Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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G e s p r ä c h e
Kirsten von Hagen: Ich benutze die Sprache gegen die Flut der Bilder

"Ich benutze die Sprache gegen die Flut der Bilder"


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K.v.H.: Nun schreiben Sie selbst auch fürs Fernsehen, haben z.B. das Drehbuch für den Fernsehfilm "Manila" geschrieben. Könnten Sie sich eine Verfilmung von "Infanta" oder "Parlando" vorstellen?

B.K.: Wenn man für "Parlando" ein Treatment schreiben würde (was ich nie gemacht habe), würde sehr schnell deutlich werden, dass sich die Dinge - als Plot formuliert - in völlig anderer Weise darstellen als im Roman. Denn die Geschichten sind eingebaut in einen Erzählton, ohne den sie ihren Gehalt verlieren. Wenn zum Beispiel wie in "Parlando" jemand erschlagen wird - etwas, das nicht wirklich passiert - dann ist das ohne das Erzählen undenkbar. Und in dem Fall würde ich einem Film nicht zustimmen, der diese Szene darstellt. Wenn jemand auf die Idee kommen sollte, einen meiner Romane zu verfilmen, dann müsste er das in Form einer Erzählung tun - weil ich sowieso viel vom Erzählen im Film halte. Auch in "Manila" ist das so.

K.v.H.: Wie finden Sie zum Gestus Ihres Erzählens?

B.K.: Die Sprache ist der geheime Held des Buches. Innerhalb der beiden Generationen, dich ich in "Parlando" darstelle, ist die Sprache das große Paroli. Man existiert nur über die Sprache und das Erzählen. Ins Fernsehen übersetzt, heißt das: Der erzählt und der findet sich am Ende selbst. Der hat es geschafft. In der Literatur findet der Held durch die Sprache seinen Punkt, gefährdet ihn aber gleichzeitig wieder. Das deutlich zu machen, kann nur die Literatur. Darin ist sie einzigartig. Und deshalb halte ich an ihr fest.

K.v.H.: Es gibt in "Parlando" Szenen, so z.B. die Jagd nach einer Fledermaus in einem engen Hotelzimmer in Italien, die sich für eine filmische Umsetzung scheinbar aufdrängen, die aber wahrscheinlich ins Banale abrutschen würde, wollte man sie auf die Leinwand oder auf den Bildschirm bannen. Wo liegen die Grenzen zwischen den Medien?

B.K.: Mein Bestreben ist mit Worten mehr zu erreichen als der Film mit seiner Bilderflut. Wenn das gelingt, dann bin ich glücklich und dann will ich natürlich, dass ein solcher Text seine Leser findet. Nicht, dass ich auf einen Erfolg spekuliere, aber ich ärgere mich darüber, dass die wenigen Plätze auf der Bestsellerliste von austauschbaren Literaten besetzt und verstopft werden. Und ich freue mich über jedes literarische Buch, das Erfolg hat. Weil jedes literarische Buch, das Erfolg hat, auch eine Breche für mich schlägt.

Kirsten von Hagen
in: buchreport/magazin. Juni 2001. S. 88-93
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