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ALDO (mit Seitenblick auf Mercy)
Ich würde das so nicht sagen ...
BRAUSEN (zu Ingrid)
Du hast dich verrannt. In diese Idee einer kompletten Erschütterung. Aber der Orgasmus ist lediglich eine bestimmte Art der Blutzirkulation. Objektiv gesehen nur ein Vorgang in deinen Gefäßen, begleitet von guten Wünschen. Ein künstlich herbeigefürter Blutsturz.
INGRID
Dann hätte ich disen Sturz gerne täglich.
Kannst du das einrichten?
(legt Brausen eine Hand auf die Wange)
Nein.
Siehst du ... Es gibt keine Lösung. Objektiv gesehen ist mein täglicher Blutsturz ein ungelöstes menschliches Problem.
BRAUSEN
Ein einigermaßen zivilisierter Mensch, der einem anderen nicht zur Last fallen will, führt diesen Sturz selbst herbei.
INGRID
Da fehlen dann nur - in meinem Fall - die guten Wünsche.
BRAUSEN
Das heißt, es geht nicht ohne Aldo.
(mit Blick auf Aldo)
Er schaut ja auch ziemlich gut aus - ich würde ihn sofort besetzen. Als blinde Spur.
(direkt zu Aldo)
Haben Sie Erfahrung?
ALDO
Ich will kein Trinker oder Ladendieb werden.
BRAUSEN
Das ist ein Argument.
(trinkt einen Schluck)
Zahlen Sie eigentlich Steuern?
(auf ein vieldeutiges Lächeln hin)
Achso.
(anerkennend)
Schweinehund.
Ich zahle mich dämlich.
INGRID
Komm, komm, komm ...
BRAUSEN (zu Aldo)
Aber veranschlagt werden Sie doch ...
ALDO (lächelnd)
Ich bin arbeitslos.
BRAUSEN (halblaut zu Ingrid)
Ach ... Wir unterstützen einen Arbeitslosen.
INGRID (glucksend)
Das wurde mal Zeit.
Zu helfen.
ALDO (zu Brausen)
Ihre Frau sagte ... Sie sei hier, um I h n e n zu helfen.
BRAUSEN
Selbstverständlich.
So funktioniert eine Ehe.
INGRID
Das versuchte ich ihm auch zu erklären.
BRAUSEN (nimmt den letzten Happen Gemüse)
Paare sind Festungen ...
Weh dem, der sie verstehen will.
(steckt den Happen in den Mund)
Nur von den Liebenden ...
geht der übliche Schwachsinn aus.
MERCY (zu Brausen)
Es wäre noch Gemüse da.
INGRID
Warum dann der Konjunktiv?
ALDO
Mercy kann noch nicht so gut Deutsch ...
BRAUSEN
Sie kann es hervorragend. Überhaupt vieles.
(zu Mercy)
Danke. Kein Gemüse mehr. Iß lieber selbst.
MERCY
Ich muß den Fisch erst braten.
INGRID
Und vorher töten, oder? - Ich würde mir diesen Fisch gerne ansehen. Solange er noch lebt.
MERCY
Soll ich Sie zur Küche bringen?
INGRID (steht auf)
Ich finde den Weg.
BRAUSEN (steht ebenfalls auf)
Ich schließe mich an.
Wenn du nichts dagegen hast.
INGRID (wartet in der offenen Tür)
Ich würde mich freuen, wenn du mitkommst.
BRAUSEN (tritt zu Ingrid, schaut zu Aldo)
Eine lebende Schleie - das ist doch was!
MERCY
Sie schwimmt im Spülbecken.
INGRID (geht - gefolgt von ihrem Mann)
Wir finden sie schon!
BRAUSEN (von draußen)
Sie kann uns nicht entkommen!
Aldo und Mercy sind allein. Mercy tritt ans Fenster, öffnet den Vorhang ein Stück, sieht hinaus. Aldo leert sein Glas.
ALDO
Hast du mit ihm geschlafen?
MERCY
Nein.
ALDO
Aber .. ihr ward im Hotel.
MERCY
Ja.
ALDO
Gab er dir Geld?
MERCY (dreht sich zu Aldo)
Was hast du mit i h r gemacht?
ALDO
Was sie verlangte.
MERCY
You fucked her.
ALDO (leise)
Sure.
Mercy läuft zu Aldo und schlägt - wild, aber stumm - auf ihn ein; Aldo wehrt sich nicht. Mercy läßt die Arme fallen.
MERCY (atemlos)
I'm sorry ...
Von weitem, aus der Küche, plötzlich hysterische Schreie.
INGRID (ferne Stimme)
Sie ist rausgesprungen!
BRAUSEN (ferne Stimme)
Verdammtes Vieh!
INGRID (ferne Stimme)
Aldo! - Diese Schleie ... springt herum!
Mercy schaut Aldo an - und läuft dann aus dem Zimmer. Aldo bleibt noch einen Moment sitzen, bevor er sich einen Ruck gibt, zu dem Schrank geht; er entnimmt drei Dessertschalen und stellt sie - klirrend - auf die benutzten Fischteller.
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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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