Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
Petra Kammann:  Heimweh nach der Fremde

Heimweh nach der Fremde


P.K.: Warum wohnen Sie mit Ihrer Familie am Gardasee, obwohl Sie ein deutscher Schriftsteller sind und deutsch schreiben?

B.K.: Da ich zeitweise am Bodensee aufgewachsen bin, waren Seen für mich immer schon ganz wichtig. Mir gefällt die gestaffelte Landschaft am See und vor allem die Weite. Vom Blick auf den See, von der Schönheit, von der Perspektive ist das hier also sicher der Ort, an dem ich mich wohlfühle. Auch meine Frau und die Kinder fühlen sich hier sehr wohl. Ich würde hier zwar nicht gerne das ganze Jahr, aber den größeren Teil des Jahres leben, denn ich brauche auch die Stadt. Die Trennung zwischen Arbeit und Nicht-Arbeit, zwischen Stadt und Land. Frankfurt ist inzwischen nicht mehr die ideale Stadt für mich.

P.K.: Frankfurt stellt sich als Ort der politischen Bildung und Sozialerfahrung, wie der "Unwirtlichkeit" dar. Wie ist Ihr Verhältnis zu Frankfurt heute?

B.K.: Nach einer gewissen Zeit kann man - wie auch in einer Beziehung - nicht einfach den Ort abtun, in dem man jahrelang lebt. Frankfurt ist für mich ein großer Transitbereich, in dem ich mich aber sehr lange aufgehalten und beobachtet und lieben gelernt habe, wenn das Wort dafür richtig ist.

P.K.: In zwei Sprachen leben wie auch an zwei Orten leben bedeutet immer auch, dass man sich von sich entfernt, in die Fremde geht.

B.K.: Das spielt in meiner Arbeit ohnehin immer eine Rolle. Das In-die-Fremde-Gehen ist kein Schaden. Es bedeutet eine erhöhte Konzentration. Es erfordert eine andere Anstrengung, eine andere Aufmerksamkeit vor allen Dingen, sich woanders in irgendeiner Form ein Stück Heimat zu schaffen. Und es erhöht auch die Empfindsamkeit für das, was um einen herum geschieht. Das schärft die Sinne und tut dem Schreiben gut.

(...)

Petra Kammann
in: Buchjournal. 2001
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