Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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Drei Fische für zwei Paare


II. IM ESSZIMMER. ABEND.

Ein Eßtisch mit vier Stühlen; ein Gläserschrank mit Laden; geschlossene Vorhänge. Brausen, alleine - er schaut sich um, er wundert sich: nirgends Hinweise auf Aldos Gewerbe.

ALDO (vom Flur)
Ich komme sofort!

BRAUSEN
Bittesehr.
(setzt sich an den Tisch)
Keine Eile ...
(wechselt den Stuhl)
Wir haben Zeit.

ALDO (erscheint mit der erwähnten Krawatte)
Verzeihen Sie, ich mußte noch ...

BRAUSEN (fällt Aldo ins Wort)
I c h   war zu früh.
(schaut umher)
Ein schöner Raum.

ALDO (setzt sich Brausen gegenüber)
Ja. Dreihundert waren vereinbart.

BRAUSEN
Dreihundert ...

ALDO
Als Vorschuß. In bar.

BRAUSEN
Ich ... kann Ihnen einen Scheck geben.
Auf der Stelle.

ALDO
Es hieß ausdrücklich Bargeld.

BRAUSEN
Ein Scheck ist allgemein üblich.

ALDO
Nicht bei mir, Herr ...

BRAUSEN (ins Wort fallend)
Doktor B. Wie ich sagte.

ALDO
Ein Name würde das Gespräch erleichtern.

BRAUSEN (mehr zu sich)
Ich denk mir schon genug Namen aus.

ALDO
Und dreihundert, in bar.

BRAUSEN
Ein Name ...
Also schön.
Ich vertraue Ihnen. Dr. Erik Brausen.
Auf den Doktor können wir verzichten.

ALDO
Dann bitte jetzt das Geld. Herr Brausen.
Ein Drittel sofort, zwei Drittel danach.
Am Ende der Straße ist ein Automat, gleich neben dem Hotel. Möchten Sie etwas trinken?
Sie haben doch eine Karte dabei?

BRAUSEN
Ich habe kein Hotel gesehen.

ALDO
Es ist auch nicht groß. Und hat keinen guten Ruf. Weiß Ihre Frau überhaupt von diesem Gespräch?

BRAUSEN
Selbstverständlich.
(sucht nach seiner Scheckkarte)
Sie wartet in einem Café. Um die Ecke.

ALDO
Das Café Decker. Ein sehr schlechtes Café - warum haben Sie für Ihre Frau kein besseres Café ausgesucht, zum Beispiel das Café Laumer?

BRAUSEN
Weil ich mich in dieser Gegend nicht auskenne.

ALDO
Mein Fehler. Ich hätte Sie informieren müssen.
Ich fragte, was Sie trinken wollen - Pellegrino, Whisky, Wein, Prosecco?

BRAUSEN (findet die Karte in keiner Tasche)
Ich will nur dieses Gespräch führen.

ALDO
Nach der Anzahlung. Haben Sie nun eine Karte?

BRAUSEN
Ja. Aber nicht dabei.

ALDO
Seine Scheckkarte hat man immer dabei - jeder Mensch jederzeit. Das ist heute Standard.
(in den Flur)
Mercy!

BRAUSEN
Wir sind nicht allein?!

ALDO
Mercy ... ist mein guter Geist. Sehr warmherzig, sehr verschwiegen. Sie ... kommt von den Philippinen - was man ihr kaum ansieht.

Mercy erscheint im Eßzimmer - zur großen Überraschung von Aldo und zur Freude von Brausen in einem engen geschlitzten Kleid, das Gesicht blaß geschminkt, mit roten Mund; um die Taille trägt sie einen feinen Gürtel mit Innentasche.

MERCY
Ja bitte?

ALDO (noch überrascht und verstört)
Mercedes ...
Zeige dem Herrn deine Scheckkarte.

MERCY
Wenn es dir hilft ...
(holt die Karte aus der Gürteltasche, zeigt sie)
Von der Volksbank.

ALDO (zu Brausen)
Da haben Sie's.

BRAUSEN
Und was beweist das?

ALDO
Die Normalität einer solchen Karte.
(zu Mercy)
Danke. Du kannst wieder fernsehen.

MERCY
Ich habe nicht ferngesehen.

BRAUSEN (betrachtet Mercy)
Das macht man auch kaum - in so einem Kleid.

ALDO
Ich kenne dieses Kleid gar nicht ...

MERCY
Ich habe es auch erst seit gestern.

BRAUSEN
Es steht ihr gut.

ALDO
Ich sagte: Du kannst wieder gehen.

BRAUSEN
Lassen Sie sie doch zuhören - wenn sie verschwiegen ist ...

ALDO (leise zu Mercy)
Geh, und zieh dich um.

MERCY
Ich bin umgezogen.

ALDO
Wofür?

MERCY
Für den Abend.

ALDO
Du kochst in diesem Kleid?

MERCY (geht zur Tür)
Nein. Ich schreibe meinem Bischof.

BRAUSEN
Der Mann ist zu beneiden.

ALDO (zu Mercy, die das Zimmer verläßt)
Dann grüße ihn bitte!
(zu Brausen)
Bischof De Castro.
(schließt die Tür hinter Mercy)
Ein wunderbarer Mensch.
(setzt sich wieder)
Also - s i e   hat ihre Karte dabei.

BRAUSEN
Ich könnte meine holen.
Und Mercy ... führt mich zu dem Automaten.

ALDO
Das kostet nur Zeit.
(denkt einen Moment nach)
Zeigen Sie mir Ihre Uhr.

BRAUSEN (zeigt seine Uhr)
Eine Jaeger Le Coultre. Achttausend.

ALDO
Legen Sie sie auf den Tisch.

BRAUSEN (legt seine Uhr auf den Tisch)
Wenn das so üblich ist. In Ihrem Gewerbe.

ALDO
Unsere Vereinbarung hieß Bargeld. Und mein Gewerbe hat Tradition - wovon leben Sie?

BRAUSEN
Das geht Sie kaum etwas an.

ALDO
Nicht, wenn ich Ihre Frau verstehen soll.

BRAUSEN
Sie sollen meine Frau nicht verstehen. Sie sollen sie befriedigen.

ALDO
Frauen werden gern verstanden.

BRAUSEN
Jetzt hören Sie mir mal zu - ich kenne unzählige Frauen, auch sehr schwierige, von meiner Arbeit.
(nach kurzem Zögern)
Ich mache Vorabendserien, nun wissen Sie es. Ich schreibe aber auch für den Abend, wenn die Morde dran sind. Und erfinde ganze Serien. Matzek, der Falke, jeden letzten Freitag im Monat, das ist   m e i n   Kind. Und Frauen sind häufig die Opfer.

ALDO
Ich glaube, daß Ihnen Mercy gefällt.

BRAUSEN
Sie ist mir sympathisch.

ALDO
Sie könnte Ihnen ... einen Prosecco bringen.

BRAUSEN
Und ihr Brief an den Bischof? Nein. Sie soll mir lieber den Weg zeigen, zu diesem Automaten, bei dem Hotel. Ich hole die Karte - sie zeigt mir ...

ALDO (unterbrechend)
Meinetwegen. Erledigen Sie das, wenn Ihre Frau nachher bei mir ist - zwei Stunden, sagten Sie am Telefon?

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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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