Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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R e z e n s i o n e n
zu »Die kleine Garbo«

Verlierer und Glückskind im Winterwald
"Die kleine Garbo" von Bodo Kirchhoff

Viele wissen über Bodo Kirchhoff einiges. Dass er im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen lebt und früher gerne durchs Bahnhofsviertel flaniert ist. Über das er seine ersten Bücher geschrieben hat. Dass er den Gardasee liebt, seinen zweiten Wohnsitz. Und dass ihn die "Bild" man als schönsten Schriftsteller des Landes bezeichnet hat. Jury-Sprecher des Deutschen Buchpreises war er auch. Und seinen TV-Büchertalk "Parlando" musste der Hessische Rundfunk einstellen, weil die Quote nicht hoch genug war. Erfolgreicher in der Publikumsgunst waren da schon seine Drehbücher für "Die Kommissarin", aber auch fürs Kino.

Früher hat Bodo Kirchhoff für den Suhrkamp-Verlag geschrieben, bei dem ihm mit dem Bestseller "Infanta" der große Durchbruch geglückt ist. Doch sein bester Freund war nicht Suhrkamp-Chef Siegfried Unseld, sondern dessen Sohn Joachim Unseld, der die Frankfurter Verlagsanstalt betreibt, wo Bodo Kirchhoff seinen großen Roman "Parlando" veröffentlichte. Auf die Bestsellerliste vorgestoßen ist er aber erst wieder mit dem Krimi "Schundroman", der den Werbe-Effekt von Martin Walsers Skandal-Roman "Tod eines Kritikes" geschickt nutzte. Kurz gesagt: Bodo Kirchhoff ist ein erfolgreicher Schriftsteller, ein virtuoser Sprachkünstler, der dem Abenteuer philosophischen Tiefgang schenkt.

Nun allerdings scheint so manchem eingefleischten Kirchhoff-Fan der Zugang zu fehlen zum neuesten Werk "Die kleine Garbo", das wohlwollend als "modernes Märchen" bezeichnet wird, als "Mediensatire" oder auch als "toller Schundroman". Es ist nicht so, dass Kirchhoff in diesem buch Formschwäch an den Tag legt oder gar Einfallslosigkeit demonstriert. Nur ist einem wohl Hoederer, ein "Alt-68er", Bankräuber und Mörder, weniger sympathisch als Kirchhoffs frühere Hauptfiguren. Und Malu, sein Entführungs-Opfer, das Engelsflügel trägt und schon als Zwölfjährige ein Fernseh-Star ist, erst recht. Auf der Flucht vor der Polizei und dem überdrehten Filmteam, das vom Reality-TV-Coup träumt, kommen sich beide in ihren Gesprächen näher, obwohl Hoederer ein hohes Lösegeld für Malu fordert und der Winter streng ist. Dabei prallt das Schicksal des Verlierers auf das des Glückskindes, dem alles stets in den Schoß gefallen ist. Und es wird immer deutlicher, dass im Angesicht des Todes das richtige und falsche Leben kaum noch zu unterscheiden sind. Ein kurzweiliger Lesespaß für alle, die spannende und rührselige Märchen im Winterwald mögen.

Wer das alte Kirchhoff-Gefühl sucht, sollte indes auf den Februar 2007 warten. Dann erscheint "Der Prinzipal", eine Novelle, die wieder am Gardasee spielt, wo der Schriftsteller bisher seine besten Plots angesiedelt hat..


Michael Humboldt
in: Gießener Allgemeine, 16.12.2006.


Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung der Autors
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