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Leseprobe
Nichts fällt mir in den Schoß. Ich sitze in einer Ecke des Schauspielcafés, zur Klugscheißerstunde, nach der Abendvorstellung, wo es dort von Musterfällen wimmelt, und lese. Lese in einem Taschenbuch über einen Mörder und warte auf die Sahne, die der Kellner vergaß, als er mir den Apfelkuchen brachte. Der Apfelkuchen steht vor mir und lockt. Ich lege die Lektüre beiseite, schaue einem Vorbeigehenden ins Gesicht, in irreführende Züge vermutlich, und beginne mit dem Verzehr. Der Kuchen hat Geschmack, und so frage ich mich, ob dieser unverzögerte Genuß womöglich einträglicher ist als ein Aufschub, an dessen Ende dann der Sahnezuschlag steht; am schlimmsten ist mir nach wie vor das Unerträgliche.
Ich lehne mich zurück und versuche, durch Menschenstudien den kritischen Zeitraum zwischen dem bloßen Stück Kuchen und dem eigentlichen Apfelkuchen mit Sahne zu füllen. Mir schräg gegenüber, auf einem roten Sofa, zwei plappernde Schauspieler. Ich nehme noch einen Bissen und schnappe auf. Die Rede ist von einem Regisseur, seinen Möglichkeiten, Zutritt zu verschaffen. Plötzlich der Kellner. Ich rufe: Hallo! und gebe ihm ein Zeichen, das heißen soll: Wo bleibt die Sahne..., und der Kellner nickt, und ich genehmige mir noch ein Häppchen. Lausche wieder hinüber und vernehme einen anderen Namen, für den man wohl den ersten ausgewechselt hat. Auch dies ein großer Regisseur, dem beide sich verbunden fühlen, wie es scheint.
Den Tortenboden mag ich gar nicht. Im Grunde hasse ich dieses Café. Wo ich hinsehe, zwischen Topfpflanzen, Plüsch und exotischen Kellnern, Zeichen heimlicher Verwandtschaft; wo ich hinhöre, zwischen immer gleicher Bandmusik, Namen über Namen: Eigennamen, Ortsnamen, Kosenamen, Spitznamen, Künstlernamen und so weiter. Nichts Überraschendes. Einschließlich der Faxen alles aufeinander abgestimmt. Nirgends etwas Skandalöses, alles gemäßigt.
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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