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ALDO
Ich weiß es nicht.
(sieht, daß Mercy zu dem Fisch will)
Mercedes!
Bleib stehen.
INGRID (zu Mercy)
Ach, Mercedes heißen Sie ...
BRAUSEN (zu Ingrid)
Das war ja der Reiz.
Du sagtest also, ihr hättet herrlich gezeugt ...
INGRID
Ich sagte so etwas Ähnliches.
BRAUSEN
Du sagtest genau das.
INGRID (berührt kurz den Fisch)
Es zählt nicht allein, w a s ich sagte. Es zählt auch die Situation, in d e r ich es sagte. Und die ist jetzt nicht mehr dieselbe - es herrschte eine andere Stimmung an diesem Tisch ... die mich zu eben dieser Äußerung veranlaßt hat. Meine Worte sind davon nicht zu trennen!
BRAUSEN
Das sind doch Spitzfindigkeiten.
(zu Aldo)
Oder?
Die mögen vielleicht ... abwechslungsreich sein in einer Studentenbeziehung, wenn man Zeit hat, nachts nichts schlafen muß. Im normalen Eheleben sind sie tödlich. Ich habe meinen Matzek deshalb auch immer vor solchen Tendenzen geschützt.
INGRID (nach einem Schluck Wein - ruhig)
Mein Mann ist der größte Idiot auf Erden.
BRAUSEN (zu Aldo)
Hat sie ihre Tage? War deswegen nichts?
INGRID
Ich habe nicht meine Tage. Sonst wäre ich kaum schwanger. Oder, Aldo - habe ich meine Tage?
ALDO (zu Brausen)
Sie hat nicht ihre Tage.
Mercy stürzt zum Tisch, packt die Schleie und erlöst sie durch kraftvolle Stöße ins Genick mit dem Boden der Weinflasche; Aldo, Ingrid und Brausen schauen entgeistet zu.
MERCY (zu Aldo - leise, atemlos)
Ich h a b e De Castro schon alles geschrieben.
ALDO
W a s hast du ihm geschrieben?
MERCY
Wie ich mich ... vorstellen werde.
(gespielt)
Hi, ich bin Mercy. Ich komme von der Insel Mindanao, wo ich in Lillis Massagesalon gearbeitet habe. Ich bin einmetersechzig und habe kein Aids.
ALDO (leise)
Mercy ... Das kannst du nicht tun.
MERCY
Ich habe einen Mund, und ich kann damit arbeiten. Ich öffne ihn - und verrichte die Arbeit.
ALDO (steht auf, flüstert)
Ich bringe dich um ...
BRAUSEN (leise zu Ingrid)
Jetzt paß auf.
MERCY (zu Aldo)
Ich tue, was du tust. Ich folge dir nach. Ich begleite dich überall hin, in guten wie in bösen Zeiten.
ALDO
Was - tue ich - denn?!
MERCY
You fucked her.
ALDO
Ja, mein Gott, ja!
MERCY
Tell me.
INGRID
Tell me ...
(summt Tell me von den Rolling Stones)
ALDO (leise)
Okay ...
Okay.
BRAUSEN (zu Aldo)
Mich müssen Sie nicht schonen.
INGRID
Und i c h war ja dabei.
ALDO (zu Mercy)
Gut ...
Du willst es wissen - ja?
(auf ein schwaches Nicken von Mercy hin)
Also höre, Mercy - sie ... zog sich aus - ruckzuck - und bückte sich über das Bett, auf die Ellbogen gestützt ... und zeigte mir einen Hintern ... der eine Ehe zerstören kann, geradezu abfärbend weiß ... dabei fest, in sich, was selten ist, ganz selten - und zwinkerte mir förmlich zu damit, und ich riß ihn auf und ... nahm etwas von Dr. Johnson's Creme ... die du besorgt hast, und tat, was getan werden mußte.
Sie hielt sich selbst den Mund zu, sie war ihn nicht gewohnt ... diesen Schmerz, den sie wollte, und verdrehte dazu ihren Kopf, verlangte das Unmögliche: diese Prüfung u n d meinen Blick, und ich half ihr, zog sie am Haar, bis es knackte, und so führten wir ... das Ende herbei, wie Tiere. Das ist alles, Mercedes.
MERCY (leise)
Thank you.
Wir sind am Ende, Aldo.
BRAUSEN (knapp zu Ingrid)
Wir auch, oder?
ALDO
Setz dich doch wenigstens, Mercy.
Brausen steht kurz auf, rückt Mercy erneut den Stuhl zurecht, und Mercy setzt sich, neben Brausen, an den Tisch.
MERCY (zu Aldo)
Hat sie geweint?
ALDO
Kann sein.
MERCY
Jede Frau weint.
(schaut zu Ingrid: die ihr zunickt)
Ich habe auch schon geweint.
ALDO
Nicht bei mir.
MERCY (leise)
Ich habe über Gott geweint.
ALDO (leise)
Hat Gott dich gefickt?
MERCY
Ja.
(nimmt ein Fischmesser, sticht es der Schleie in den Bauch, versucht, sie aufzuschlitzen)
INGRID
Ich glaube, das geht jetzt zu weit.
(schaut zu ihrem Mann)
Sag etwas.
BRAUSEN (ruhig)
Wir sind am Ende, Ingrid.
INGRID (zu Mercy)
Sie wollten zuviel wissen.
Auch wenn es nicht so war - aber jetzt ist es gesagt.
(sieht, wie Mercy weiter den Fisch öffnet)
Muß das sein, was Sie da machen?
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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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