Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


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Drei Fische für zwei Paare


ALDO (öffnet seine Hose)
Ja. So schmeckt er besser - wenn er Fisch erst vorher getötet wird.

INGRID (nippt am Whisky)
Und Ihre Frau ... erledigt das.

ALDO (zieht die Hose herunter)
Ja. Kein Problem.

INGRID
Warum ziehen Sie sich eigentlich vor mir aus, Aldo?

ALDO
Weil ich jetzt mit Ihnen bade.

INGRID
Sie lassen nicht locker, wie?

ALDO
Ich möchte nur, daß Sie baden.

INGRID
Wollen Sie an mir riechen?
(setzt sich neben Aldo)
Ich rieche sehr gut.

ALDO
Ich mache mir nichts aus Parfums.

INGRID (streicht über die Bettwäsche)
Sie lügen. Was ist das für Wäsche?

ALDO
Feinste Baumwolle. Mit Naturfarben.

INGRID (betrachtet Aldo, nippt am Whisky)
Empfangen Sie auch Männer?

ALDO
Nein.

INGRID
Auch nicht privat?

ALDO
Bitte nichts Privates. Es ist so vereinbart.

INGRID (nimmt ihre Füße aufs Bett)
Mit Erik? - Er hat gar nicht das Recht, solche Vereinbarungen zu treffen - gefallen Ihnen meine Füße? Ich finde sie etwas zu groß.

ALDO
Es sind ganz normale Füße.

INGRID
Sie haben sie gar nicht angesehen.
Sind Sie schon einmal verlassen worden?

ALDO
Nein.

INGRID
Jeder Mensch ist schon verlassen worden. Also auch Sie.

ALDO
Hat Kammlander Sie verlassen?

INGRID
Wie kommen Sie darauf?

ALDO
Ich dachte.
(betrachtet Ingrids Füße)
Ihre Füße sind vielleicht ein bißchen ...

INGRID
Was? - Trauen Sie sich nicht, es mir zu sagen?
Aus geschäftlichen Gründen?
(präsentiert ihre Füße)
Sie sind zu groß.

ALDO
Ihr Mann sagte mir ...

INGRID (springt vom Bett auf)
Ich habe Sie gewarnt - kein Wort mehr von meinem Mann! Er hat Sie dafür bezahlt, daß Sie für zwei Stunden mein Liebhaber sind - und welcher Liebhaber würde dauernd sagen: Ihr Mann hat gesagt?! Er wäre ein Idiot! Sind Sie ein Idiot?!
(sieht Aldo schwach verneinen)
Gut. Und nun helfen Sie mir beim Ausziehen. Wie sich das gehört.

ALDO (will Ingrid an der Schulter berühren)
Ingrid ...

INGRID
Und wagen Sie es ja nicht, mich aus Barmherzigkeit zu berühren! Wenn Sie mich anfassen, dann auch wie vereinbart. Gezielt.

ALDO
Wie Sie es wünschen.
(zieht Ingrid, vorsichtig, die schon geöffnete Bluse aus - hört plötzlich etwas, sieht zur Tür)

INGRID
Was ist los?

ALDO
Ich dachte ...

INGRID
Sie dachten, Ihre Frau - aber Mercy ist bei meinem Mann.

ALDO (schaut auf Brausens Uhr)
Schon ziemlich lang.

INGRID (mit Blick auf die Uhr)
Das ist ja Eriks! Oder haben Sie die gleiche?

ALDO
Es   i s t   seine Uhr.

INGRID
Als hätten Sie ihn umgebracht.

ALDO
Ich töte keinen Menschen ... Ich habe sie ihm abgenommen, die Uhr. Als Pfand. Ich sagte doch: Er hatte kein Geld dabei, nichts.

INGRID
Ich hasse diese Uhr. Weg damit.

ALDO (legt die Uhr in den Nachttisch)
Wie Sie wollen. Aber es ist eine schöne Uhr.

INGRID (gellend)
Es ist eine grauenvolle Uhr! Ich hasse sie, ich hasse sie! Ich hasse alles ... ich ...

ALDO
In so einem Fall läßt man sich scheiden.

INGRID (steht vom Bett auf)
Ja ... Ja, vielleicht. Du   h ä t t e s t   ihn umbringen sollen.

ALDO
Er ist mein Auftraggeber.

INGRID
Dein Auftraggeber bin ich.

ALDO
Falsch. Das Geld kommt von ihm.

INGRID
Das Geld, das Geld! Ich scheiße auf sein Geld, Aldo - ist das Ihr richtiger Name?

ALDO
Ja.

INGRID
Das ist ja entwaffnend - und Ihr Alter?

ALDO
Achtundzwanzig.

INGRID
Niemand ist achtundzwanzig. Las ich neulich.
(setzt sich wieder aufs Bett)
Ich lese sehr viel ...

ALDO
Sie reden zuviel.

INGRID
Na und.

ALDO
Auf diese Weise kommen Sienie zum Punkt.

INGRID
Ich scheiße auch auf meinen Punkt.

ALDO
Warum sind Sie dann hier?

INGRID
Sie wurden empfohlen.

ALDO
Von einer kleinen Dame mit grauem Haar?

INGRID
Ich hoffe, Sie reden nie so über mich.
(sinkt aufs Bett)

ALDO (betrachtet Ingrid)
Sind Sie Linkshänderin?

INGRID
Schau ich so aus?

ALDO
Linkshänderinnen möchten immer, daß der Mann rechts von ihnen liegt. Sie können ihn dann bequemer streicheln.

INGRID
Falls ich Sie streicheln   m ö c h t e .
Ich bin Rechtshänderin.

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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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