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Uraufführung am Badischen Staatstheater Karlsruhe:12. Oktober 2001,
Inszenierung:
Hans-Peter Schenck
Ausstattung:
Eva Humburg
Regieassistenz, Abendspielleitung, Inspizienz:
Felix Köhler, Anja Röhl
Bühnenbildassistenz:
Molly Meyer
Kostümassistenz:
Olivia Neff
Souffleuse:
Anja Röhl
Dauer: etwa 2 Stunden
eine Pause
Personen:
ALDO
Peter Bamler
MERCY
Anja Reßmer
BRAUSEN
Harald Heinz
INGRID
Bettina Franke

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P u b l i k a t i o n e n
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Drei Fische für zwei Paare
Lustspiel
Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main 1998
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PERSONEN
Aldo - ein käuflicher Liebhaber aus Neustadt
Mercy - Aldos guter Geist und Mädchen für alles
Brausen - ein vielbeschäftigter TV-Serienschreiber
Ingrid - Brausens anspruchsvolle eigensinnige Gattin
SCHAUPLATZ
Die Wohnung von Aldo und Mercy an Neustadts Peripherie.
I. IN DER KÜCHE. FRÜHER ABEND.
Mercy in Jeans und Schürze - eine schöne junge Frau mit exotischem Touch, vielleicht dunkel gefärbter Haut - bei den Vorbereitungen für ein Essen. Sie holt einen zappelnden Fisch aus dem Spülbecken, tötet ihn sachlich und nimmt ihn aus; nebenbei schaut sie in einen kurzen Text: Mercy übt - mit leichtem Akzent - für ein Vorstellungsgespräch.
MERCY
Ich heiße Mercedes Estrella Schmid und komme von der Insel Mindanao, wo ich in Lillis Schönheitssalon gearbeitet habe. Mein Mann heißt Aldo und kommt aus Neustadt. Wir wohnen in der Ringstraße, am Gewerbepark, und darum würde ich gern im Salon Dietz anfangen, das sind nur fünf Minuten zu Fuß ... Ich kann schneiden, legen, färben und mache Kopfmassagen, außerdem Maniküre, Pediküre und make up-Beratung, und nehme in der Probezeit nur Trinkgeld ... Ich möchte meinen Mann unterstützen. Er ist selbständig, auf einem Gebiet voller Gefahren, und hat es nicht leicht. Doch wir halten zusammen - mit Ihrer und mit Gottes Hilfe. Ich danke.
ALDO (aus einem entfernten Raum)
Mercy!
MERCY
Ja ...
ALDO (näherkommend)
Haben wir noch Creme?
MERCY
Ja! Wieder! - Dr. Johnson's.
ALDO (betritt, in einem Kimono, die Küche)
Gut. Und der Fisch?
MERCY (holt einen zweiten Fisch aus dem Becken)
Ist von heute.
(tötet den Fisch)
ALDO
Muß das sein?
MERCY
Wir können ihn nicht lebend essen.
ALDO
Natürlich nicht - was war in der Post?
MERCY (deutet auf eine Karte und einen Brief)
Eine Karte.
Von Frau Rosenberg. Aus Bali.
ALDO
Dankt sie mir mal wieder?
MERCY
Sie vermißt dich.
ALDO
Wenn Sie mich vermißt - warum ist sie dann auf Bali und
nicht hier in Neustadt? Auf Bali wird sie kaum glücklich werden.
Eine Insel für Witwen.
Und das andere?
MERCY
Eine Umfrage.
Die zehn erotischten Bücher der Welt.
ALDO
Aha. Mein kleines Unternehmen, Mercy, findet Beachtung -
seit ich in dieser Show war. Die zehn erotischten Bücher der Welt ...
MERCY
Du solltest das nicht beantworten.
ALDO
Warum nicht? Wenn sie sich an mich wenden ...
MERCY
Man ignoriert solche Umfragen.
ALDO
So? - Ist mein Hemd schon gebügelt?
MERCY
Ja.
ALDO
Und wie kommst du zu dieser Ansicht?
MERCY
Ich fühle es.
Tu deine Arbeit. Das reicht.
ALDO
Dann mußt du dich auch nicht bei Dietz bewerben.
MERCY
Ich arbeite gern im Schönheitssalon.
ALDO
Der Salon Dietz ist kein Schönheitssalon.
Da läuft den ganzen Tag das Radio.
MERCY
Ich höre auch gern Radio.
ALDO
Dietz - das heißt von morgens bis abends Blick auf die Stadtwerke.
MERCY
Schauen wir von hier nicht auf die Stadtwerke?
ALDO
Nur, wenn wir die Vorhänge öffnen. Und meine Tätigkeit verlangt nun
einmal, daß sie geschlossen bleiben - wann kommt dieser Doktor B.?
MERCY (sieht in einen Kalender)
Um sieben - und um acht seine Frau, für zwei Stunden. So steht es hier.
Das Essen dann um zehn.
ALDO
Um sieben ...
Ich hatte bisher nur einmal ein solches Vorgespräch, mit einem Mann im
Rollstuhl, der seiner Frau eine Freude machen wollte - aber keine zu
große. Es war sehr unangenehm.
Aber ein anschließendes Essen, zu dritt, das hat noch keiner verlangt.
MERCY (holt einen dritten Fisch aus dem Becken)
Wenn man zusammen ins Bett geht, kann man auch zusammen essen.
ALDO
Deine Gastfreundschaft geht manchmal sehr weit.
(während Mercy den Fisch tötet)
Und was du dafür alles fertigbringst ...
MERCY
Man muß es nur schnell tun. Und der Fisch hat es lieber, wenn er nicht
erstickt.
ALDO
So ... Hast du auch schon Hühner getötet?
MERCY (deutet die Tötung eines Huhnes an)
No problem.
ALDO
Und Schweine?
MERCY
Ich habe ... assistiert.
ALDO
Du hast assistiert - beim Schweinetöten?
MERCY
Ich assistiere auch bei deiner Arbeit.
ALDO
Aber nur im Vorfeld.
(betrachtet den Fisch)
Was ist das für ein Fisch?
MERCY
Schleie.
ALDO
Schleie ... Das klingt sehr hübsch.
Schleie. Ist sie ganz tot?
MERCY (piekst mit dem Messer in ein Auge)
Ja.
ALDO
Aber vielleicht ein paar Oliven vorher ... Damit alle schon was
im Mund haben - w a n n kommt er?
MERCY
Um sieben.
ALDO (sieht Mercy beim Fischfüllen zu)
Um sieben ...
Ist das Rosmarin?
MERCY
Ganz frisch, vom Balkon. Ich gehe morgen früh zu Dietz - wenn
du nichts dagegen hast.
Ich kann meine Rede jetzt, willst du sie hören?
ALDO
Ich glaube nicht ...
(riecht am Rosmarin)
daß Dietz dich braucht.
MERCY
Ich kann auch woanders arbeiten.
(auf einen fragenden Blick hin)
Wo ich gebraucht werde.
ALDO
Du mußt überhaupt nicht arbeiten.
MERCY
Ich will aber arbeiten. Wie du.
ALDO
Sag sowas nicht, Mercedes. Nie wieder.
(schaut auf die Uhr)
Das heißt: Er kommt jetzt gleich.
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Digitale Präsentation des Stückes mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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