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P u b l i k a t i o n e n
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Das Herz ist ein Sammler
in Schwule Nachbarn. 22 Erlebnisse
MännerschwarmSkript Verlag
Hamburg, 1. Auflage 2007
S. 52-69
ISBN 978-3-939542-02-5
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Leseprobe
Hören Sie, schon mit elf oder zwölf hat mich ein Bild verfolgt im Schlaf, zäher und größer als ich, auch das Erwachen befreite mich kaum von dem Eindruck, getötet zu haben, noch benommen ging ich jedes Mal zum Bett des Wimpernlosen, meinem Opfer und Zeugen, und es beunruhigte mich, ihn atmen zu sehen; die anderen auf der Stube, Stirius, Exner, Pallas, warteten schon, dass ich Gelpke zwang, die gerupften Lider zu öffnen, bis er hochfuhr, Faller, was bringt's, und ich immer noch unsicher war, wie viel er wusste. Erst wenn Gelpke sich beim Anziehen krümmte, beide Hände vor seinem Kleinen, kleiner als das Hütchen beim Mensch-ärgere-dich-nicht, wurde ich ruhiger, aber nicht ruhig. Irgendetwas war an ihm, das mich anklagte, der Blick vielleicht, wie der eines Huhns, oder war es das Stillschweigen zwischen uns, kein einziges Mal hatte mich Gelpke nach dem Albtraum zur Rede gestellt, sein roter Mund war bis zum Abend verschlossen und, schlimmer noch, von einem Lächeln gebogen. Wir waren Komplizen, Komplizen der Einsamkeit, im Alter von elf oder zwölf, in einem Schulheim am unteren, matten Bodensee, matt zwischen badischen und Schweizer Hügeln, ausgesetzt, was mich betraf, von zwei verfeindeten Leuten, die mich einfach dort gelassen hatten eines Sonntags, im alten VW klirrend um die Ecke gebogen waren, während ich dastand, ein hübscher Bub, wie sie mir noch mit auf den Weg gegeben hatten, statt den verlangten Schlips in den Koffer zu tun, und sah, kaum drehte ich mich um nach dem Abschied, wie einer in die Knie ging, Stirius, und ein anderer seine Faust verbarg, Exner, und etwas abseits ein Dritter, älter als mein Vater, mit dunklem Haar und dunklen Lippen, ein Feuerzeug aufschnappen ließ; Hände in den Taschen, Zigarette im Mund, kam er mir entgegen, Keine Angst, du, doch ich hatte Angst, und er führte mich ins Haus zu einem Flügel, Hier üben wir, abends, magst du dabei sein? Er nahm meine Hand, umfasste warm und fest den Zeigefinger und schlug auf dem Flügel einen Ton und noch einen Ton an, tat, als müsste er die Tasten suchen, und führte mich doch, unmerklich, weiter. So spielte ich Die Gedanken sind frei und mochte dabei sein, abends. Ich mochte alles, was von ihm kam ode rmit ihm zu tun hatte, vom ersten Moment an, oder glaubte, das alles zu mögen, weil es mich irgendwie hielt, eine unsichtbare Schiene, auf der ich mich bewegen konnte, fast ein Jahr lang, während andere in die Knie gingen, ich hatte wieder ein Zuhause, auch wenn es nur aus Blicken und einem warmen Mund bestand, einer Zunge und seinen Händen, ein Paradies, das kam und ging, wenn er mich in sein Zimmer holte, wo es nach Roth-Händle roch wie in meinem alten Zuhause, und ich bei ihm blieb, bis er Schlaf trotzdem gut sagte, das war in den kälteren Monaten, in den wärmeren holte er mich in sein Auto, ein Käfer-Cabrio, und wir fuhren, nachts, über Waldwege, er trug nur eine Turnhose, aber zitterte nie oder nie so wie ich, und als es noch wärmer wurde, da gingen wir ins Schilf, bis nur noch einer von uns zurückkehrte.
(...)
Aus: Parlando, S. 18-38
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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors
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