Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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Drei Fische für zwei Paare


MERCY
Ja. Wenn er pünktlich ist.

ALDO
Warum sollte er nicht pünktlich sein?
Andererseits - er hat am Telefon gestammelt.

MERCY
Was ist das: Stammeln.

ALDO
Stammeln ... Also er sagte:
Ich ... wie soll ich es ausdrücken, meine Frau, ihr Name ist Ingrid ... Sie, das heißt ... ich ... kann nicht mehr ... infolge einer ... einer dauerhaften Verhinderung - nichts, was mit Tabletten, ja ... und meine Frau hat ... gehört, daß Sie, wie sagt man ... Jedenfalls ... möchte ich vorher ein Gespräch, es gibt doch einiges festzulegen, auch zu klären, nicht wahr, und danach, das heißt anschließend, also hinterher, wäre ein gemeinsames Essen gut - um von vornherein alle ... ich meine, alles gleich auf den Tisch zu bringen, was irgendwann ja sowieso, denke ich, wenn Sie verstehen ...
(betrachtet die Fische)
Diese Schleien ... Gibt es die hier in Neustadt?

MERCY
Auf dem Markt. Immer freitags.

ALDO
Haben wir heut Freitag - richtig. Und da gibt es hier diese Schleien ... lebend.

MERCY
Wenn man es verlangt.

ALDO
Weißt du noch - wie du mir in Mindanao diesen Lapu-Lupa zubereitet hast? - Köstlich.
Hast du Heimweh?

MERCY
Nein.

ALDO
Es lohnt sich auch nicht, Heimweh zu haben. Wo hast du mein Hemd hingelegt?

MERCY
Ins Schlafzimmer. Willst du jetzt meine Rede hören? - Guten Tag, Herr Dietz ...
(stellt sich in Positur)
Ich heiße Mercedes Estrella Schmid und komme ...

ALDO (heftig unterbrechend)
Hör auf! Willst du für ein Drecksgeld irgendwelchen Frauen die Haare legen?!

MERCY
Ich kann vieles ...

ALDO
Nicht alles, was man kann, muß man tun.
(holt sich die Karte aus Bali)
Diese Rosenberg ...
(überfliegt die Karte)
Sie vermißt mich tatsächlich.
(zerreißt die Karte langsam)
Ich sie sogar auch ein bißchen ...

MERCY
Achso.

ALDO
Ja. Sie ist sehr großzügig.
Eine Dame. Die mich respektiert.
Jüdin, ohne Ressantiments.
Ich denke gern an sie. Ihre Züge sind ... weich und verwirrend. Und sie schreit nicht.
(direkt zu Mercy)
Sie wimmert ein bißchen, aber das ist normal.
(wirft die zerrissene Karte in den Müll)
Entschuldige, Mercy. Ich vergesse immer, wie katholisch du noch bist.

MERCY
Du vergißt nur, wie deutsch ich schon bin.

ALDO
Willst du, daß ich deinem Bischof schreibe? Welchen Weißwein haben wir zum Fisch?

MERCY
Lugana.

ALDO
Gut. Gut. Sehr gut. Was du alles weißt ...
Das mögen solche Leute, nicht wahr?

MERCY
Und vorher Prosecco.

ALDO
Oh, ja. Das hilft.
(schaut erneut auf die Uhr)
Ich glaube, er ist irgendwo ein großes Tier.
Zeitung oder sowas.
(als Zitat)
Nennen Sie mich einfach Doktor B.

MERCY
Möchtest du den Wein probieren?

ALDO
Probier du ihn - und wenn er einen Korken hat: die Flasche zurückbringen.
Dieser Monat war nicht so gut - Zeit, daß die Rosenberg wiederkommt.

MERCY
Du hättest ihre Karte nicht zerreißen dürfen.

ALDO
Ich hasse Karten aus Bali.
(entdeckt einen Versandhauskatalog)
Ach - hast du dir da etwas ausgesucht ...

MERCY (schlägt den Katalog auf)
Dieses Sofa. Ich werd es bestellen. Sobald ich die Arbeit habe - im Salon Dietz.

ALDO
Ich wünsche aber nicht, daß du als Friseuse arbeitest!

MERCY (legt die Schürze ab)
Ich kann mir ...
(streicht ihr Haar zurück)
auch etwas anderes vorstellen.
(faltet die Hände im Nacken)

ALDO
I c h werde das Sofa bezahlen.

MERCY
Du zahlst noch am Auto ...

ALDO (heftig)
Ich werde das Sofa bezahlen!
Bar.
Von mir aus auch einen Teppich dazu ...
(geht zum Fenster, schaut hinaus, beruhigt sich)
Was wirst du tun, während ich arbeite?

MERCY
Ich weiß es noch nicht. Fernsehen.

ALDO
Geh lieber spazieren.
Sie könnte schreien ...

MERCY
Darauf läuft es hinaus.

ALDO
Wir wollen es hoffen - wäre übrigens auch denkbar, daß der beim Fernsehen ist.

MERCY
Du solltest dich jetzt anziehen.
Ich hol dir deine Sachen.

Mercy verläßt die Küche. Aldo schaut in den offenen Brief.

ALDO (zitiert)
Die zehn erotischten Bücher ... Mit einem kurzen, persönlichen Wort ... Danken schon jetzt für Ihre Teilnahme, mit freundlichem Gruß, im Auftrag ...
(zerknüllt den Brief)
Nein. Mercy!

MERCY (aus einem entfernten Raum)
Ja?!

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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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