Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
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Uraufführung: Saarländisches Staatstheater Saarbrücken, 02.11.1979.

Inszenierung:
Burkhard Jahn
Bühnenbild:
Michael Schumacher
Kostüme:
Doris Wilms
Regieassistenz und Abendspielleitung:
Hubert Georg Flachhuber
Inspizient:
Jörg Paul
Souffleuse:
Gerda Ernst/Ursula Ratjen
Technische Leitung:
Michael Schumacher
Leiter des Kostümwesens:
Norbert Daub
Frisuren:
Otto Schikotanz/Bärbel Lehnert
Beleuchtung:
Kurt Wogatzke
Requisiten:
Josef Adam

Spieldauer:
ca. 2 1/2 Stunden
Pause nach dem 3. Bild


Personen:

ARNOLD
Matthias Kniesbeck

ALBERTA
Brigitte Dryander

DIE FOTOGRAFIN
Irene Kugler

DER PROFESSOR
Fred Woywode

DER NACHBAR
Hubert Georg Flachhuber



Programmheft

PROGRAMMHEFT
Saarländisches Staatstheater Saarbrücken
Spielzeit 1979/80











Bodo Kirchhoff

















Programmheft
 















P u b l i k a t i o n e n

Body-Building




Body-Building

Schauspiel

in Body-Building
Erzählung, Schauspiel, Essay
edition suhrkamp 1005
Neue Folge 5
Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main 1980

Leseprobe


Personen
der Nachbar
Alberta
Arnold
die Fotografin
der Professor

Schauplatz
der Raum von Alberta

Anmerkung
BODY-BUILDING ist in jedem Fall ein Schauspiel; es könnte nirgends besser dargestellt werden als an einer Stätte der Täuschung und Enttäuschung - dem Theater. Licht und Geräusche spielen eine große Rolle. Je länger ein Schweigen währt, desto weniger Licht fällt ein - so unmerklich, daß es erst im nachhinein bewußt wird. Ähnlich verhält es sich mit allen Geräuschen des Körpers: Sie bilden eine eigenartige, oft kaum wahrnehmbare, ständige Kulisse.
BODY-BUILDING ist kein Stück über eine exzentrische Beschäftigung - eher ein Stück über Exzentrizität. Der Körper ist alles und nichts; erst durch sein Erscheinen im Spiegel erhält er Bedeutung. Der Spiegel entwendet das Selbst - es gibt kein Jenseits des Anderen.
BODY-BUILDING ist die Hoffnung auf ein Original - auf das Eigentliche, das sich unentwegt verschiebt; verletzend weist es auf den Mangel hin - und verdeckt ihn zugleich. Alle Personen in dem Stück sind soufflierte Erscheinungen.


1
Der Raum von Alberta auf einer großen Bühne. In der Mitte des Raumes, den Schauplatz unterteilend, ein Vorhang.
In der linken Hälfte eine Tür, ein Lehnstuhl und ein breites Bett. Über dem Bett, das sich hinter einem weiteren Vorhang verbergen läßt, Halterungen, an denen man sich emporziehen kann. Neben dem Bett ein leeres Glas; unter dem Bett ein Nachtgeschirr und Toilettenpapier.

In der rechten Hälfte des Raumes ein gewaltiger, dreiteiliger Spiegel. Vor dem Spiegel ein Hocker, auf dem ein Handtuch liegt. Auf dem Fußboden kurze und lange Hanteln - sowie ein Abfallhaufen vor einer hohen Doppeltür, die auf einen anderen Raum verweist.
In dem Bett, nur mit einem Laken bedeckt, an unzählige Kissen gelehnt, schlummernd, Alberta.
Vor dem Spiegel stehend, ein Bandmaß um den Hals und auf dem Kopf ein an den Enden verknotetes Taschentuch, Arnold bei Hantelübungen und Posen.
Nach einer anstrengenden Übung setzt Arnold die Hanteln geräuschvoll ab. Einen Augenblick später klopft jemand gegen die Doppeltür. Alberta schreckt aus ihrem Schlummer; Arnold wird gleichfalls gestört - er zögert. Dann beginnt er eine neue Übung, und unterdessen wird der Redefluß vernehmbar.



ALBERTA
was ist los -
was ist passiert, bevor ich eingeschlafen bin/
Alberta zieht sich ein Stück empor und schaut.
Nach einer Weile schreibt sie spielerisch mit dem linken Zeigefinger ihren Namen in die Luft und läßt die Hand dann fallen.

Albert -
kurzes Schweigen
Albert, wie kommen Sie voran/

ARNOLD
ich heiße Arnold/

ALBERTA
ich lasse Sie nämlich nicht vor meinem Spiegel -
üben, damit Sie mir keine Antworten geben/
eben habe ich ein Wort in die Luft geschrieben -
möchten Sie nicht wissen, welches -
kurzes Schweigen
ich habe meinen Namen in die Luft geschrieben -
Alberta/
sie befaßt sich mit ihrem linken Zeigefinger
hab ich denn da/
kurzes Schweigen
Albert -
Arnold setzt die Hanteln ab
Albert, ich habe eine Überraschung für Sie/

ARNOLD
ich heiße anders -

ALBERTA
ich kenne Ihren Namen -

ARNOLD
Sie verwechseln ihn/

ALBERTA
wie oft waren Sie schon bei mir -

ARNOLD
achtmal -

ALBERTA
haben Sie es gezählt -

ARNOLD
gestern vor einer Woche zum ersten Mal -
kurzes Schweigen

ALBERTA
dann kommen Sie ja täglich - das wußte ich gar nicht/
üben Sie, machen Sie weiter, lassen Sie sich nicht aufhalten - aber bringen Sie mir vorher bitte - bitte noch ein frisches Selterwasser - ich sterbe vor Durst/
Arnold geht hinter den Spiegel und kommt mit einer Selterwasserflasche wieder hervor.
Er ist einen Augenblick lang unentschlossen, schaut dann in den Spiegel und fängt an zu posen.

wie spät ist es -

ARNOLD
vier vielleicht -


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Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors

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