|
Autoren: Margaret Atwood, Maeve Binchy, J.M. Coetzee, Stephen King, Nick Hornby, Ian McEwan, Joanna Trollope, Scott Turow, Reinhard Jirgl, Bodo Kirchhoff, Michael Krüger, Katja Lange-Müller, Frank Schätzing, Ingo Schulze, Zeruya Shalev, Banana Yoshimoto, Martin Suter, Martin Walser und Brigitte Kronauer
Der Verlag über das Buch
Die Tsunami-Katastrophe vom 26. Dezember 2004 hat ein unüberschaubares Feld der Verwüstung hinterlassen und unendlich viel Leid über die Menschen der betroffenen Regionen gebracht. Schon einige Tage danach hatte der englische Literaturagent Jonny Geller die Idee, namhafte Autoren um unveröffentlichte Romananfänge oder -auszüge zu bitten, diese in einem Buch zusammenzufassen und alle Einnahmen aus dem Verkauf dieses Buches als Spende zur Verfügung zu stellen. |
|
|
P u b l i k a t i o n e n
|
|
 |
Der Sommer nach dem Jahrhundertsommer
in Ein neuer Anfang
Berliner Taschenbuch Verlag
Berlin, März 2005
255 Seiten
ISBN 3-8333-0330-1
[ Bestellen ] |
|
|
Leseprobe
Die seien abends gekommen, erzählte er, während sie unten im Ort gegessen hätten, wahrscheinlich eine Sache von Minuten und ohne Spuren zu hinterlassen, jedenfalls nicht auf den ersten Blick, die einzigen Hinweise: seine verschwundene Uhr, eine alte Reverso, und eine Waffe, die nicht da lag, wo sie hingehörte, sondern unter dem Sessel versteckt war, in dem er vormittags seine Sachen schrieb, eine noch ältere 38er, die er schon einmal, zum Spaß, auf mich gerichtet hatte.
Meine Uhr ist weg! soll er gleich morgens, noch vor dem Öffnen der Fensterläden, gerufen haben, und Dora war auf der Stelle seine Gegnerin in dieser Angelegenheit, die sie für Einbildung hielt. Erst spät am Abend, als schon fast alles zu spät war, sie sich angeschrien hatten und er verschwinden wollte, für immer, sahen sie die Spuren im oberen Holzrahmen der Außentür zur Cantina: Da hatte wer mit einer Stange die Verriegelung heruntergedrückt. Das war am Beginn des Sommers, bevor das große Unwetter kam, ein Hagelsturm, der in Minuten dem Garten und seinem Boot ein neues Gesicht gab; und bevor sein sechsundfünfzigjähriges Herz, angeblich, verrückt zu spielen begann und er mir auch sonst noch alles mögliche anvertraut hat.
Seine Uhr war also weg, nur noch der helle Streif am Handgelenk war ihm geblieben, und er hatte die Uhr geliebt, kann man sagen, sie war ein Stück von ihm, ein Stück der Überhäufung mit sich, so sehr, daß er erst damit anfing, sich überhaupt klar zu sehen; natürlich war sie schön gewesen, eine ganz und gar ästhetische, wertvolle Uhr, sein Schmerz über den Verlust war wie ein Gegenbeweis für die verbreitete Ansicht, daß die Liebe zwischen zwei Menschen der tiefste ästhetische Moment im Leben sei, aber wenn das schon mit einer Uhr funktionierte, konnte man solchen Momenten auch mit Mißtrauen begegnen. Und mit einiger Sicherheit hatte das Dora bei seinem Schrei am Morgen, Meine Uhr ist weg!, als einzige oder wahre Botschaft herausgehört.
(...)
-----------------------------------------------------
Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
|
|
[ Rezensionen ] [ zurück ]
|
|
|
|

|
|
|
|
|