Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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börsenblatt 17-2005
Foto: Alexander Beck

Bodo Kirchhoff: »Das von der Jury prämierte Buch ist der wichtigste
deutschsprachige Roman des Jahres«


Deutscher Buchpreis

Bewerbung: Verlage aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben 124 Titel vorgeschlagen; jeder Verlag konnte höchstens zwei Titel einreichen; Einsendeschluss war der
9. April 2005.
Jury: Verena Auffermann, Klaus Bittner, Volker Hage, Wolfgang Herles, Bodo Kirchhoff (Sprecher), Armin Thurnher, Juli Zeh.
Auswahl: Im August wird die Jury eine Longlist mit ihren 20 Favoriten präsentieren, sechs davon gelangen in die engere Wahl.
Die Shortlist wird im September veröffentlicht.
Der Sieger wird am Montag vor der Buchmesse bekanntgegeben.


G e s p r ä c h e
Holger Heimann: "Der Preis ist eine Ermutigung"

»Der Preis ist eine Ermutigung«
Deutscher Buchpreis
Rückenwind für die Gattung Roman: Das verspricht sich der frisch gekürte
Jurysprecher Bodo Kirchhoff. Ein Interview.


Was hat den Ausschlag für Ihre Wahl zum Jurysprecher gegeben?

Kirchhoff: Ich habe mich seit langem sehr für diesen Preis engagiert und mich auch bereit erklärt, Sprecher der Jury zu sein.

Warum ist Ihnen der Preis so wichtig?

Kirchhoff: Ich bin davon überzeugt,dass nur eine Auszeichnung, die die Kraft des Prix Goncourt oder des Booker Prize hat, wieder dazu führt, dass ein deutschsprachiger Roman in den Rang kommen kann, der ihm gattungshalber zusteht – als konkurrenzlose Möglichkeit, Einblick in das zu nehmen, was andere denken und empfinden. Das Buch, dasdie Jury kürt, ist der wichtigste deutschsprachige Roman des Jahres.Von diesem starken Votum verspreche ich mir, dass wieder sehr viel mehr Menschen bereit sind, ein Buch zu lesen, das ihnen nicht vom ersten Moment an wie Butter heruntergeht.

Hat es nicht auch mit der deutschen Literatur selbst zu tun, also mit einer gewissen Sprödigkeit im Vergleich etwa zum angelsächsischen Erzählen, dass die Menschen sich weniger auf hiesige anspruchsvolle Bücher einlassen wollen?

Kirchhoff: In der angelsächsischen Literatur gibt es Autoren, die Brückenbauer sind: Sie schreiben einerseits sehr lesbar, andererseits auf einem hohen Niveau. Das hat dazu geführt, dass das Vertrauen in diese Literatur insgesamt größer ist. Bei uns ist es eher so, dass die einzelnen Autoren etwas spröder sind und diejenigen, die populärer schreiben, für die Literatur nichts tun können. Ich glaube, der Deutsche Buchpreis kann das Entstehen guter Romane fördern, die einerseits literarisch ambitioniert sind und andererseits erzählerisch genug Kraft entfalten, um Leser zu fesseln und davon zu überzeugen, dass es sich lohnt, einen Roman zu lesen. Dieser Preis ist eine Ermutigung – für die Autoren und die Leser.

Von den Verlagen wurden 124 Romane eingeschickt. So viele Bücher können Sie unmöglich lesen ...

Kirchhoff: Man kann ein Auge dafür bekommen, welches Buch Substanz hat, ohne es von vorn
bis hinten zu lesen. Insofern glaube ich, dass die Jury die Menge bewältigen kann. Viel schwieriger wird die Endauswahl.

Wie oft trifft sich die Jury, wie geht die Diskussion vonstatten?

Kirchhoff: Jeder hat einen Packen Texte mit nach Hause genommen. Wir telefonieren miteinander und versuchen in einem ersten Anlauf zu bestimmen, was einer genaueren Prüfung wert ist. Dann werden wir Punkte für die verbleibenden Bücher vergeben, um die 25 bis 30 interessantesten Texte herauszufinden. Alle Jurymitglieder kennen Menschen, die mit Büchern zu tun haben und Tipps geben können. Jeder hat seine Fühler und jeder muss sie ausstrecken. Ich bin davon überzeugt, dass kein Buch, das interessant ist, untergehen wird.

Wer ist Ihr Favorit?

Kirchhoff: Ich habe noch keinen. Doch selbst wenn es anders wäre, würde ich Ihnen keinen Namen nennen.


Holger Heimann
in: börsenblatt. 17/2005
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Digitale Präsentation mit freundlicher Genehmigung des Autors
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