Bodo Kirchhoff (Foto: Alexander Beck)
Bodo Kirchhoff :: Schriftsteller


    home  news   werke   biographie   gespräche   sekundärliteratur   newsletter   gästebuch   dank  




 [ Rezensionen ] [ zurück ]


Uraufführung: 26.11.1995 im Düsseldorfer Schauspielhaus, Kleines Haus. Regie: Detlef Altenbeck.

Dauer: ca. 1 Std. 15 Min., keine Pause


"Bodo Kirchhoff hat den voyeuristischen Kern der Begierde in eine Sprache der Wünsche gefaßt, die aus dem Inneren der Figur dringt, komisch und traurig zugleich. So wird der Leser, eingespannt zwischen dem Conferencier einer neurotischen Selbstentblößung und der lauernden Häme des Publikums zum heimlichen Auge und solcherart Zeuge, wie einer den Körper entkleidet - und ein Gesicht kommt zum Vorschein."
Andrea Köhler, DIE ZEIT


Programmheft


P u b l i k a t i o n e n

Der Ansager einer Stripteasenummer gibt nicht auf





Der Ansager einer Stripteasenummer
gibt nicht auf

Monolog

1. Auflage 1994
Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main 1994
61 Seiten
ISBN 3-518-40610-8

[ Bestellen ]

Leseprobe

Guten Abend, meine Damen und Herren, Sie sehen hier diesen gewöhnlichen Holzstuhl, ja? Dieser gewöhnliche Holzstuhl ist das einzige Requisit für den wohl letzten klassischen Striptease auf deutschem Boden, den anzusagen man sich nicht genieren muß; uns alle erwartet eine Person, die es weder nötig hat, das Datum ihrer Geburt, noch den eigenen Namen zu ändern, die Sie getrost so nennen können, wie ihr Taufschein es vorsieht, nämlich Andrea, wobei ich mir, als ständiger Begleiter, auch erlaube, Andreas zu sagen.

Andreas Nummer dient einzig und allein Ihrem Vergnügen, während ich einzig und allein der Verbreitung von Andreas Ruhm diene: Diener einer Dienerin, wie es Andreas Mutter gern ausdrückt, früher selbst in dem Beruf, eine der Großen des klassischen Striptease, Erfinderin der nackten Pietà und anderer Figuren, jetzt im Privatleben. Natürlich hat Andrea von ihr viel gelernt, zum Beispiel, daß Nacktheit das undurchsichtigste aller Kleider sein kann, aber auch, wie man Publikum warten läßt, oder auf Tics besteht - Andrea ist Vegetarierin und scheut sogar den Anblick von Fleisch jeder Art; sitzen wir in einem belebten Café, mit Fremden am Tisch, stell ich immer wieder denselben Blick an ihr fest, mit dem sie auch Schweinerippchen, die unteren Partien gerupfter Hühner oder gewisse, von den Vätern ihrer Lebensweise als besonders teuflisch eingestufte Sorten von Fett betrachtet. Wir verlassen solche Orte dann rasch, denn meine liebe Andrea bekommt Migräne, sobald sie sich ekelt. Die Attacken bekämpft sie mit Schlaf, man muß aber wissen, daß sie überhaupt gerne schläft, sogar im Sitzen, wobei sie auf die allgemeine Sympathie für Schlafende zählt.

-----------------------------------------------------
Digitale Präsentation der Leseprobe mit freundlicher Erlaubnis des Autors

 [ Rezensionen ] [ zurück ]








   impressum