Schlange kurzbehoster Badegäste aus München, Budapest
und sonst woher anstehen müssen.
Hier dagegen hörte sich das Publikum sehr italienisch an, und auch der
Weißwein, der jetzt vor ihnen auf dem Tisch stand, schwappte in den
landestypischen Plastikbechern. 'Lugana', sagte Corrado stolz und
prostete Marianne zu. 'Gibt's nur am Gardasee. In der Gegend um
Peschiera am Südufer.' Der Wein schmeckte kräftiger, als sie erwartet
hatte Sie nahm einen weiteren Schluck und spürte, wie sie sich
entspannte. Der Abend duftete nach süßen, schweren Blüten, deren Namen
sie nicht kannte. Ach, Italien! Anders als Gabi war Corrado
erfreulicherweise echt italienisch; er war charmant, zitierte Dankte
und Carducci und verfasste, wenn sie es recht verstanden hatte, sogar
selbst Gedichte. Das war nicht schlecht für einen Hausmeister, oder was
machte er noch mal gleich zum Broterwerb? 'Gärtner', wiederholte
Corrado geduldig. 'Ach, deshalb die grünen Augen!', entgegnete Marianne
übermütig. Oben auf der Bühne warf sich die Eintänzerin mit dem
Mikrofon in Position. 'Signore e signori', rief sie aufmunternd in
Richtung der Biertische, 'mazurka!' Marianne setzte ihren Becher ab und
stand auf. 'Damenwahl', sagte sie und sah Corrado an.«
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»In gleichmäßigen Abständen klatschte der
Bug der Catullo auf das Wasser. Der Fahrtwind zerrte an Mariannes
Haaren. Corrado jagte den kleinen Außenborder mit Vollgas über das
Wasser, und sie war selig. Das Ostufer mit seinen dunkelgrünen
Zypressen, venezianischen Palazzi und mittelalterlichen Scaliger-Burgen
zog vorbei. Vor der Landspitze San Vigilio stoppte Corrado das Boot und
zeigte auf die verblassende Fassade einer Renaissance-Villa hinter
beschnittenen Hecken: 'Wie poetisch das ist', sagte Marianne. Kein
Wunder, dass der Gardasee so viele Dichter in seinen Bann gezogen
hatte. Corrado hatte ihr von Catull in Sirmione erzählt, von Dante auf
der Garda-Insel, vom größenwahnsinnigen Dichter-Dandy Gabriele
d'Annunzio in Gardone. Und von André Gide, der mit dem Vorsatz
angereist war, sich im Hotel GArdesana in Torri del Benaco umzubringen.
Hatte dann aber nicht geklappt, und es gefiel Marianne, sich
vorzustellen, dass der See schuld daran gewesen sein könnte, mit seiner
intensiven Schönheit.
Ein Motorboot bog um die Landspitze herum und schipperte in ihre
Richtung. Am Steuer stand ein schlanker Mann mit nacktem Oberkörper,
während sich am Heck ein Haufen Frauen drängte, die Badeanzug und
schwarze Sonnenbrille trugen. Bässe wummerten, und eine Fistelstimme
kreischte 'TNT .. dynamite', als das Boot an ihnen vorbeiglitt. 'Was
war das denn?', fragte Marianne überrascht. 'AC/DC', wusste Corrado,
und er kannte auch den Kapitän: ein weiterer Dichter, ein deutscher,
der den Gardasee liebte und hier zeitweise lebte. 'Der hat's
geschafft', sagte Corrado neidisch und blickte der Parlando hinterher.
'Ruhm, Kohle und Weiber.' Dann warf er Marianne einen Seitenblick zu.
'Nicht dass ich mich beklagen würde.'«
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TONY SCHNEIDET
SPECK FÜR SPAGHETTI CARBONARA, Annelore deckt den Tisch in der
Gartenlaube, Gisela wippt im Takt zu den alten Nummern von Adriano
Celentano, die Bodo vorhin aufgelegt hat. Auf der anderen Seite des
Pools rücken Bodo und Ulrike ein rundes Tischlein, einen Stuhl und eine
Lampe so lange hin und her, bis die beiden einander zugeneigten
Olivenbäume das Arrangement perfekt einrahmen. Nach dem Abendessen,
wenn wir den Franciacorta ausgetrunken haben, wird sich der Erste von
uns an den kleinen Tisch setzen und seine Erzählung vortragen. Über
sich den südlichen Nachthimmel, vor sich den Pool und dahinter die
Gruppe, still und aufmerksam auf der dunklen Terrasse. Wir sind alle
ziemlich aufgeregt.
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ZWISCHEN
BROMBEERRANKEN und
Trockenmauern sind wir steil hinaufgestiegen nach Campo, dem halb
verfallenen, alten Bauerndorf oberhalb von Brenzone und Schauplatz aus
Bodos Roman "Parlando", und Bodo hat uns die im Wald versteckte
Schlucht gezeigt, in die er die Eltern des Protagonisten hat stürzen
lassen. Jetzt sitzen wir auf ein paar Felsbrocken und schauen auf den
See tief unter uns, der im Licht des späten Nachmittags glänzt, als sei
eine dünne Zuckerschicht auf ihm erstarrt. "Der See", sagt Bodo in die
Stille hinein, "hat in vielen meiner Geschichten wie ein Katalysator
gewirkt oder wie ein Beschleuniger. Er hat die Dinge in Bewegung
gebracht."
Es ist der letzte Kurstag; nachher werden wir uns an der Uferpromenade
von Brenzone zum festlichen Abschiedsessen zusammensetzen. Vorher
müssen wir nur noch eine Aufgabe erledigen. "Schreibt einen schönen
Schlusssatz", sagt Bodo.
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»Zu Gabi ins
Krankenhaus von Riva fuhren sie mit dem Auto. Es war wie eine Reise in
eine andere Welt. Immer näher rückten die Ufer zusammen; steil und
steinig wuchsen sie in den Himmel, als wollten sie den südlichen Himmel
ausschließen. Der See leuchtete eisblau. Das zwischen die Felsen
gequetschte, schattige Städtchen Riva, wo die Windsurfer in
Neoprenanzug eben ihre bunten Segel an den Kiesstrand trugen, kam
Marianne beinahe unheimlich vor. 'Trentino', sagte Corrado kurz
angebunden und fütterte den Parkautomaten mit Kleingeld. Wie sehr er
und der Gardasee sich doch ähnelten. Schroffheit und Liebenswürdigkeit
verbanden sich in ihnen, der Norden mit dem Süden, erdige Bodenhaftung
mit der spielerischen Unverbindlichkeit des Wassers.« |
| »Marianne winkte
aus dem Autofenster, bis sich eine Zypresse vor Corrados Figur schob.
Die untergehende Sonne färbte den See in den Farben des Flieders. Neben
ihr auf dem Beifahrersitz lag ein verschlossener Umschlag mit ihrem
Namen darauf. Corrados Gedichte, vermutete sie. Er hatte ein so
feierliches Gesicht gemacht. Marianne seufzte tief und packte das
Lenkrad fester an. Die Landstraße lag frei vor ihr.« |
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in: ADAC-Reisemagazin "Italienische Seen", März/April 2007.
http://www.adac.de/reisemagazin
Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung des
ADAC-Reisemagazins
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