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"Am ersten Tag des Studiums traf ich sie: eine wie der Renaissancewelt Entsprungene, mit leicht verhangenem Blick. (...)
Da sie schon einen Freund hatte, wurde es eine jahrelange Beziehung zu dritt, idealer Hintergrund für die Beschäftigung mit der Psychoanalyse." [a]

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Eines der hundert Bilder aus der Zeit des Moratoriums.
"Damals entstanden etwa hundert Bilder, allesamt vertikal, mit einem schwebenden Ei im Himmel, offenbar hatte ich die sexuelle Orientierung verloren." [b]
"Die Einnehmende vom ersten Studientag hatte genug von mir: sie ging, und das Unglück setzte alles Theoretische unter Wasser." [c]
"Da war ein Briefkasten in der Lindenstraße, da hab' ich meine Manuskripte im Briefumschlag reingeworfen, 50 Meter von Suhrkamp entfernt." [d]
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L e b e n s d a t e n 1 9 7 2 - 1 9 8 1
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1972
1979
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Studium der Pädagogik an der Johann Wolfgang Goethe-Universität, Frankfurt;
Promotion über die Theorie des französischen Psychoanalytikers Jacques Lacan*;
Dr. phil.
"Kaum zurückgekehrt [aus den USA], ging ich nach Mekka, also nach Frankfurt, weil dort der Verlag war, aus dem die neue Literatur hervorging: in seiner Nähe zu sein schien mir ein Stachel, der mich wieder zum Schreiben führen könnte; Frankfurt aber auch, um dort Pädagogik zu studieren - ein Fach, in dem man damals machen konnte, was man wollte, und genau das war für mich Voraussetzung meines größeren Plans, Schriftsteller zu werden, wobei ich keinerlei Vorstellungen hatte von den Büchern, die da, notwendigerweise, zu schreiben wären, allenfalls von dem Leben in Autonomie, das ich anstrebte." [1]
"Mein Herumstudieren (...) war ein einziges ungeordnetes Moratorium, eine wilde Bildungsgeschichte." [2]
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1978
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Erster Vertrag mit dem Suhrkamp-Verlag
"1978, (...) mein erster Vertrag [war] unterschrieben." [3]

Foto: ©Schubert
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1979
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Das Kind oder die Vernichtung von Neuseeland; Schauspiel
"Frühjahr 79, ein Erstlingsstück, ›Das Kind oder die Vernichtung von Neuseeland‹, wird in Saarbrücken uraufgeführt, und der Dramaturg hat sich einfallen lassen, den Namen des Autors auf ein Transparent zu schreiben, das quer über die Front des Theaters gespannt wurde, eines Nazi-Baus mit gewaltiger Fassade, und da steht dann also, Wochen lang, in großen makellosen Buchstaben Bodo Kirchhoff, während Bodo Kirchhoff, eher mit Makeln, auf dem Platz vor dem Staatstheater steht, davon überzeugt, einen bedeutenden Dramatiker zu verkörpern." [4]
Ohne Eifer, ohne Zorn; Novelle
"Knapp tausend Exemplare wurden verkauft, in ›Die Zeit‹ hieß es, wenigstens der Tag, an dem man die Novelle gelesen habe, sei einem verdorben, ein Debüt zum Fürchten nannte es der Rezensent, und vielleicht ist es das auch; ich selbst habe mich beim Schreiben gefürchtet." [5]

Schreib- und Handlungsort: Ostbahnhofstraße 9
Foto: ©Schubert
"Zufällige Umstände, meine Damen und Herren: Daß eines Tages in das Zimmer neben meinem, Ostbahnhofstraße 9, unter dem Dach, jener alte Zoltan Fodor einzog und zu dem Zeitpunkt starb, als ich meine Dissertation gerade erledigt hatte und nichts anderes wollte als schreiben, dann Wand an Wand von mir verweste und ein Grauen vor dem schon zerfallenen, die eigentliche Häßlichkeit der Natur, die unsere Natur ist, zeigenden Körper hervorrief, lösten die kleine Lawine dieser Novelle aus - es war genau die Geschichte, die ich schreiben konnte und das in überwiegend torsohaften, auf penible Weise unvollständigen Sätzen." [6]

