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ALDO
Meine Mutter kommt aus Verona.
BRAUSEN
Dann waren Sie bestimmt schon in der Arena, haben den Chor der Gefangenen gehört ...
(summt die berühmte Stelle aus Verdis Oper)
Das kennen Sie doch.
ALDO
Nein. Ich war noch nie in der Arena.
BRAUSEN
Trotzdem sollte man es kennen. Der Chor der Gefangenen ... die Arena von Verona, das ist Energie. Und man kann nicht genug Energie haben. In meinem Gewerbe. Sicher: in Ihrem auch.
ALDO
Ich komme zurecht.
BRAUSEN
Weil Sie nicht diese Auseinandersetzungen haben. Mit kleinen, mageren Redakteurinnen. Meine Energie ... kann nicht groß genug sein. Sie ist mein Kapital. Ich hoffe, ich überfahr Sie nicht damit.
ALDO
Zuviel Energie ... hat mein Bedauern.
BRAUSEN (knapp)
Achso?
ALDO (schaut auf Brausens Uhr)
Ja. Ihre Zeit läuft ...
Wenn es noch etwas zu sagen gibt ...
BRAUSEN (tritt hinter Aldo)
Was ist eigentlich I h r Kapital? - Verstehen Sie etwas von Frauen? Mehr als unsereins?
ALDO
Ein richtiger Seemann kann nicht schwimmen.
(nach einem ungläubigen Blick von Brausen)
Ich werde mich Ihrer Frau hingeben. S i e soll glücklich sein.
BRAUSEN
Von Glück war nicht die Rede.
ALDO
Ich biete auch das Gewöhnliche.
Wenn es die Situation verlangt.
BRAUSEN (tritt wieder ans Fenster)
Sie wird es verlangen.
ALDO
Das muß sich zeigen.
BRAUSEN
Ich kenne Ingrid.
ALDO
Sie könnte ihre Wünsche ändern.
BRAUSEN
Sehr unwahrscheinlich.
Sie w i l l das Gewöhnliche.
ALDO
Aber vielleicht nicht auf gewöhnliche Weise.
Es geht hier um Ihre F r a u .
BRAUSEN
Nur daß i c h bezahle.
ALDO
Bisher noch nicht.
BRAUSEN
Ich sagte: Ich hole das Geld. Ihr Hausmädchen ...
ALDO (unterbrechend)
Mercedes ist m e i n e Frau.
BRAUSEN (kurz erstaunt)
Ihre Frau ... Gratuliere. Dann ... wird's eben Ihre Frau sein ... die mir den Weg zum Automaten zeigt. Sobald ich meine Karte geholt habe.
Sie könnte auch gleich mit mir fahren - bestimmt ist sie noch nie in einem Jaguar gesessen.
Er hat Airbags, keine Sorge.
ALDO
Und so ein schönes Kennzeichen.
BRAUSEN
NS - E B - 3. Nicht ganz billig. Leben Sie gern in Neustadt? Ich durchaus. Gute Autobahnanbindung, das zählt. Aber treibt die Preise - ich habe gerade gebaut, zu teuer natürlich - ich brauche einen Extratoten, ich meine, eine Folge mehr - mit einem Ausnahmemotiv. Das alles für ein Häuschen, in einer haßerfüllten kleinen Stadt, um ehrlich zu sein. Mit Hinterland, muß man sagen - kennen Sie den Schmandtsee? Ganz hübsch.
ALDO
Ich weiß nicht, ob Mercy sie begleiten sollte ...
BRAUSEN (lachend)
Sehr einfach: Wir werden sie fragen.
Oder vertrauen Sie mir nicht?
ALDO
Vertrauen Sie mir?
BRAUSEN
Dazu schauen Sie zu gut aus.
(sieht Aldo ins Gesicht)
Sie haben ... sehr schöne Augen.
Und einen schönen Mund.
(halb im Ernst)
Wie kann ein gewöhnlichen Mensch hoffen ... Sie zu interessieren - ohne Geld.
(schaut in die Scheiben des Gläserschranks)
Ich habe mir oft vorgestellt, anziehend zu sein. Auf eine ganz einfache, ordinäre Weise. Ein gutes Gebiß, Pferdeaugen, schwarzes Haar ... Was man sich nachts so ausdenkt - erst kürzlich fiel mir eine ganze Serie ein, sie spielte am Meer. Aber nächtliche Gedanken erweisen sich am anderen Vormittag meistens als nicht sehr stichhaltig.
ALDO
Manche meiner Kundinnen schwören auf die Wachheit des Vormittags - nach Frühstück und Toilette.
BRAUSEN (setzt sich)
Das ist Ihre Sache. Kommen wir wieder auf Ingrid. Sie hatte früher schlechte Zähne. Jetzt hat sie die besten. Hollywoodzähne. Sie haben mich ein Vermögen gekostet.
ALDO
Ist Ingrid schön?
BRAUSEN
Ja, durchaus - eine reizvolle Frau. Apart, sagt man wohl. Ingrid ist apart. Und zufrieden mit ihren Zähnen. Ich gebe ihr so wenig Grund zum Klagen wie möglich. Ich ertrage ihr Gejammer nicht. Nie bist du da. Und wenn du da bist, bist du müde, ein Wrack ... Sowas muß ich mir anhören, nach einer Woche zwischen München, Hamburg und Berlin, mit kleinen mageren Radakteurinnen, die an allem herummäkeln.
ALDO
Sie vertragen keine Kritik.
BRAUSEN
Ich bin es nur leid, die Dinge von allen Seiten zu betrachten.
ALDO
Dann sollten Sie sich scheiden lassen.
BRAUSEN
Ich kann mich beherrschen.
(steht auf)
Und jetzt h ä t t e ich gern etwas zu trinken.
Aus der Hand Ihrer jungen Frau.
ALDO (in den Flur)
Mercy!
(zu Brausen)
Prosecco, Wein, Kaffee? - Ein Mann in den besten Jahren, der sich beherrscht ...
BRAUSEN
Ein Glas Rotwein.
Wenn das geht.
ALDO (in den Flur)
Ein Glas Rotwein - von dem Burgunder!
BRAUSEN
Es gibt keine besten Jahre. Das Alter, das wir eigentlich erreichen wollen, haben wir schon immer überschritten. Wir erreichen es nie. Und jetzt muß ich Matzek anrufen, mein Kind - ich weiß schon kaum mehr, wie er richtig heißt.
ALDO
Was haben Sie mit Ihrer Frau vereinbart?
BRAUSEN (sucht eine Nummer im Handyspeicher)
Sie erscheint hier um acht - ich werde kurz vorher gehen. Wir wollen es vermeiden, uns zu begegnen, schon gar nicht im Treppenhaus. Erst danach.
ALDO (schaut auf Brausens Uhr)
Sie haben noch fünfzehn Minuten.
BRAUSEN (wählt die Nummer)
Das sind zwanzig Seiten Drehbuch.
(ins Handy)
Hier ist Erik - mit einer schlechten Nachricht. Die Szene muß raus. Nichts zu machen, alter Junge.
Mercy betritt das Zimmer, mit einem Glas Rotwein auf einem Tablett - Aldo bedeutet ihr, still zu sein.
BRAUSEN (ins Handy)
Nein, sie muß ganz raus - wir können keinen Hund zeigen, der erschossen wird. Ein Hund unterstützt den Ermittler. Er ist ein Freund und kein Opfer. Und das Wort Äpfel geht auch nicht. Vor zwanzig Uhr haben Frauen in jedem Fall Brüste.
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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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