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ALDO (leise, mit Blick auf Mercys Kleid)
Warum hast du dich umgezogen?
MERCY (leise)
Weil ich mir so mehr gefalle.
BRAUSEN (ins Handy)
Ich weiß, daß sich dadurch alles ändert, Matzek, aber du wirst es schon lernen - denk an deinen Porsche und lern es.
(sieht Mercy, tritt zu ihr, nimmt das Weinglas)
Ja. Die Boxszene bleibt. Und darfst auch sagen: Noch ein Wort, Kleiner, und ich misch dich auf! Also sei zufrieden. Ende.
(trinkt einen Schluck, wendet sich Mercy zu)
Danke.
MERCY
Your are welcome.
BRAUSEN (betrachtet Mercy)
Sie sehen wunderbar aus. Darf ich Sie etwas fragen? - Würden Sie mich, während Ihr Mann nachher arbeitet - im Schlafzimmer, nehme ich an -, in meinem Wagen schnell nach Hause begleiten, damit ich meine Scheckkarte holen kann, und mir danach den Automaten zeigen, neben diesem Hotel?
ALDO
Mercy muß sich um den Fisch kümmern.
MERCY
Es ist alles vorbereitet.
BRAUSEN
Das heißt, Sie hätten Zeit?
MERCY
Ich werde Sie zum Automaten bringen.
ALDO
Er ist am Ende der Straße, nicht zu verfehlen.
MERCY (halblaut zu Aldo)
Ich möchte nicht unhöflich sein ...
BRAUSEN (zu Aldo - zu Mercy)
Das muß man respektieren. Sie ... stammen ...
MERCY
Aus Mindanao.
BRAUSEN
Aha.
(leert das Glas, reicht es Mercy)
Sehr schön.
MERCY
Nein, dort ist Bürgerkrieg. Wünschen Sie noch ein Glas?
BRAUSEN
Vielleicht später - einen Whisky - ohne alles.
ALDO (zu Mercy)
Du kannst dann schon ein Bad einlassen.
MERCY (leise zu Aldo, im Gehen)
Dont' worry.
BRAUSEN (nachdem Mercy gegangen ist)
Reizend. Und klug - ich hatte mal eine Filipina, wie man ja sagt, als Opfer. Prostituiertensache.
ALDO
Mercy ist keine Prostituierte.
BRAUSEN
Natürlich nicht. Ingrid sagte auch: Ich gehe dort hin ... wie zum Friseur.
ALDO
Ich bin kein Friseur.
BRAUSEN
Sie hat das auch bildlich gemeint.
Wenn Sie verstehen.
(betrachtet Aldo)
Andererseits - sollten Sie schon irgend etwas Vertrautes ausstrahlen. Finden Sie nicht?
ALDO
Der Mann, der überwältigt, darf nichts Vertrautes an sich haben.
BRAUSEN (setzt sich wieder)
Das nenn ich Erfahrung.
Aber ... achten Sie wenigstens etwas auf die Zeit. Ingrid ist es gewohnt ... oder war gewohnt ... nach dem Abendfilm diese Dinge zu tun. Das heißt gegen viertel vor zehn.
Ich nehme an, Sie besitzen eine genaue Uhr, Aldo. Oder eine schöne Uhr ...
Eine genaue Uhr ist lebenswichtig - die meisten Ehekonflikte lassen sich damit vermeiden. Am besten natürlich eine genaue u n d schöne Uhr, was selten ist. Genau sind ja heute alle Uhren.
ALDO
Tatsächlich?
BRAUSEN
Schon für zwei Dollar gibt es die genaueste Zeit.
(berührt seine Uhr, die noch auf dem Tisch liegt)
Selbstverständlich können Sie die hier benützen, damit hätten Sie auch gleich ein vertrautes Element. Ein Stück Schweiz ...
Ich möchte jedenfalls - oder habe mich damit abgefunden -, daß meine Frau in dieser Wohnung nachher, um viertel vor zehn, einen Orgasmus erlebt, ebenso pünktlich und ebenso schön wie meine Uhr hier auf dem Tisch ... sozusagen einen Schweizer Orgasmus. Können Sie sich das vorstellen?
MERCY (aus einem entfernten Raum)
Aldo?!
ALDO (nach draußen)
Ja?!
MERCY (von draußen)
Telefon!
ALDO (zu Brausen)
Sie entschuldigen mich.
(verläßt das Zimmer)
Brausen steht auf - er geht umher, geht zu dem Schrank, öffnet eine der Laden, sieht hinein - Mercy erscheint in der Tür, in der Hand ein Glas Whisky; Brausen hört etwas: und kann noch die Lade schließen, aber nicht vollständig.
BRAUSEN (mit dem Rücken zur Tür)
Schon zurück?
MERCY (leise)
Ich bin es.
BRAUSEN (dreht sich um)
Mercy ...
Welche Freude.
MERCY (tritt auf Brausen zu)
Kommt der Whisky zu früh?
BRAUSEN (will auf seine Uhr schauen)
Nein ... Ganz und gar nicht. Wie aufmerksam.
MERCY (reicht Brausen das Glas)
Ohne alles. Wie Sie es wollten.
(geht zu dem Schrank, schließt die Lade ganz)
BRAUSEN (mit Blick auf die Lade)
Ich bin ein neugierigen Mensch ...
MERCY
Wer ist das nicht?
BRAUSEN
Mercy ... Sie bauen mir eine Brücke ...
(deutet auf einen Stuhl)
Setzen Sie sich doch.
MERCY (setzt sich)
Danke.
BRAUSEN (trinkt einen Schluck)
Guter Whisky.
MERCY
Malt.
BRAUSEN
Sie kennen sich aus.
MERCY
Ich war mal in einem Lokal.
BRAUSEN
In einer Bar?
(sieht Mercy den Kopf schütteln)
Ich dachte: in einer Bar.
Ich hatte mal eine ... aus Ihrer Ecke ... als blinde Spur, die hat in einer Bar gearbeitet.
MERCY
Nicht alle bei uns arbeiten in einer Bar.
BRAUSEN
Natürlich - bei uns arbeiten auch nicht alle in einer Bar. Aber manche ...
Sie lieben Ihr Land, Mercy, das ist normal.
MERCY
Ich liebe mein Land nicht.
BRAUSEN
Sie lieben Ihr Land nicht?
MERCY
Es geht dort sehr ungerecht zu.
BRAUSEN
Auch bei uns, Mercy - das ist das Leben selbst.
MERCY
Mein Land ... ist ein Chaos.
Wegen der Demokratie.
BRAUSEN
Die ganze Welt ist ein Chaos.
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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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