Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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Drei Fische für zwei Paare


INGRID (leise)
Wie spät ist es?

BRAUSEN
Es ist ...
(will auf seine Uhr sehen)

ALDO (hebt die Hand mit Brausens Uhr)
Ich wollte sie nicht behalten.
(sieht auf die Uhr)
Gleich halb eins.
(nimmt die Uhr ab, reicht sie Brausen)

BRAUSEN (zieht die Uhr an)
Ich hoffe, sie war eine Hilfe.

INGRID (monoton)
Danke. Ja.

ALDO (zu Ingrid)
Kann ich noch etwas für Sie tun?

INGRID
Fragen Sie meinen Mann.

ALDO
Kann ich noch etwas für Ihre Frau tun?

BRAUSEN (mit Blick auf Mercy)
Warum tun wir nichts für   I h r e   Frau?

ALDO
Ich werde mich um sie kümmern.

BRAUSEN
Stupor nennt man das. Oder?

INGRID
Man nennt es Stupor.

BRAUSEN (zu Aldo)
Wie zwischen Ingrid und mir.

INGRID
Nicht von Anfang an, Liebling ...

BRAUSEN (löst sich vom Fenster)
Natürlich nicht.
(geht langsam um den Tisch herum)
Die Dinge entwickeln sich ...
An dem Tag, an dem Ingrid und ich unsere Heirat beschlossen, kam ihr Vater am Abend vorbei, zufällig - ein alleinstehender, verbitterter Mann, der den ganzen Tag Hecken beschnitt. Wir erzählten von unserer Absicht, und er war sofort gegen die Heirat: nicht offen, sondern auf eine stille, heimtückische Weise: weil er Ingrids ersten Mann gemocht hatte, einen Schlappschwanz, und so machte er, anstatt etwas gegen die Ehe als solche zu sagen, seine Tochter vor mir herunter. Mit leiser, schon etwas brüchiger Stimme tischte er die abscheulichsten Dinge auf, etwa: wie wenig Freude Ingrid am Sex finde, außer: wenn kein anderer daran beteiligt sei, und so weiter - bis ich den Alten am Kragen packte und auf die Straße warf, obwohl es schneite. Zack und hinaus.

INGRID (steht auf)
Und danach: haben wir zusammen geschlafen.

BRAUSEN
Ja.
Das war schön.

INGRID
Da hören Sie's, Aldo.
Es ist nicht so - daß wir das nicht könnten.

BRAUSEN
Nein - so ist es nicht.
(tritt zu seiner Frau)

INGRID
Wir können es schon ... wenn wir möchten.
(schmiegt sich an Brausen)
Und jetzt gehen wir weg, nicht wahr, Liebling?
Für immer.

BRAUSEN
Was wir wissen wollten, wissen wir.

INGRID (schnell und leise zu Brausen)
Eine Täte r i n , das war überraschend.

BRAUSEN (knapp)
Oh, ja. Dazu noch Ausland.

INGRID (zu Aldo, locker)
Ciao ciao, mein Herz.

ALDO
Aber ich hätte ... nächsten Freitag schon Zeit.

INGRID (hakt sich bei ihrem Mann unter)
Zeit haben wir alle.
(geht mit Brausen Richtung Tür)
Solange wir leben.
(kommt an Mercy vorbei, tätschelt ihr kurz die Wange)
Sie hätten mich fast umgebracht, Süße.

ALDO (Ingrid und Brausen nachgehend)
Vielleicht noch ... einen Grappa?

BRAUSEN
Wir trinken keinen Grappa.

INGRID
Schon seit Jahren nicht mehr.

BRAUSEN
Wenn wir je Grappa getrunken haben.
(tritt mit Ingrid in die offene Tür)
Eher immer schon Whisky ...

INGRID (über die Schulter zu Aldo)
Ohne alles!

Brausen und Ingrid verlassen das Zimmer; Aldo will ihnen noch nach, aber resigniert - und bleibt mit Mercy zurück.

ALDO (betrachtet Mercy in ihrem Stupor)
Mercy ...

MERCY (plötzlich)
Als ich vorhin auf der Straße war - sah ich Frau Rosenberg.
Sie ist zurück.

ALDO (monoton)
Ja ... Ich habe sie auch gesehen.

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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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