Foto: ©Schubert
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"Das Frankfurter Ostend war schon immer eine elende Gegend und ist es auch heute noch und wird auch in Zukunft immer eine elende Gegend sein, egal, wie viele Bars mit buntem Zeug und Galerien mit wirrem Kram in irgendwelchen Fabriketagen rund um das neue Europa-Bank-Sperrgebiet aufmachten, ein Gebäude wie der Ostbahnhof genügte, um die ganze Gegend und ihre Bewohner niederzuhalten."
(Schundroman, Seite 38)
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1980
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Body-Building; Erzählung, Schauspiel, Essay

Studio für Körpertraining, Hanauer Landstr. 14
Foto: ©Schubert
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"Als der Autor vor einem Jahr mit der qualvollen Aufblähung seines Leibes begann, da gab er sich nicht als BODY-BUILDER aus, sondern bezeichnete sich diskret als einen ›Ausgleichssportler‹ (ohne den tiefen Sinn dieses Wortes verstanden zu haben). Mit seiner Arbeit an den Kommentaren zu diesen ›Ausgleichsversuchen‹ änderte sich dann die schamhafte Einstellung allmählich; inzwischen IST der Autor BODY-BUILDER und konnte nachträglich erfahren, was er schon immer war: VERRÜCKT VON SEINEM KÖRPER."
(Aus: Body-Building - Versuch über den Mangel)
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Lesung (»An den Rand der Erschöpfung weiter«) zum ›Bachmann-Preis‹ in Klagenfurt
Die Jury: Humbert Fink, Ulrich Greiner, Peter Härtling ("ein virtuoses Hörbild"), Walter Jens, Joachim Kaiser, Günter Kunert, Adolf Muschg, Klara Obermüller, Marcel Reich-Ranicki, Hilde Spiel und Ernst Willner.
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1981
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Die Einsamkeit der Haut; Erzählungen

Bahnhofsviertel - Foto: ©Schubert
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"Mit Ende zwanzig habe ich von Begegnungen im Frankfurter Bahnhofsviertel erzählt, die so nie stattfanden; damals war das Schreiben für mich auch ein Mittel, meine Erfahrungen etwas zu transzendieren. Aber das hatte nichts mit Therapie zu tun. Ich wollte mir damit eher ein Gegengewicht schaffen. Wenn ich mit einem Fuß im Sumpf bin, mit den Händen aber auf dem Papier, dann kann ich die Balance halten. Ich ziehe damit nicht den Fuß aus dem Sumpf, aber ich halte mich in der Schwebe."
(Neue Rundschau. 1993. H. 3. S. 69-81) |
Wer sich liebt; Schauspiel
An den Rand der Erschöpfung weiter; Monolog
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Bodo Kirchhoff: Legenden um den eigenen Körper, Frankfurter Vorlesungen,
Frankfurt am Main, Suhrkamp 1995
[1] Ebd., S. 33f.; [2] Ebd., S. 37; [3] Ebd., S. 99; [4] Ebd., S. 101; [5] Ebd., S. 40; [6] Ebd., S. 40.
[a] Ebd. S. 35; [b] Ebd. S. 35; [c] Ebd. S. 38.
Claus-Jürgen Göpfert: "Frankfurt spiegelt mehr vor, als es ist", in: Frankfurter Rundschau, 08.10.2002
[d] Ebd.
* Dissertation 1978, Titel: Vom Wider-Stand zur Wider-Rede: Ergänzungen zu psychoanalytischen Theorien zur Kategorie des "Widerstandes" am Beispiel teilnehmender Beobachtung eines auf heilpädagogische Praxis mit sozial Benachteiligten bezogenen, psychoanalytischen Gruppenverfahrens
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